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3:0 gegen Eindhoven Schalkes stummer Diener in der Heldenrolle

24.11.2005 ·  Schalke 04 kann dank dreier Tore von Kobiaschwili nach dem Erfolg über Eindhoven das Achtelfinale in der Champions League aus eigener Kraft erreichen. Nun muß das Team beim AC Mailand entweder gewinnen oder ein Remis von mindestens 3:3 erreichen.

Von Roland Zorn, Gelsenkirchen
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Lewan Kobiaschwili schien ob des Trubels um seinen großen Auftritt fast ein wenig verlegen. Er, der sonst so selten gefragte Georgier, der „echte Teamplayer“, wie sein Kollege Frank Rost sagte, in einer Reihe mit den Weltstars Andrej Schewtschenko und Adriano?

Da zuckte der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler mit den Schultern und sagte auf dem Weg in die neblige Nacht nur: „Solche Tage können im Fußball passieren.“ Was war bloß an diesem Mittwoch abend in der Veltins-Arena passiert? Kobiaschwili, den seine Kollegen griffig „Kobi“ nennen, hatte ein Kunststück vollbracht, das den versierten Diener seiner Mannschaft für ein paar glorreiche Augenblicke zum Star der Stunde machte.

Eiserne Nerven

Alle drei Treffer beim 3:0-Erfolg des FC Schalke 04 in der Champions-League-Gruppe E über den PSV Eindhoven hatte der schmächtige Dauerläufer mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt erzielt. Und das in einer Nacht, da anderswo die Stürmer-Ikonen Schewtschenko (vier Tore beim 4:0-Triumph des AC Mailand über Fenerbahce Istanbul) und Adriano (drei Treffer beim 4:0 gegen Artmedia Bratislava) spektakulär zuschlugen.

Kobiaschwili bewies vor 54.000 Zuschauern in der ausverkauften Schalker Arena zumindest eiserne Nerven, als er dreimal freie Bahn zum Schuß hatte. Einen Handelfmeter chippte er in die Mitte des Tores (18. Minute), einen Abpraller von der Latte nach Lincolns herrlichem Lupfer bugsierte er locker ins Netz (72.), und einen Foulelfmeter (79.) nutzte er obendrein kaltblütig. Voila, die „Königsblauen“ mußten nicht lange nach dem Heldendarsteller in dieser einseitigen Begegnung mit dem dezenten holländischen Meister fahnden.

Basisdemokratie auf dem Platz

Der sonst so schweigsame, uneigennützige Arbeiter am linken Rand des Geschehens hatte an dem Tag, da sich die Schalker Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales zumindest nicht verschlechterten, beherzt die Hauptrolle an sich gerissen. Rafinha (gesperrt) und Larsen (saß auf der Bank), die sich bisher als Schalker Strafstoßschützen versucht hatten, fehlten, also erinnerte sich Kobiaschwili daran, daß er einst auch schon den Freiburgern aus chronischen Elfmeter-Beklemmungen heraushalf.

„Es gab keine Vorgabe vom Trainer“, erläuterte der Schütze die unter den Profis auf dem Platz basisdemokratisch gelöste Frage, wer denn zum ersten Strafstoß anlaufen solle. Und er sagte auch, warum er sich so sicher gefühlt habe. „Ich habe gestern schon im Training einen Elfmeter geschossen und verwandelt.“

Assauer nüchtern und illusionslos

Jedenfalls ging Lewan Kobiaschwili voran, als es wieder einmal galt, die so oft beschworene „Verantwortung“ zu übernehmen. Das gute Beispiel des Georgiers inspirierte auch dessen Kollegen zu einem Abendprogramm, das den Schalker Anhang letztlich erwärmte - aber nicht so nachhaltig, als daß sich daraus ein Übermaß an Vorfreude für das Gruppenfinale am Nikolaustag ableiten ließe. Denn nun stehen die Westfalen als punktgleiche Zweite mit Tabellenführer Milan zwar gut da, doch der PSV lauert mit einem Punkt Abstand dahinter und darf zum Abschluß der ersten Champions-League-Phase gegen den seit Wochen international schwächelnden türkischen Champion Fenerbahce Istanbul daheim antreten. Die Schalker aber müssen auswärts beim AC Mailand ran und sind dort quasi verpflichtet zu gewinnen. Andernfalls droht in dieser Gruppe, in der sich jeder noch Chancen auf ein europäisches Weiterkommen ausrechnet, der Rutsch auf Rang drei.

Eine Auffangposition, welche auf jeden Fall ausreicht, um 2006 im Uefa-Cup auf Europas Bühnen weitermachen zu dürfen. Doch die ganz große Show in der „Königsklasse“ ginge unter diesen Umständen ohne die Schalker weiter, die sich im nachhinein über die 0:1-Niederlage in Eindhoven und vor allem über den verschenkten Sieg beim 3:3 in Istanbul ärgern werden. „Hätten wir dort gewonnen, wären wir schon durch“, argumentierte Trainer Ralf Rangnick konditional. Nüchtern und illusionslos schätzte dagegen Rudi Assauer, der Manager der Schalker, die Lage keineswegs rosig ein. „Die Chance in Mailand ist da, aber ich glaube, daß wir mit dem dritten Platz vorliebnehmen müssen. Da muß man realistisch sein.“

Nebendarsteller üppig belohnt

„Wenn wir einen guten Tag wie beim Hinspiel gegen den AC (2:2) erwischen“, lautet Kobiaschwilis nächster Herzenswunsch, „können wir auch Mailand schlagen.“ Als „einen der schönsten Tage in meiner Karriere“ bezeichnete der Georgier mit dem erstmals ausgeprägten Torinstinkt seine Dreierpack-Premiere. „Bisher“, klärte er Neugierige auf, „habe ich noch nie zwei Tore in einem Spiel gemacht.“ Am Mittwoch gegen Eindhoven mag der Spieler, der in dieser Spielzeit noch keinen Bundesliga-Treffer geschossen hat, überhaupt erst seine Vollstreckerqualitäten entdeckt haben. Doch da Kobiaschwili Realist ist und dazu oft genug als linker Verteidiger bei den Schalkern aushelfen muß, weiß er auch, daß er nicht im Wochenrhythmus mit derart exklusiven Torgelegenheiten rechnen kann wie diesmal. Schön für ihn, daß dieses Spiel zuzeiten auch seine eifrigsten Nebendarsteller üppig belohnt.

Kumpel „Kobi“ gehört bei den Schalkern zu jenen, die immer und überall wie selbstverständlich für das große Ganze da sind. Solche Typen brauchen sie mehr denn je, wenn sie am 6. Dezember Andrej Schewtschenko und den anderen Stars des AC Mailand die Stirn bieten wollen.

FC Schalke 04 - PSV Eindhoven 3:0 (1:0)
Schalke 04: Rost - Altintop, Bordon, Rodriguez, Krstajic - Poulsen, Ernst - Varela (73. Asamoah), Lincoln, Kobiaschwili (89. Bajramovic) - Kuranyi (85. Sand)
Eindhoven: Gomes - Reiziger (78. Sibon), Ooijer, Alex, Lamey - Afellay, Simons (46. Lucius), Cocu - Farfán, Robert, Aisatti (46. Vennegoor of Hesselink)
Schiedsrichter: Michel (Slowakei)
Zuschauer: 53.994 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Kobiaschwili (18./Handelfmeter), 2:0 Kobiaschwili (72.), 3:0 Kobiaschwili (79./Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Altintop, Bordon / -

Quelle: F.A.Z. vom 25. November 2005
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