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3:0 gegen Chile Juan öffnet die Tür für mehr brasilianische Magie

28.06.2010 ·  Vorne ein wenig Glanz, und hinten fehlerlos: Im WM-Achtelfinale besiegt Brasilien im Südamerika-Duell Chile mit 3:0. Juan, Luis Fabiano und Robinho treffen. Im Viertelfinale wird es schwieriger: die Niederländer warten.

Von Roland Zorn, Johannesburg
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Nach Deutschland gegen Argentinien gibt es im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika den zweiten europäisch-südamerikanischen Hit. Rekordweltmeister Brasilien trifft am Freitagnachmittag (16.00 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) in Port Elizabeth auf die ähnlich hoch eingeschätzten Niederländer und ist in dieser Begegnung ganz sicher nicht der Außenseiter.

Auf dem Weg zum sechsten Titelgewinn überwanden die Brasilianer am Montagabend im Johannesburger Ellis Park die Hürde Chile leicht und locker mit einem 3:0-Erfolg durch die Treffer von Juan (34. Minute), Luis Fabiano (38.) und Robinho (59.). Nur in der ersten halben Stunde hatte die Selecao gegen ihren südamerikanischen Nachbarn ein paar kleinere Probleme, setzte sich dann aber deutlich von den stets bemühten Chilenen ab. „Wir haben heute sehr gut gespielt - und nun sind wir auf einem guten Weg“, sagte Fabiano. „Das war schwer heute. Aber gegen die Holländer wird es noch schwerer.“

Kaká und Robinho lieferten vor 54.000 Zuschauern den Glanz, während die Abwehr um Lucio und den sehr starken Juan den Zu-Null-Erfolg mit fehlerloser Arbeit abrundete. Macht die Mannschaft von Trainer Carlos Dunga nur so weiter, muss sich die Konkurrenz schon sehr strecken, um diese Brasilianer noch aufhalten zu können. „Wir müssen uns immer noch weiter verbessern, in allen Bereichen“, sagte Dunga. „Aber ja, es war ein sehr gutes Spiel von uns.“

Duell zwischen den besten Teams Südamerikas

Seine Bestbesetzung hatte Dunga für dieses Achtelfinale gegen den südamerikanischen Lieblingsgegner nicht zusammenbekommen. Die verletzten Elano und Felipe Melo waren nicht rechtzeitig fit geworden. An ihrer Stelle spielten Dani Alves vom FC Barcelona und der nach der zweiten Gelen Karte für das nächste Spiel gesperrte Ramires von Benfica Lissabon - keine schlechte Wahl, weil diese beiden Spieler für etwas mehr Spektakel im brasilianischen Team stehen.

Wieder dabei waren die beim 0:0 im letzten Gruppenspiel gegen Portugal gesperrten oder geschonten Kaká und Robinho. Vor allem Robinho liebt die Auseinandersetzungen mit der „Roja“, die gegen die Selecao zuletzt vor zehn Jahren gewonnen hat. In den vergangenen fünf Partien gegen die Kollegen aus dem Staat zwischen Anden und Pazifischem Ozean erzielte er allein sechs Treffer.

Überhaupt versprach diese Begegnung zwischen dem Ersten und Zweiten der südamerikanischen WM-Qualifikation allerhand, waren doch die Chilenen im bisherigen Turnierverlauf die Mannschaft, die immer wieder, und das sogar in Unterzahl, die Offensive suchte. Gegen Brasilien musste der argentinische Coach Marcelo Bielsa indes eher am Umbau der Abwehr als an der weiteren Stärkung des Angriffs arbeiten. Medel und Ponce, Stammkräfte der Dreierkette vor dem Tor, waren diesmal gesperrt.

Juans Tor öffnet die Tür für etwas mehr Magie

Allen Personalnöten zum Trotz sagte Rechtsverteidiger Mauricio Isla vor der Partie: „Wir denken nie daran, weniger anzugreifen.“ Und so legten sie auch gleich mal los mit ihrer unorthodoxen 3-1-3-3-Formation. Die Chilenen, alle stark am Ball, waren in der ersten halben Stunde immer schnell vorn und genauso hurtig wieder hinten. Nur: Gelegenheiten zu mehr, als nur die Muskeln spielen zu lassen, hatten sie nicht.

Die Selecao schaute sich das dreißig Minuten lang an, suchte geduldig nach Platz zur Entfaltung des eigenen Potentials und fand ihn endlich, als das Geknubbel im Strafraum am größten war. Juan, in diesem Turnier noch etwas stärker als sein Innenverteidigerkollege Lucio, schraubte sich bei Maicons Eckball am höchsten und erzielte mit einem wuchtigen Kopfball das 1:0 für den Rekordweltmeister (34.) - das erste WM-Tor aus einer Standardsituation für die auf diese Augenblicke spezialisierten Brasilianer. Nun war auch die Tür für etwas mehr Magie geöffnet.

Chile bleibt Robinhos und Brasiliens Lieblingsgegner

Vier Minuten später profitierte Luis Fabiano bei seinem dritten Turniertreffer von der zauberhaften Vorarbeit, die Robinho und der stark verbesserte Kaká geleistet hatten. Der zentrale Angreifer umspielte auch noch Torwart Bravo, und es hieß 2:0 für den ersten Titelkandidaten. Wieder einmal hatten Dungas Spieler eindrucksvoll gezeigt, wie entschlossen sie entscheidende Momente suchen und dann kühl oder kunstvoll nutzen können. Standards plus Artistik plus Effektivität, das könnte die Weltmeistermischung dieses Jahrgangs sein.

Das Spiel mal eben um zwei Gänge hochschalten und mit einem Tor abschließen: Nach dieser Erfolgsmethode erhöhte Brasilien in der 59. Minute noch auf 3:0. Diesmal sprintete Ramires Meter um Meter aus dem hinteren Mittelfeld nach vorn, passte zu Robinho, und der erzielte mit einem Flachschuss aus 15 Metern Torentfernung das nächste Tor - sein siebtes gegen Chile in den vergangenen sechs Spielen der beiden Mannschaften gegeneinander. Chile bleibt Robinhos und Brasiliens Lieblingsgegner.

Brasilien - Chile 3:0 (2:0)
Brasilien:
Julio Cesar - Maicon, Lucio, Juan, Michel Bastos - Dani Alves, Gilberto Silva, Ramires - Kaka (81. Kleberson) - Luis Fabiano (76. Nilmar), Robinho (85. Gilberto). - Trainer: Dunga
Chile: Bravo - Isla (62. Millar), Contreras (46. Tello), Jara, Fuentes - Vidal, Carmona, Beausejour - Sanchez, Suazo, Gonzalez (46. Valdivia). - Trainer: Bielsa
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Tore: 1:0 Juan (34.), 2:0 Luis Fabiano (38.), 3:0 Robinho (59.)
Zuschauer in Johannesburg/Ellis Park: 54.096
Gelbe Karten:
Kaka (3), Ramires (2) - Vidal, Fuentes, Millar

Quelle: FAZ.NET
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