19.10.2011 · Bayer Leverkusen wirkt gegen den FC Valencia lange nicht reif genug für die Champions League. Dann aber dreht Leverkusen das Spiel in Halbzeit zwei.
Von Christian Kamp, LeverkusenEine Verwandlung wie diese sieht man nicht allzu häufig. Mehr als eine halbe Stunde wirkte Bayer Leverkusen am Mittwochabend wie eine Mannschaft ohne inneren Zusammenhalt - verunsichert, orientierungslos, fehlerhaft. Am Ende der 90 Minuten aber durfte sich das Team inklusive Trainer Robin Dutt vom Publikum als Sieger feiern lassen. 2:1 gewann Bayer das Vorrundenspiel in der Chanmpions League gegen den FC Valencia und darf sich bei vier Punkten Vorsprung auf die Spanier nach der Hälfte der Runde nun berechtigte Hoffnungen auf den Einzug ins Achtelfinale machen.
Nach dem Führungstor durch Jonas für den Vierten der Primera Division (24. Minute) drehten André Schürrle (52.) und Sidney Sam (56.) die Partie binnen weniger Minuten zu Gunsten des Bundesligaklubs. Und es war weniger das nackte Ergebnis als solches, sondern vor allem die Art und Weise, wie Bayer sich nach desaströsem Beginn berappelte, die Hoffnung weckte auf eine Wendung zum Besseren über den Tag hinaus.
Vor allem für Trainer Dutt, der das komplette Spiel engagiert wie selten an der Seitenlinie durchlebte, dürfte es eine große Erleichterung gewesen sein. Seine Position war nach dem durchwachsenen Saisonstart schon sehr nachdrücklich in Frage gestellt worden - vor allem im Licht der eigentlich beschaulichen Leverkusener Verhältnisse.
Dutt war deshalb schon am Tag vor dem Spiel in die Offensive gegangen. Er hatte die Pressekonferenz am Dienstag genutzt, um aus seiner Sicht einige Dinge klarzustellen. Vor allem brachte er sein Unverständnis darüber zum Ausdruck, wie früh und wie entschieden seine Arbeit abgeurteilt werde. „Die Kritik ist in der Heftigkeit nicht annehmbar“, sagte er. Dutt, ein Mann mit Prinzipien und mit Selbstbewusstsein, schien bislang tatsächlich einige Mühe zu haben, eine Wellenlänge zu finden, auf der sich produktiv mit der Gruppe kommunizieren lässt.
Am Mittwochabend aber stärkte sein Team ihm demonstrativ den Rücken, als es nach Sams Tor fast geschlossen zum gemeinsamen Jubel mit dem Trainer stürmte. Dabei war das Bild, das Bayer in der ersten halben Stunde hinterlassen hatte, verheerend gewesen. Von allgemeiner Verunsicherung zu sprechen, wäre dabei noch untertrieben. Es herrschte vielmehr ein Eindruck völliger Orientierungslosigkeit - egal, ob mit Ball oder ohne.
Gleich mehrmals tauchten die Spanier gefährlich im Strafraum auf, wirkten ihrerseits aber noch nicht zum Äußersten entschlossen. Vor allem bei Soldados Pfostentreffer in der 20. Minute war das Glück noch mit Bayer im Bunde. Vier Minuten später aber leistete sich Innenverteidiger Reinartz einen von etlichen Schnitzern, den Soldado als Vorarbeiter und Jonas als Torschütze zu nutzen wussten.
Es sah ohne Frage düster aus für das blutleer wirkende Bayer-Team. Dutt schickte schon Friedrich zum Warmlaufen, begleitet vom Applaus des Publikums, weil Reinartz jeden Kredit verspielt hatte. Doch zur Überraschung aller begann nun die Phase, in der sich die Mannschaft allmählich Luft verschaffte.
Schier unglaubliche null zu dreizehn Schussversuche aus Sicht von Bayer verzeichnete die Statistik bis zur 39. Minute, doch dann kam eine Szene, die es in sich hatte. Schürrle scheiterte mit seinem Versuch aus der Distanz ebenso knapp wie Ballack mit einem Kopfball nach der anschließenden Ecke. Und dann war es der unglückliche Reinartz, dem beim Abpraller nicht genug Zeit blieb, um punktgenau zu reagieren.
0:1 zur Pause, das war einerseits schmeichelhaft, andererseits durfte das Leverkusener Publikum darauf hoffen, dass die Konsolidierung sich nach der Pause fortsetzen würde. Und tatsächlich, Bayer zeigte plötzlich eine Präsenz, für die es zu Beginn nicht das geringste Anzeichen gegeben hatte. Den Lohn erntete das Team schon nach sieben Minuten. Kadlec setzte sich schön auf der linken Seite durch.
Seine Flanke fand Schürrle, der, von den Spaniern fahrlässig unbeobachtet, direkt aufs Tor schießen konnte. Damit aber nicht genug. Nur ein paar Minuten später war es Ballack, der mit einem herrlichen Ball Sam auf die Reise schickte; dessen Schlenzer, mit dem er die Aktion vollendete, war nicht minder sehenswert. Insgesamt verteidigte Bayer den Vorsprung danach recht sicher - auch wenn es wieder einmal einer vorzüglichen Parade von Torwart Leno bei Soldados Schuss (73.) bedurfte, um den Erfolg tatsächlich über die Zeit zu bringen.
Bayer Leverkusen: Leno - Castro, Reinartz (46. Friedrich), Toprak, Kadlec - Rolfes, Bender - Sam, Ballack, Schürrle - Kießling (81. Derdiyok)
FC Valencia: Diego Alves - Miguel, Rami, Ruiz, Jordi Alba (65. Canales) - Pablo Hernández (65. Feghouli), Albelda (82. Aduriz), Ever Banega, Mathieu - Soldado, Jonas
Schiedsrichter: Thomson (Schottland)
Zuschauer: 26.384
Tore: 0:1 Jonas (24.), 1:1 Schürrle (52.), 2:1 Sam (56.)
Gelbe Karten: Kießling, Rolfes, Schürrle / Albelda, Ever Banega, Miguel
"It was a match of two halves"...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 20.10.2011, 11:29 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |