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4:0 gegen Norwegen DFB-Frauen: Hoch gewonnen und lange gezittert

24.08.2009 ·  Die erste von sechs Etappe auf dem Weg zum EM-Titel haben die deutschen Fußballfrauen gemeistert. Gegen Norwegen glückte ein klarer 4:0-Sieg. Doch so eindeutig wie das Ergebnis war das Spiel nicht - drei Tore fielen in der Nachspielzeit.

Von Gregor Derichs, Tampere
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Die deutschen Frauen haben ihren Weg zum siebten Titel bei der 10. Europameisterschaft erfolgreich betreten. Kurz vor dem Ziel der ersten von sechs Etappen wären die Fußball-Weltmeisterinnen zwar beinahe gestrauchelt, aber anschließend gewannen sie das Auftaktspiel gegen Norwegen in Tampere nach einem furiosen Schlussspurt doch noch souverän 4:0 (1:0).

„So ein verrücktes Spiel habe ich noch nie erlebt“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. Kopfschüttelnd und gestikulierend hatte die Fünfundvierzigjährige die Berg-und-Tal-Fahrt ihres Teams erlebt. Nach einer verdienten Führung in einer phasenweise großartig geführten ersten Halbzeit durch Linda Bresonik (33.) per Foulelfmeter vergab die Elf des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine Fülle an Torchancen. Dadurch erhielt die Partie eine unnötige Spannung.

„Ich dachte, jetzt geht der Schuss nach hinten los“, kommentierte Linda Bresonik deshalb jene Spielsituation in der 89. Minute. Die Norwegerinnen waren zwar deutlich unterlegen gewesen, aber sie hatten bei einem Konter durch Cecilie Pedersen in der vorletzten Minute der regulären Spielzeit eine ausgezeichnete Möglichkeit zum Ausgleich erhalten. Nadine Angerer im deutschen Tor wehrte den schwer zu haltenden Ball jedoch ab, den anschließenden Gegenangriff schloss die eingewechselte Fatmire Bajramaj zum 2:0 (89.) ab.

Linda Bresonik: „Das Spiel hätte auch 8:0 ausgehen können“

„Dass wir so lange auf das 2:0 warten mussten, hat meinen Nerven gar nicht gutgetan“, meinte Silvia Neid. Die Norwegerinnen gaben danach auf, speziell die deutschen Einwechselspielerinnen drehten dafür auf. Anja Mittag (90.+2) und Lira Bajramaj (90.+4) führten in der Nachspielzeit mit ihren Treffern das wahre Kräfte- und Leistungsverhältnis herbei. „Wenn wir uns das Leben nicht selbst so schwergemacht hätten, dann hätte es auch 8:0 ausgehen können“, sagte die Duisburgerin Bresonik, die in Nachfolge der zurückgetretenen Renate Lingor als Spielmacherin des sechsmaligen Europameisters aufgebaut wird.

Auch bei der EM 2005 in England waren die DFB-Frauen zum Auftakt auf Norwegen getroffen und hatten den Weltmeister von 1995 und zweimaligen Europameister 1:0 geschlagen. Im Endspiel in Manchester fiel das Resultat beim 3:1 dann glatter aus. Seitdem haben die Skandinavierinnen, deren Team sich im Umbruch befindet, aber abgebaut. Mehrere erfahrene Spielerinnen haben aufgehört, weil sie Probleme mit Trainer Bjarne Berntsen hatten.

Norwegen ist inzwischen auf Platz zehn der Weltrangliste zurückgefallen, aber auch das Neid-Team sackte als langjährige Nummer eins auf Rang drei hinter Olympiasieger Vereinigte Staaten und den WM-Zweiten Brasilien ab. Mit einem erfolgreichen EM-Turnier, das auch eine wesentliche Rolle in der Vorbereitung auf die WM 2011 im eigenen Land spielt, können die deutschen Frauen wieder Boden nach oben gutmachen. Der Erfolg gegen Norwegen kann bereits eine große Bedeutung dafür besitzen, dass die Gruppe B als Tabellenerster abgeschlossen wird.

In der Gruppenspielen geht es noch gegen Island und Frankreich

„Ich hoffe, dass der Knoten jetzt geplatzt ist und nun das Torschießen leichter fällt“, sagte Silvia Neid. Vor 6550 Zuschauern war die norwegische Torhüterin Ingrid Hjelmseth zur auffälligsten Spielerin geworden. Ihre grellgelbe Kleidung war für die deutschen Spielerinnen offenbar bis in die Schlussminuten das klare Signal: Hier ist Schluss. Die Neunundzwanzigjährige aus Oslo, von Beruf Ingenieur, hielt nach anfänglichen Unsicherheiten exzellent - gegen Inka Grings (32.), gegen Kerstin Garefrekes (38.), gegen Melanie Behringer (45.+2), gegen Birgit Prinz (67.) und gegen Fatmire Bajramaj (85.).

Immer standen die deutschen Spielerinnen allein vor ihr. Dazu gab es Szenen, in denen die Weltmeisterinnen aus wenigen Metern das Tor verfehlten wie Prinz (45.) und den Pfosten trafen wie Celia Okoyino da Mbabi (88.). Trotzdem aber reichte es schließlich zum 21. EM-Spiel ohne Niederlage für die deutsche Mannschaft, die am Donnerstag auf Frankreich, den Weltranglistenachten, und am Sonntag auf Island treffen wird. Das direkte Duell dieser beiden Konkurrenten endete am Montag mit einem 3:1-Sieg der Französinnen.

Deutschland - Norwegen 4:0 (1:0)
Deutschland: Angerer - Schmidt, Krahn, Hingst, Peter - Garefrekes (66. Bajramaj), Kulig, Bresonik, Behringer (86. Mittag) - Prinz, Grings (66. Okoyino da Mbabi)
Norwegen: Hjelmseth - Akerhaugen, Rønning, Mjelde, Huse - Gulbrandsen, Stensland, Storløkken (80. Giske), Wiik (72. Pedersen) - Herlovsen, Thorsnes (58. Kaurin)
Schiedsrichterin: Ihringova (England)
Zuschauer: 7500
Tore: 1:0 Bresonik (33./Foulelfmeter), 2:0 Bajramaj (90.), 3:0 Mittag (90.+2), 4:0 Bajramaj (90.+4)
Gelbe Karten: Bresonik, Kulig / Mjelde

Quelle: F.A.Z.
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