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2:2 gegen Frankreich : Stindl rettet die Serie im letzten Moment

Ein Spiel dauert 93 Minuten und am Ende freut sich Deutschland Bild: dpa

Deutschland bleibt auch im 21. Spiel seit dem EM-Halbfinale ungeschlagen. Gegen starke Franzosen fällt der Ausgleich zum 2:2 kurz vor Toresschluss.

          Joachim Löw hatte schon vorab seine Bilanz eines, wie er sagte „langen Jahres“ gezogen. „Sehr zufriedenstellend“, so das Urteil des Bundestrainers, sei 2017 für ihn und die Nationalmannschaft verlaufen – abweichende Meinungen waren da nicht zu erwarten nach dem beinahe maximalen Ertrag mit dem Höhepunkt des Confed-Cup-Gewinns und der souveränen Pflichterfüllung in der WM-Qualifikation.

          Vor dem letzten Länderspiel des Jahres gegen Frankreich hatte Löw allerdings sicherheitshalber noch ein „bislang“ hinzugefügt, und das, wie sich zeigte, mit gutem Grund. Das Duell mit der Equipe Tricolore am Dienstag in Köln war eine Erinnerung daran, dass anderswo auch guter, und manchmal vielleicht sogar besserer Fußball gespielt wird als im Land des Weltmeisters.

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          Sollte ein gewisser (gesunder) Respekt eines von Löws Lernzielen gewesen sein – die Franzosen waren dafür der richtige Gegner. Es wäre keine Überraschung, wenn das technisch brillante, bisweilen rasante und dabei ausgesprochen breit aufgestellte Team von Didier Deschamps im nächsten Jahr in Russland ein Wörtchen um den WM-Titel mitreden würde.

          Löws Mannschaft konnte sich zur Pause nicht über den Rückstand durch das Tor von Alexandre Lacazette (33. Minute) beklagen, danach aber zeigten die Deutschen die dringend gebotene Reaktion, eine gewisse Zaghaftigkeit wich frischer Entschlossenheit und weltmeisterlicher Autorität, so dass Timo Werner zum verdienten Ausgleich traf (56.). Ausgerechnet in der besten deutschen Phase aber jubelte Lacazette noch ein zweites Mal (71.) für die Franzosen, doch der eingewechselte Lars Stindl rettete in der Nachspielzeit noch das 2:2 und damit die Serie von nunmehr 21 Spielen ohne Niederlage seit dem Aus im EM-Halbfinale von Marseille gegen die Franzosen.

          „De Mannschaff kütt“ – es war keine Markenrechtsverletzung, was auf den Werbemitteln für das Spiel zu lesen war, sondern der von den PR-Strategen des DFB ausgeheckte Gruß an die Kölner, auf dass sie zahlreich erscheinen mochten. Am Ende folgten knapp 37.000 der Einladung, das waren mehr, als zwischenzeitlich erwartet worden waren, im Kölner Stadion zeigten sich aber immer noch einige Lücken. „Man muss die Zuschauer auch irgendwo verstehen“, sagte Löw dazu vor dem Spiel lapidar und verwies auf ein gewisses Fußball-Überangebot einerseits und die „auch nicht immer völlig perfekte“ und definitiv nicht familienfreundliche Anstoßzeit um 20.45 Uhr andererseits.

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          Diejenigen, die da waren, mussten ihr Kommen aber keinesfalls bereuen. Vom Anpfiff weg gab es Offensivfußball der gehobenen Kategorie zu sehen. Wobei die Franzosen sogar noch mehr Esprit verströmten und den Weltmeister beunruhigend oft in die Bredouille brachten. Zu Löws Experimentierbaukasten gehörte diesmal eine Rückkehr zur 4-2-3-1-Grundordnung, wobei sich schnell zeigte, dass auch die in diesen Schemata vernachlässigte, weil unverrückbare Figur keine kleine Rolle spielen würde: Kevin Trapp im deutschen Tor konnte sich über mangelnde Beschäftigung nicht beschweren gegen eine französische Mannschaft, die Löws Vorahnungen und auch Warnungen von offensiver Wucht eindrucksvoll bestätigte.

          Es war dabei eben längst nicht nur Kylian Mbappé, der jederzeit in der Lage war, Gefahr heraufzubeschwören – die Bedrohung kam von allen Seiten. Und wenn Trapp nicht zwei Mal beherzt eingegriffen hätte, bei Schüssen von Lacazette (19.) und Mbappé, und wenn die Franzosen nicht eine erstklassige Konterchance verschludert hätten, als Martial und Mbappé nur noch Süle und Trapp vor sich hatten – die Führung für die Equipe Tricolore hätte schon früher fallen können. So war es aber sehenswert genug, wie elegant Martial im Strafraum Süle verlud und Lacazette das Vergnügen des Tores überließ.

          Die Franzosen wirkten über weite Teile der ersten Hälfte frischer und flinker als Löws Team, in dem zwar vor allem Sami Khedira als Nebenmann von Toni Kroos um Struktur und Zusammenhalt bemüht war, aber auch nicht an allen Brandherden gleichzeitig sein konnte. Als strukturelles Hemmnis erwies sich die überraschende Nominierung von Emre Can als rechter Außenverteidiger – eine Position, die der robuste Liverpooler zuletzt eigentlich nicht mehr gespielt hatte. Weil über ihn und Marvin Plattenhardt auf der linken Seite nach vorne nicht viel passierte, geriet das deutsche Spiel zuweilen arg zentrumslastig.

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          Dort hatten zwar Gündogan, Özil und Draxler vereinzelte Geistesblitze, die nicht nur Effekt, sondern auch Wirkung versprachen, doch klare Chancen blieben spärlich, weil dort, wo ein Flow hätte entstehen können, sich doch meist noch ein Haken fand. Erst nach dem 0:1 sah das besser aus, und Werner kam zu zwei Gelegenheiten, beide Male eingeleitet von Draxler, dem auffälligsten und dynamischsten deutschen Kreativspieler an diesem Abend, beide Male aber ließ das Finish des flinken Leipzigers zu wünschen übrig.

          Nach der Pause kam Antonio Rüdiger für Hummels und hätte in der 53. Minute gleich für den Ausgleich sorgen können – doch er verpasste Draxlers Hereingabe. Dafür machte es Werner in seinem dritten Versuch besser. Von Özil punktgenau freigespielt, blieb er diesmal vor Mandanda cool und schob dem Torwart den Ball durch die Beine. Die Deutschen wirkten nun viel präsenter und ließen ihrerseits die Muskeln spielen, auch wenn Trapp sich bei einem Schuss von Martial noch einmal strecken musste. In der 65. Minute brachte Löw dann Mario Götze für Gündogan, wenig später traf Kroos mit einem Freistoß die Latte. Dann plötzlich setzte Mbappé seinen Kollegen Lacazette so in Szene, dass der es allein mit Trapp aufnehmen konnte – und mit Erfolg. Es sah schon nach dem Ende der Serie aus, doch dann traf Stindl nach glänzender Vorarbeit von Özil und Götze im letzten Augenblick.

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