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3:1 im Elfmeterschießen Bayern gewinnt das Nervenspiel

 ·  Nach einer halben Stunde ist das Hinspiel egalisiert. Und auch nach 90 Minuten plus Verlängerung bleibt es beim 2:1 für Real Madrid. Im Elfmeterschießen behält Torhüter Neuer die Nerven und lässt den Traum wahr werden.

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© dapd Finale, wir kommen!

Es ist die „bayrische Sternstunde“ geworden, von der Klub-Chef Karlheinz Rummenigge geträumt hatte. Mit einer Darbietung, die sich nahtlos in die Reihe der größten europäischen Abende der Vereinsgeschichte einreichte, hat der FC Bayern am Mittwoch Abend im Elfmeterschießen den Sieg bei Real Madrid erreicht und steht damit im ersehnten Finale der Champions League am 19. Mai in der eigenen Münchner Arena.

Nationaltorwart Manuel Neuer hielt sowohl gegen Cristiano Ronaldo als auch gegen Kaka, und weil Sergio Ramos zudem über das Tor schoss, fielen die beiden bayrischen Fehlschüsse von Kroos und Lahm nicht mehr ins Gewicht. Alaba, Gomez und Schweinsteiger verwandelten vom Punkt - für Real traf einzig Xabi Alonso.

Früh durch zwei Tore von Cristiano Ronaldo in der 6. und 14. Minute 0:2 in Rückstand geraten, übernahm der deutsche Rekordmeister vor 80.000 Zuschauern im Bernabéu-Stadion mehr und mehr das Kommando und kam nach 27 Minuten durch einen Elfmeter von Arjen Robben zum 1:2, das in der Gesamtwertung des Duells den Ausgleich nach dem Münchner 2:1-Sieg im Hinspiel darstellte.

In einem Duell voller Tempo, Technik und Dramatik konnte keine Mannschaft danach noch eine der zahlreichen Torchancen nutzen, so dass es nach 120 Minuten zum Elfmeterschießen kam.

Nach dieser Leistung muss der FC Bayern auch als hoher Favorit für das Finale gelten. Titelverteidiger Barcelona ist aus dem Rennen, und der spielerisch deutlich schwächere Gegner Chelsea muss im Endspiel auf vier gesperrte Stammspieler verzichten. Allerdings handelten sich von den sieben vorbelasteten Bayern-Profis in Madrid auch David Alaba, Luiz Gustavo und Holger Badstuber eine Sperre ein. Vor allem spricht der Heimvorteil für die Bayern: Von den letzten 15 Heimspielen in der Champions League haben sie 14 gewonnen, nur nicht beim 2:3 gegen Inter im März 2011.

Nach einer Viertelstunde sah es schlecht aus

Für Trainer Jupp Heynckes war es ein ganz besonderer Tag: Schließlich kehrte er am Mittwoch zu jenem Klub zurück, bei dem er 1998 die Champions League gewonnen hatte - und dennoch wenige Tage später nach nur einer Saison wieder entlassen worden war. Der bald 67-jährige Trainer freute sich auf ein Duell, wie auch er es in seiner bald fünfzigjährigen Karriere im Profifußball nur selten erlebt hat: „Es wird vermutlich mit das Beste, was man derzeit im Weltfußball sehen kann.“ Und die Partie hielt dieser Erwartung über weite Strecken stand.

Von der ersten Minute an entwickelte sich ein atemloser Schlagabtausch. Schon nach drei Minuten hatte Mesut Özil das 1:0 für Real auf dem Fuß, traf den Ball aber zu schwach, und Torwart Manuel Neuer packte zu. Real drängte weiter, vor allem machte der offensivstarke Linksverteidiger Marcelo, der einzige Neue unter den 22 Spielern gegenüber dem Hinspiel, am Flügel Hochbetrieb. In der sechsten Minute bediente er mit einer genauen Flanke Angel di Maria, der den Ball im Rücken seines Gegenspielers David Alaba volley nahm. Alaba warf sich in den Schuss und erwischte den Ball im Fallen mit dem Arm - Elfmeter. Ronaldo verwertete ihn sicher, sein 25. verwandelter Elfmeter hintereinander. Schon war der Münchner Vorsprung aus dem Hinspiel weg und Madrid im Vorteil.

Nur eine Minute später hätte Alaba sein Malheur beinahe wettgemacht, der 19-jährige Österreicher stürmte bis fast zur Torauslinie durch die spanische Abwehr, schlug eine präzise halbhohe Flanke auf Arjen Robben, doch der Holländer schaufelte den kurz vorher aufsetzenden Ball aus bester Position über das Tor. Obwohl der Abschluss misslang, war er der Weckruf für die nun plötzlich viel präsenteren Bayern, die nun das Kommando übernahmen, aber noch nichts Zwingendes erzeugten. Nach zwölf Minuten schoss Mario Gomez scharf aus 18 Metern, Torwart Iker Casillas war überrascht, aber Sami Khedira erreichte den Abpraller knapp vor dem Bayern-Franzosen Franck Ribéry.

Die Bayern blieben ruhig

Mitten in diese Drangperiode der Bayern fiel das 2:0 für Real. Khedira hatte fast den Ball schon verloren, mit unfreiwilliger Mithilfe von Toni Kroos kam die Kugel aber zu Özil, und der spielte mit einem ganz simplen Pass den völlig frei in der Strafraummitte aufgetauchten Ronaldo an. Der Portugiese, dem sein Gegenspieler Philipp Lahm nicht gefolgt war, schob den Ball unbedrängt ins untere linke Eck. Die Bayern blieben ruhig, sie wussten, es fehlte nur ein Tor, um die Sache wenigstens auszugleichen.

Der Lohn kam nach 27 Minuten: Gomez spielte auf die Seite zu Kroos, spurtete in den Strafraum, um dessen folgende Flanke zu erwischen, wurde dabei aber von Pepe zu Fall gebracht - Elfmeter. Arjen Robben, der noch vor zwei Wochen den Meisterschafts entscheidenden Elfmeter in Dortmund vergeben hatte, lief an, und der Ball flog über die Fingerspitzen von Casillas zum 2:1 ins Netz.

Prickelndes Spiel zweier Teams

Es blieb bei einem packenden Duell mit Großchancen auf beiden Seiten, wie Karim Benzemas feinem Drehschuss Zentimeter am Pfosten vorbei (30.) oder dem etwas zu unplatzierten Flachschuss des von Kroos halbrechts freigespielten Gomez (34.). In der letzten Szene vor der Pause scheiterte Robben mit einem Freistoß aus bester Position an Casillas.

Nach der Pause drängten die Bayern sofort weiter auf den zweiten Treffer, im Wissen, dass die Auswärtstorregel im Falle des 2:2 Real zu zwei weiteren Toren zwingen würde. Ein Gomez-Kopfball strich knapp vorbei (47.), und immer deutlicher wurde, dass die Real-Abwehr an ihre Grenzen stieß. Doch wirklich Zwingendes gelang den Bayern nicht mehr sehr oft, auch weil Robben sich in guter Position den Ball zu weit vorlegte (66.). Und Real blieb mit Einzelaktionen gefährlich, vor allem durch wuchtige Schüsse von Karim Benzema (56. und 70.). Gomez verpasste die große Siegchance in der 86. Minute, als er, von Alaba und Robben freigespielt, sieben Meter vor dem Tor den Ball vertändelte.

In der Verlängerung ließen beide Teams ein wenig ab vom Hurra-Fußball, wobei wachsende Vorsicht und zunehmende Müdigkeit mitspielten. Das prickelnde Spiel zweier Teams, die beide das Finale verdient hatten, kam zum unvermeidlichen Ende, dem Drama des Elfmeterschießens. Es wurde der Auftakt für eine rauschende bayrische Sternen-Nacht in Madrid.

Real Madrid - Bayern München 1:3 i. E. / 2:1 n.V. (2:1/2:1) - Hinspiel 1:2

Real Madrid: Casillas – Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Marcelo – Khedira, Xabi Alonso – di Maria (75. Kaka), Özil (111. Granero), Ronaldo – Benzema (105. Higuain).
Bayern München: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribéry (95. Müller) – Gomez.
Tore: 1:0 Ronaldo (6./Handelfmeter), 2:0 Ronaldo (14.), 2:1 Robben (27./Foulelfmeter)
Elfmeterschießen: 0:1 Alaba, Neuer hält gegen Ronaldo, 0:2 Gomez, Neuer hält gegen Kaka, Casillas hält gegen Kroos, 1:2 Xabi Alonso, Casillas hält gegen Lahm, Ramos schießt drüber, 1:3 Schweinsteiger
Zuschauer: 80.354 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Kassai (Ungarn)
Gelbe Karten: Pepe, Arbeloa, Granero - Alaba, Robben, Luis Gustavo, Badstuber

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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