Das Versprechen klang den Fans seit Wochen in den Ohren. Eine ganz andere Mannschaft sollte Fußball-Deutschland zu Gesicht bekommen, prophezeite allen voran Bundestrainer Joachim Löw. Voller Leidenschaft, quicklebendig und mit lange vermisstem Offensivgeist. Gerade gegen den Fußballzwerg aus Liechtenstein sollte dieses Unterfangen doch gelingen. Was nun herausgekommen ist, konnte am Samstagabend in Leipzig vom Ergebnis einigermaßen überzeugen, hochtrabende Erwartungen an ein wahres Feuerwerk in Leipzig allerdings nicht befriedigen.
Das 4:0 in der WM-Qualifikation ist in Ordnung - aber mehr noch nicht. Die Art und Weise der Vorstellung sollte eher als ein Einspielen unter ernsthaften Bedingungen für die wichtigste Aufgabe in der kommenden Woche betrachtet werden - die Begegnung am Mittwoch in Wales (20.45 Uhr / Live in der ARD und im FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker). „Wir haben die Pflicht erfüllt, hätten aber das eine oder andere Tor mehr erzielen müssen“, sagte Löw. Sein Kapitän Michael Ballack sagte: „Das war ein Pflichtsieg, mehr nicht.“
Kapitän Michael Ballack geht mit gutem Beispiel voran
Genug war vor dem Liechtenstein-Spiel geredet und von vielen Seiten gefordert worden. Vom Bundestrainer über den Kapitän bis zum letzten Spieler im Kader waren sich alle sicher, eine atmosphärische Wende herbeizuführen. Die Nationalmannschaft wollte sich nach zuletzt enttäuschenden Niederlagen gegen England und Norwegen mit teilweise ziemlich ernüchternden Erkenntnissen von einer Last befreien und natürlich auf Siegerkurs bleiben in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Südafrika. Es ging gar nicht so sehr darum, mit wie vielen Toren der Fußballzwerg aus dem Fürstentum abgefertigt werden sollte. Mehr interessierte die Absicht, endlich mit schnellem und unter gar keinen Umständen zögerlichem Fußball sich selbst aufmuntern zu können.
4:0 gegen Liechtenstein: Die deutsche Elf erfüllt ihre Pflicht - mehr nicht
Und mit gutem Beispiel ging gleich Kapitän Ballack voran. Es dauerte nur vier Minuten, bis er seine Mannschaft in Führung bringen konnte. Ein echtes Zaubertor, per Direktabnahme in Höhe der Strafraumgrenze volley ins Tor geschossen. Keine Chance für den Liechtensteiner Torwart Peter Jehle, der in der zweiten französischen Liga beim FC Tours sein Geld verdient. Bastian Schweinsteiger gab die gefühlvolle Vorlage von links außen (siehe auch: Einzelkritik: Enke geschont - Ballack belohnt - Gomez ausgepfiffen).
Liechtenstein hält mit recht solider Organisation dagegen
Ballacks toller Einstand sollte der Auftakt sein für einen stürmisch heißen Abend, bei dem die 43.000 überwiegend deutschen Fans im Leipziger Zentralstadion den eiskalten Frühlingsabend am Ende gar nicht mehr spüren sollten. Als kurze Zeit später Marcell Jansen auch noch zum 2:0 traf (9. Minute), nachdem Torwart Jehle einen harten Schuss von Lukas Podolski nicht festgehalten hatte, dachte wohl kaum jemand im Stadion noch an die Gefahr von Langeweile-Fußball. Aber dann: Die Amateurtruppe aus Liechtenstein, zwischen Mauretanien und den Niederländischen Antillen auf Platz 152 in der Fußball-Weltrangliste rangierend, hielt mit einer recht soliden Organisation dagegen.
Dem Team kam das plötzliche Bremsverhalten der Deutschen Mitte der ersten Halbzeit zugute. Immerhin: Sechs von neun echten Fußballprofis, die es überhaupt in Liechtenstein gibt, konnten von Nationaltrainer Zaugg wegen Sperren oder Verletzungen nicht eingesetzt werden (siehe auch: WM-Qualifikation: „Liechtenstein muss die halbe Mannschaft ersetzen“). Eine Torchance konnten sich die Liechtensteiner nicht erarbeiten, dazu fehlten ihnen vor allem die individuellen spielerischen Möglichkeiten. Doch sie schafften es, die stets um Spielfluss bemühte deutsche Elf ein ums andere Mal ins Stocken zu bringen, so dass erst fünf Minuten vor der Pause zwei Lattentreffer nacheinander von Ballack und Jansen das Publikum erfreuen konnten.
„Jetzt kommt eine wesentlich schwierigere Aufgabe auf uns zu“
Zu ungleich die Mannschaften, zu einseitig die Absichten. Nicht immer einfach für den weitaus Stärkeren, in einer solchen Gemengelage zu überzeugen. Ihren guten Willen zeigten Löws Spieler aber gleich wieder nach dem Anpfiff. Das 3:0 von Schweinsteiger (48.) und ein Folgetreffer von Lukas Podolski (49.) verbesserten schnell das Ergebnis. Doch das Bild der ersten Halbzeit wiederholte sich. Der letzte Zug zum Liechtensteiner Tor, die große Bewegungsfreudigkeit aller Mannschaftsteile als Grundlage für weitere zwingende Chancen und die Präzision bei den Zuspielen blieben Mangelware.
Mal flatterte der Ball am Tor vorbei, mal kamen die Stürmer einen Schritt zu spät, oder Torwart Jehle wehrte in größter Not mit einem Reflex noch ab. Insgesamt zu viel Leerlauf bei der spielbestimmenden Mannschaft. Trotzdem goutierten die Leipziger Fans am Ende die eifrigen, aber zu oft unglücklichen Versuche ihrer Favoriten und applaudierten brav nach dem Schlusspfiff. Ihre Hoffnung: Dieser Mannschaft ist noch viel mehr zuzutrauen. „Jetzt kommt eine wesentlich schwierigere Aufgabe auf uns zu“, sagte Ballack mit Blick auf Wales (siehe auch: Die Stimmen zum Spiel: „Wir haben heute den ersten Schritt gemacht“).
Gomez wie ein Schalker, Deutschlands Pflichterfullung und Wales wirkte schlampig
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 29.03.2009, 00:04 Uhr
Gegen Lichtenstein hat's gerade noch gereicht!
Claus Behrens (chipin)
- 29.03.2009, 00:24 Uhr