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2:1 in Marseille : Großkreutz rettet die Borussia

Der Ur-Dortmunder macht es möglich: Großkreutz bringt Dortmund weiter Bild: dpa

Dortmund steht kurz vor dem Ausscheiden aus der Champions League. Dank des Treffers von Großkreutz in der 87. Minute wird die Borussia dann sogar noch Gruppensieger.

          Alle Vorlagen, die man sich nur wünschen kann, bekamen die Dortmunder in ihrem Finale: eine frühe Führung, einen Platzverweis für den Gegner nach gut einer halben Stunde. Und doch mussten die Borussen lange bangen am Mittwochabend im Stade Vélodrome von Marseille. Bis zur 87. Minute dauerte es – dann erlöste einer die Mannschaft von Jürgen Klopp, der wie kein anderer für die schwarz-gelbe Leidenschaft steht, die der Klub so gern propagiert: Kevin Großkreutz, der Ur-Borusse, war es, der mit seinem Tor zum 2:1-Sieg bei Olympique Marseille den Dortmundern doch noch die Tür zum Achtelfinale aufstieß - und das sogar als Gruppensieger.

          Zuvor hatte Robert Lewandowski (4. Minute) den BVB in Führung gebracht und Souleymane Diawara (14.) den Ausgleich für den Fünften der französischen Liga erzielt. Bei einem 1:1 wären die Borussen ausgeschieden gewesen, weil zugleich der SSC Neapel gegen den FC Arsenal 2:0 gewann.

          © ZDF

          Auch in Marseille war es keineswegs überzeugend, was der BVB bot. Die Unfähigkeit, aus der Überzahl nach der Gelb-Roten Karte gegen Dimitri Payet (34.) Kapital zu schlagen, hätte sich beinahe bitter gerächt. Aber weil Großkreutz noch einen Knalleffekt parat hatte, wurde es doch noch eine Dortmunder Vorweihnachtsparty an der Mittelmeerküste.

          Zuletzt war ja nicht allzu viel so gelaufen, wie man sich das in Dortmund vorstellt. Diesmal immerhin bekamen die Borussen gleich den ersten Wunsch erfüllt - eine frühe Führung. Nach einem perfekt dosierten Zuspiel von Durm schüttelte Lewandowski die einzig verbliebene Abwehrkraft, Mendes, ab. Und gegen den Schlenzer ins lange Eck war Torwart Mandanda machtlos.

          Sarr gab sein Profibedüt

          Doch die nervenberuhigende Wirkung dieses 1:0 währte nur etwa zehn Minuten. Dann verschätzte sich Weidenfeller bei einem Freistoß von Payet, so dass Khalifa zum Kopfball kam. Der traf zwar nur die Unterkante der Latte, für den Abpraller aber war Diawara zur Stelle - aus klarer Abseitsposition, aber der Treffer zählte.

          Mit gewissen Abstimmungsproblemen in der Abwehr war ja zu rechnen gewesen - aber doch nicht in Person des erfahrenen Weidenfeller. In der Innenverteidigung war der Personalnotstand so groß, dass ein weithin unbekannter Name wie Marian Sarr zwischen all den prominenten Markenbotschaftern des Dortmunder Spiels auftauchte.

          Champions Leaque : Nervenkrieg für Jürgen Klopp

          In Abwesenheit der verletzten Hummels und Subotic sowie des dort zuletzt gegen Neapel aushelfenden Sven Bender setzte Klopp auf die 18 Jahre alte Nachwuchskraft aus dem U-23-Team, das in der 3. Liga spielt: für Sarr war es das Debüt auf großer Bühne. Immerhin konnte der Trainer in der Spielzentrale Sahin aufs Feld schicken, auch er war angeschlagen aus dem verlorenen Bundesligaduell mit Leverkusen hervorgegangen, biss aber die Zähne zusammen.

          Es sah nicht gut aus für die Borussia

          Doch was die Borussia den Rest der ersten 45 Minuten bot, genügte nicht höheren Ansprüchen. Eigentlich müssten sich die Dortmunder Offensivkräfte auf dem Rasen der Stadionbaustelle von Marseille frei wie selten gefühlt haben; so viel Platz zum Kombinieren bekommt man schließlich nicht alle Tage. Auf Touren aber kam das Spiel des BVB dennoch nicht. Woran auch eine unerwartete Hilfe nach gut einer halben Stunde zunächst kaum etwas änderte. Als im Dortmunder Strafraum Payet in einem Duell mit Sahin zu Boden ging, entschied Schiedsrichter Strahonja auf Schwalbe und verwies den zuvor verwarnten Flügelspieler des Feldes – eine fragwürdige Entscheidung.

          Der Ur-Dortmunder macht es möglich: Großkreutz bringt Dortmund weiter
          Der Ur-Dortmunder macht es möglich: Großkreutz bringt Dortmund weiter : Bild: dpa

          In Überzahl wurde die Borussia zunächst dominanter, aber nicht besser. Olympique war schon reichlich zerzaust in diesem Gruppenfinale angekommen: ohne Punkte - und seit dem Wochenende auch ohne Trainer. Ein 0:1 zu Hause gegen Nantes war Elie Baup zum Verhängnis geworden, für ihn saß der Sportdirektor José Anigo auf der Bank, eine veritable Klublegende, die natürlich ein ehrenvolles Resultat anstrebte. Gegner dieses Kalibers aber hätte die Borussia im Vollbesitz ihrer Kräfte und in besseren Tagen wohl in ihre Bestandteile zerlegt. So aber scheiterten die Dortmunder direkt nach der Pause zunächst sogar beim Versuch, eine nahezu hundertprozentige Chance im Tor unterzubringen: Mchitarjans Querpass frei vor Mandanda erwischte Lewandowski auf dem falschen Fuß.

          Immerhin verwandelte sich die Dominanz nun in drückende Überlegenheit. Und auch der Spielwitz kehrte zurück. Gleich zwei Mal leitete Lewandowski mit einem Hackentrick eine vielversprechende Torszene ein. Zuerst fischte Torwart Mandanda so eben noch einen Kopfball von Blaszczykowski von der Linie, dann traf Reus den Pfosten. Und Lewandowski schoss ans Außenetz, nachdem er Mandanda schon umkurvt hatte.

          Doch keine brotlose Kunst: Dortmunder Ballspiel
          Doch keine brotlose Kunst: Dortmunder Ballspiel : Bild: AFP

          Nun wurde es kitzlig: Aus Neapel wurde die Führung des SSC gegen Arsenal gemeldet. Das bedeutete: Die Borussia brauchte einen Sieg. Und als es schon nicht mehr danach aussah, traf Großkreutz mit einem Schuss von der Strafraumgrenze.

          Olympique Marseille - Borussia Dortmund 1:2 (1:1)

          Olympique Marseille: Mandanda - Fanni, Diawara, Mendes (46. Abdallah), Mendy - Lemina, Cheyrou - Thauvin (79. Imbula), Khalifa (55. Morel), Payet - Gignac
          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Sarr, Sokratis, Durm - Kehl (78. Piszczek), Sahin - Blaszczykowski (66. Hofmann), Mchitarjan, Reus (78. Schieber) - Lewandowski
          Schiedsrichter: Strahonja (Kroatien)
          Zuschauer: 35 000
          Tore: 0:1 Lewandowski (4.), 1:1 Diawara (14.), 1:2 Großkreutz (87.)
          Gelbe Karten: Gignac / Sarr
          Gelb-Rote Karten: Payet (34./Unsportlichkeit) / -

          Quelle: FAZ.NET

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