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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

2:1 auf Schalke Mainz vermasselt Keller den Einstand

Die Mainzer gewinnen das Bundesliga-Duell im DFB-Pokal mit 2:1 und ziehen ins Viertelfinale ein. Schalkes Interims-Coach Keller kann die Talfahrt nicht stoppen. Der Mainzer Trainer Tuchel erlebt den Schlusspfiff in der Kabine.

© REUTERS Vergrößern Kein Auftakt nach Maß: Schalkes Jens Keller

Für Schalke 04 endet ein bitterer Herbst mit dem Ausscheiden im Achtelfinale des DFB-Pokals. Gegen Mainz 05 verloren die Gelsenkirchener zwei Tage nach der Trennung von ihrem Trainer Huub Stevens nach Toren der Mainzer Mittelfeldspieler Marco Caligiuri (30. Minute) und Nicolai Müller (83.) sowie dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Klaas-Jan Huntelaar mit 1:2.

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Damit bleibt den Schalkern nach den sportlichen Enttäuschungen der vergangenen Wochen nur noch die vorweihnachtliche Hoffnung auf ein besseres Jahr 2013 und wenigstens erfreuliche Festtagen in der Champions League. „Man hat meiner Mannschaft die Verunsicherung nach den harten letzten Wochen angemerkt“, sagte der vom Jugend- zum Chef-Coach beförderte  Schalke-Trainer Jens Keller. „Aber ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen. Sie sind an Grenzen gegangen.“ Für Mainz 05 ist die auch finanziell lukrative Qualifikation fürs DFB-Pokal-Viertelfinale (26./27. Februar) die Krönung einer für noch immer beschränkte finanziell Vereinsverhältnisse starken Liga-Hinserie mit 26 Punkten und Rang sechs. „Das war das I-Tüpfelchen unserer Hinserie““, sagte Siegtorschütze Nicolai Müller, der ganz nebenbei entgegen seinem mannschaftsinternen Spitznamen “Heim-Müller“ erstmals nach anderthalb Jahren und acht Torerfolgen auch in der Fremde für seinen Klub traf.

Niederlage auch im Werben um Tuchel

Eine weitere Niederlage gegen den in der Bundesliga-Tabelle als Sechster einen Rang besser platzierten Gegner hatte Schalke 04 schon vor dem Spiel hinnehmen müssen. In den vergangenen Tagen war immer wieder kolportiert worden, dass die „Knappen“ den Mainzer Trainer Thomas Tuchel allzu gerne umgehend oder aber spätestens im Sommer als Nachfolger des am Sonntag entlassenen Huub Stevens verpflichtet hätten. Tuchel verbannte diese Spekulationen indes am Tag vor dem Pokalduell in einer erregten Wutrede ins Reich der Fabeln.

Germany Soccer Cup Warum sollte er nach Schalke wechseln? Der Mainzer Trainer Tuchel © dapd Bilderstrecke 

Gerüchten, wonach er sogar Sondierungsgespräche mit Schalke 04 geführt habe, begegnete er mit den Worten, dass „ich bis heute noch nie mit einem Verantwortlichen von Schalke 04 geredet habe, weder als Jugendtrainer noch als Profitrainer“. Manager Christian Heidel sagte zudem, dass Mainz 05 seinem Trainer noch nicht einmal für eine im Scherz auf 60 Millionen Euro taxierte Ablösesumme garantiert weder in diesem Winter noch im kommenden Sommer die Freigabe erteilen würde.

Mainzer Taktik für den Kopf

Das Pokalspiel dürfte den Schalkern einmal mehr bewiesen haben, dass Tuchel wirklich gute Wahl sein könnte. Er heckte eigens für die letzte Partie des Jahres eine ungewohnte Herangehensweise aus: Statt wie gewohnt in Auswärtsspielen mit einer Mittelfeldraute agierten die Mainzer in einer klassischen 4-4-2-Grundordnung, um möglichst viele der gefährlichen Flanken der Schalker Außenbahnspieler wie Christian Fuchs und Jefferson Farfan zu unterbinden.

„In unserer Raute haben wir viele Auswärtsspiele dominiert, aber außer Lob nix Zählbares mitgenommen“, sagte Tuchel. „Deshalb haben wir uns heute für den Kopf für ein flaches 4-4-2 mit Heimspiel-Prinzipien entschieden.“ Tatsächlich ging Schalke nach dem Trainerwechsel zwar deutlich engagierter als zuletzt zu Werke und gewann auch die Mehrzahl der Zweikämpfe, die große spielerische Linie und zwingende Aktionen fehlten aber – nicht nur wegen des freiwilligen Verzichts auf den zuletzt formschwachen Spielmacher Lewis Holtby, für den Ciprian Marica als zweite Spitze auflief.

Verletzungsbedingt musste Keller zudem Atsuto Uchida ersetzen – ein folgenschwerer Verlust. Denn Tranquillo Barnetta, der Ersatzmann des Japaners, sah beim Mainzer Führungstreffer nicht gut aus. Nach einem Pass von Adam Szalai gewährte er seinem Gegenspieler Marco Caligiuri in seinem Rücken zu viel Freiraum, den dieser per Direktschuss zu einem unhaltbaren Schlenzer  an Schalke-Schlussmann Timo Hildebrandt vorbei nutzte (30. Minute).

Tuchels verzögerter Torjubel in der Kabine

Schalke wurde erst nach der Einwechslung von Lewis Holtby in der 67. Minute zwingender. In der 75. Minute initiierte der einst für ein Jahr nach Mainz ausgeliehene Nationalspieler schließlich den Angriff, der über Marica zum Ausgleich durch Huntelaar führte. Diesen Treffer durfte Thomas Tuchel schon nicht mehr von seiner Trainerbank aus verfolgen.

Nach einem harten Einsteigen von Jones gegen Caligiuri unmittelbar vor der Coaching Zone ließ sich der 39 Jahre alte Fußballlehrer zu einer kleinen verbalen Auseinandersetzung mit Jones verleiten, die zum Platzverweis des Trainers führte, der ganz gegen seinen verbreiteten Ruf schon seit langem nicht mehr derart folgenreiche Probleme mit Schiedsrichtern hatte.

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So sah Tuchel auch den Siegtreffer von Nicolai Müller nach einem Traumpass von Jan Kirchhoff (83.) nur an einem Fernseher in den Katakomben des Stadions und dort erst nach zehn Sekunden Ungewissheit zwischen dem akustisch vernommenen Jubel und der verzögerten Übertragung auf dem Schirm. Er dürfte diese außergewöhnliche Leidenszeit durch die Freude über die erste Qualifikation fürs Pokal-Viertelfinale in seiner Amtszeit verschmerzen können.

FC Schalke 04 - FSV Mainz 05 1:2 (0:1)

Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 54 202
Tore: 0:1 Caligiuri (30.), 1:1 Huntelaar (75.), 1:2 Nicolai Müller (83.)

Quelle: FAZ.NET

 
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