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4:0 gegen Australien Deutscher Traumstart in die WM

13.06.2010 ·  Glänzender Start für die Deutschen in die Fußball-Weltmeisterschaft: Beim 4:0 gegen überforderte Australier treffen Podolski, Klose, Müller und Cacau. Der Australier Cahill sieht Rot. Die WM hat einen ersten spielerischen Höhepunkt.

Von Michael Ashelm, Durban
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Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hat eine neue Attraktion. Im Vuvuzela-Getöse von Durban hat die deutsche Nationalmannschaft nach einer mitreißenden und teilweise spektakulären Partie ein deutliches Zeichen an alle ihre Konkurrenten gesetzt. Der 4:0-Auftakt in der Gruppe D gegen die Auswahl Australiens war nicht nur torreich, sondern bestätigte das gute Gefühl des Bundestrainers, dass diese junge Mannschaft bei dem Turnier einiges bewegen könnte. Selten zuvor ist einer deutschen Nationalmannschaft ein solch fulminanter Start in ein WM-Turnier geglückt - und das am Ende mit sechs WM-Neulingen in ihren Reihen.

Die Treffer vor 70.000 Zuschauern in Durban erzielten Lukas Podolski (8. Minute), ein wieder erstarkter Miroslav Klose (26.), der überragende WM-Neuling Thomas Müller (68.) und Cacau (70.). Der pomadig wirkende und technisch weit unterlegene Gegner aus Australien, der von einer Mehrzahl der Zuschauer in der Durbaner Arena unterstützt wurde, war von der 56. Minute an nach einer Roten Karte für Tim Cahill nur noch zu Zehnt auf dem Platz.

Es bestätigte sich vor dem Anpfiff, dass der Bundestrainer kaum von seiner vorgesehenen Stammformation abrücken würde. Auch Holger Badstuber blieb in der Abwehrreihe links. Joachim Löw veränderte in seinem 50. Spiel als verantwortlicher Bundestrainer nur in einem Fall seinen Personalplan und brachte auf der rechten Mittelfeldseite den 20 Jahre alten Thomas Müller für Piotr Trochchowski. Das war nur eine kleine Überraschung. Der Münchner stand nach seiner Saisonleistung in München und den Trainingsleistungen in der Vorbereitung sowieso auf dem Sprung in die erste Elf.

Damit senkte der Bundestrainer nicht nur das für ein Weltturnier bemerkenswerte Durchschnittsalter seines Teams auf unter 25 Jahre, sondern erweiterte zugleich den Bayern-Block auf nunmehr fünf Spieler vom Meister und Pokalsieger aus München. Denn auch an am WM-Torschützenkönig von 2006, Miroslav Klose, hielt Löw fest. In der Hoffnung, der um Anschluss kämpfende Stürmer könnte mit das WM-Originalgefühl beflügeln. Es waren genau die richtigen Entscheidungen für diesen stimmungsvollen WM-Auftakt in einer stimmungsvollen Arena.

Müllers Übersicht bereitet das 1:0 vor

Zwar zeigten die ersten Minuten eine etwas nervöse deutsche Elf, die Mühe hatte sich gegen früh und schnell attackierende Australier zu sortieren. Doch die erste Unsicherheit legte sich schnell. Der spröde Gegner, dem in der Heimat zum Vorwurf gemacht wird, langweilig zu spielen, musste erkennen, mit welcher Offensivkraft die Deutschen an diesem klimatisch angenehmen Fußballabend am Indischen Ozean zu Werke gingen. Özil entwickelte sich zur Drehscheibe der deutschen Offensive. In der 8. Minute landete sein Pass bei Müller, der mit großer Übersicht von der rechten Seite zurückspielte in den hinteren Strafraum, wo Lukas Podolski mit langen Schritten heranstürmte und den Ball mit voller Wucht zur 1:0-Führung einschoss.

Ein schwerer Rückschlag für die Australier, die eigentlich vorhatten, aus einer stabilen Defensive den Gegner mit Kontern zu ärgern. Das war nun nicht mehr möglich. Währendessen fand das deutsche Team zu noch mehr Sicherheit, die sich in vielen Ballkontakten, einem flotten Kombinationsspiel und gefährlichen Vorstößen fest machte. Die Abfangjäger der Australier im Mittelfeld, bekannt für ihre Ruppigkeit, waren gegen die wesentlich flexibleren deutschen Spieler nur noch überfordert. Sie wurden jetzt mehr und mehr vom Gegner vorgeführt. In der 24. Minute schoss Klose den Ball nach einem Steilpass von Podolski noch am Tor vorbei.

Özils Spielmacher-Qualitäten blitzen auf

Vielleicht besser so - denn zwei Minuten später folgte ein viel schönerer Showdown für den zuletzt so unglücklichen Angreifer. Ein kurzer Wink von ihm zu Lahm, der sich auf der rechten Seite durchsetzte, worauf sich Klose auf dessen gezielte Flanke fulminant im Luftkampf gegen den australischen Torwart Mark Schwarzer durchsetzte und mit einem wuchtigen Kopfball zum 2:0 traf. Damit war er zurück, damit kann auch für ihn diese WM so richtig losgehen. Demoralisiert wankten die Australier der Pause entgegen.

Vor allem Özils Spielmacher-Qualitäten hinter der einzigen Spitze Klose blitzen immer wieder auf. Doch als Torschütze zeigte er das Gegenteil. In der 30. Minute wurde sein wunderschöner, aber zu kurzer Lupfer über Torwart Schwarzer abgewehrt. In der 40. Minute konnte er den anspruchsvollen Steilpass von Podolski nicht verwerten. Aber das machte gar nichts.

Gerechter Lohn für Müller

Das deutsche Spiel bestand nicht nur aus Özil und einem frech und selbstsicher aufspielenden Müller. Die Hoffnung des Bundestrainers, mit den jungen, spielstarken Kräften ein WM-Turnier auf höchstem Niveau bestreiten zu können, erfüllte sich in Durban auf spektakuläre Weise. Alles funktionierte. Oft schaltete sich auch Sami Khedira in das Angriffsspiel ein, während sein Partner im defensiven Mittelfeld, Bastian Schweinsteiger mehr als Oberkontrolleur vor der Abwehr sicherte. Manchmal stieß Khedira wie eine zweite Sturmspitze nach vorne und sorgte für Torgefahr.

Als der Australier Tim Cahill für eine Rutschattacke von hinten an Schweinsteiger mit Rot vom Platz gestellt wurde, war klar, dass die Australier an diesem Abend nichts mehr zuzulegen hatten. Nach einer kurzen schöpferischen Pause nach der Halbzeit kam die deutsche Offensiv schnell wieder ins Rollen. Erst verpasste der wieder sehr dynamisch wirkende Klose sein zweites Tor, als er einen Kopfball knapp am australischen Tor vorbeisetzte, dann sein kam der junge Senkrechtstarter Müller endlich zu seinem gerechten Lohn. Einen Pass in den Strafraum von Podolski nutzte er zum 3:0 (68.). Ein kleiner Dreher um den Abwehrspieler - und dann der Schuss am Torwart vorbei, der Ball prallte vom Innenpfosten in den Zielraum. Dass am Ende der für Klose eingewechselte Cacau noch zum 4:0 (70.) erhöhte.

Deutschland - Australien 4:0 (2:0)
Deutschland:
Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, Badstuber - Schweinsteiger, Khedira - Müller, Özil (74. Gomez), Podolski (81. Marin) - Klose (68. Cacau). - Trainer: Löw
Australien: Schwarzer - Wilkshire, Neill, Moore, Chipperfield - Valeri, Grella (46. Holman) - Emerton (74. Jedinak), Cahill, Culina - Garcia (64. Rukavytsya. - Trainer: Verbeek
Schiedsrichter: Marco Rodriguez (Mexiko)
Tore: 1:0 Podolski (8.), 2:0 Klose (26.), 3:0 Müller (68.), 4:0 Cacau (70.)
Zuschauer in Durban: 62.660
Rote Karte: Cahill wegen groben Foulspiels (56.)
Gelbe Karten: Özil, Cacau - Moore, Neill, Valeri

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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