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2:1 in Bremen Gift und Galle - Bayerns größter Vorteil

03.10.2004 ·  Die Münchner fassen Tritt, die Bremer leiden unter Rhythmusstörungen. Die robuster, entschlossener und hartnäckiger auftretenden Bayern wollen spätestens Weihnachten an der Tabellenspitze stehen.

Von Roland Zorn
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Thomas Schaaf wirkte eine Spur blasser als sonst. Der Meistertrainer von Werder Bremen hatte an diesem Samstagnachmittag mehr als nur die 1: 2-Niederlage seiner Mannschaft im Prestigeduell mit Rekordmeister FC Bayern München zu verschmerzen. Ihn plagte auch die jüngste Krankmeldung eines seiner Stammspieler: Innenverteidiger Frank Fahrenhorst mußte schon nach sieben Minuten durch Peka Lagerblom ersetzt werden, weil ihm sein Nationalmannschaftskollege Michael Ballack mit einem Ellbogenschlag das Nasenbein gebrochen hatte.

Der Münchner sagte über diese erste Schlüsselszene einer knallharten Auseinandersetzung zu seiner Entlastung: "Es tut mir leid, ich sehe ihn nicht und stehe mit dem Rücken zum Tor. In dem Moment, in dem ich mich drehe, nehme ich den Ellenbogen hoch und treffe ihn an der Nase." Schaaf und einem Großteil der Bremer Anhänger hat dieser Nasenstüber ganz und gar nicht gefallen. Weil aber der hanseatische Fußball-Lehrer ein Herr der Contenance ist, sagte er zu dem Zwischenfall nur: "Jeder kann sich seine Meinung bilden." Seine Bremer hätten derzeit jedenfalls "eine Menge zu verkraften". Verletzte in Serie wie Pasanen, Baumann, Davala, Jensen, Nery, Lisztes und nun auch Fahrenhorst.

Strittige Szenen nicht abgepfiffen

Daran allein aber lag es nicht, daß den Bayern nach acht sieglosen Bundesligaspielen gegen Werder die Revanche für die Meisterschaftsentscheidung glückte, die die Bremer am 8. Mai mit einem 3:1-Triumph in München herbeigeführt hatten. Das Team von Trainer Felix Magath wirkte robuster, entschlossener und hartnäckiger als der Titelverteidiger, dem diesmal auch der französische Stardirigent Johan Micoud keinerlei Impulse zu geben vermochte. Dazu setzten sich die Bayern auch deshalb durch, weil Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel das Münchner Actionprogramm in strittigen Szenen nicht abpfiff.

Ballack, der Anführer in der bajuwarischen Ellenbogengesellschaft, unterdrückte Miroslav Klose, einen weiteren Nationalmannschaftskumpel, bei seinem Kopfballtreffer zur 1:0-Führung, so daß der Bremer Angreifer zu Boden purzelte. "Klar hat der Michael den Arm drauf", lautete Kloses Meinung zum Härtefall in der 20. Minute, "da kann ich so hoch springen, wie ich will - so habe ich keine Chance." Ganz anders argumentierte verständlicherweise der Torschütze: "Es war ein ganz normaler Zweikampf, ich muß doch den Arm beim Hochspringen mit hoch nehmen."

Unsympathisch-aggressive Verhaltensweise

Der arme Klose, der sich auch an gemütlicheren Tagen nicht besonders anstrengen muß, um eine Leidensmiene aufzusetzen, mußte an diesem Samstag vor 42.000 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion, einiges aushalten. So auch, und das gleich zweimal, den Zeigefinger von Nationaltorwart Oliver Kahn. Kahn berief sich auf einen "Schlag in die Nieren", den ihm aber zumindest Klose nicht zugefügt haben konnte. "Dann müssen eben irgendwelche höheren Mächte im Spiel gewesen sein", erklärte der Keeper seine wieder einmal unsympathisch-aggressive Verhaltensweise wolkig.

Bei so viel Gift und Galle in diesem vermeintlichen Gipfeltreffen, das Fandel mit sieben Gelben Karten farblich noch dezent begleitete, war eines dennoch nicht zu übersehen: Die Bayern hatten die Strapazen einer Woche mit zwei Bundesliga-Spielen und einer Champions-League-Begegnung besser verarbeitet; wie es scheint, schlägt die Fitnesskur ihres neuen Trainers Magath endlich an. Der verkniff sich große Worte und nahm Werder sogar in Schutz: "Für uns war es heute ein Vorteil, daß Werder (Bremen spielte am Mittwoch gegen Valencia, Bayern am Dienstag gegen Amsterdam) einen Tag weniger ausruhen konnte. Für eine Heimmannschaft, die das Spiel machen muß, ist das schon ein Nachteil."

Spätestens Weihnachten ganz oben

Der Vorteil der Bayern war deren Überlegenheit im Mittelfeld. Während Micouds schöpferischer Schwächeanfall auch dessen Nebenleute sichtlich verzweifeln ließ, führte Ballack ein kreatives, mobiles und agiles Teilensemble mit Koryphäen wie Deisler (später Schweinsteiger, den Schützen zum 2:0 (75.), Ze Roberto, Frings und Hargreaves an. Sie alle krempelten in Bremen die Ärmel auf, während Werder die Leere in den Köpfen nicht wirksam bekämpfen konnte. "Wenn das nicht so wäre", bemerkte der überaus zufriedene Bayern-Manager Uli Hoeneß zu den Mittelfeld-Aktivitäten seiner Stars, "hätten wir sie überbezahlt."

Während Hoeneß forderte, daß die Bayern, im Augenblick Dritte der Tabelle, spätestens bis Weihnachten wieder ganz oben zu sein hätten, muß Werder die zweiwöchige Pause bis zum nächsten Bundesliga-Spieltag nutzen, einen Teil seiner Verletzten wieder gesund zu pflegen und dazu die inneren Kräfte aufs neue zu stärken. "Wir haben wieder nicht an uns geglaubt", beschrieb der Bremer Kopfballtorschütze Miroslav Klose (81.) Werders vor allem in der ersten Halbzeit größtes Manko am Samstag, "und so hatten die Bayern leichtes Spiel." Die Münchner fassen Tritt, die Bremer leiden unter Rhythmusstörungen. Nur eine Momentaufnahme?

Werder Bremen - Bayern München 1:2 (0:1)
Bremen: Reinke - Fahrenhorst (7. Langerblom/62. Valdez), Schulz, Ismael - Stalteri, Borowski, Ernst, Magnin - Micoud - Klose, Klasnic (46. Charisteas)
München: Kahn - Kuffour, Lucio, Linke, Salihamidzic - Frings (59. Schweinsteiger), Hargreaves (82. Jeremies), Ballack, Deisler (52. Demichelis) - Ze Roberto - Makaay
Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg)
Tore: 0:1 Ballack (20.), 0:2 Schweinsteiger (75.), 1:2 Klose (81.)
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ernst, Klasnic, Magnin - Linke (4), Ze Roberto (2), Deisler, Hargreaves

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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