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1860 München Der Löwen-Fütterer beißt um sich

Ein Märchen endet im Streit: Der jordanische Investor Ismaik und der Fußball-Zweitligaverein München 1860 könnten wieder getrennte Wege gehen. Nun sucht der Klub einen Plan B- der heißt sicher nicht mehr Barcelona.

© dpa Vergrößern Vor dem Abflug: Der jordanische Investor Hasan Ismaik könnte bei den „Löwen“ verbrannte Erde hinterlassen

Am Sonntag waren die drei Könige in München unterwegs. Am Montag der Mann aus dem Morgenland. Doch er kam und ging ohne Gaben. Wütend verließ Hasan Ismaik das Gelände an der Grünwalder Straße 114, nach einem vierstündigen Krisentreffen, das die Krise des Fußball-Zweitligaklubs 1860 München vergrößert hat. Der Abend sei „sehr schlecht“ verlaufen, erklärte der Investor, bevor er im Geländewagen in der Dunkelheit verschwand: „Ich kann mit diesen Leuten nicht mehr zusammenarbeiten.“

Christian Eichler Folgen:  

Gemeint war vor allem Klubpräsident Dieter Schneider. „Wenn sich die Emotionen gelegt haben, sieht man ein bisschen klarer“, fand Schneider. „Vielleicht kann man dann doch noch zu einem Kompromiss kommen.“ Wenn diese Hoffnung sich nicht erfüllt, könnte das erste arabische Investment im deutschen Profifußball nach weniger als zwei Jahren beendet sein.

Die vielen Missverständnisse, die diese Liaison von Anfang an begleiteten, äußerten sich am Ende auch in Ismaiks kurioser Ankündigung: „Ich werde jetzt zur DFL gehen.“ Dabei ist es genau die DFL, die Deutsche Fußball-Liga, die sich durch Ismaiks Auftritt in München bestätigt sehen darf für ihre 50+1-Regel. Die besagt, dass die Mehrheit und damit die Macht in einem Verein, der als ausgegliederte Gesellschaft organisiert ist, nicht von einem Investor übernommen werden kann.

Trainingsauftakt TSV 1860 München © dpa Vergrößern Der Widersacher: Präsident Dieter Schneider fürchtet um die Seriosität seines Klubs

Das alles ist allerdings auch nicht ganz einfach zu verstehen, gerade für einen Mann aus dem Orient: Da will einer seinem Geld weiteres Geld nachwerfen - und darf nicht. Beim Einstieg 2011, mit dem er die „Löwen“ vor dem Ruin bewahrte, zahlte Ismaik 18,4 Millionen Euro (13 Millionen für 49 Prozent der stimmberechtigten Anteile, 5,4 Millionen zur Umschuldung), sagte dann weitere Darlehen zu, um mit Transfers im letzten Sommer dem Aufstiegsprojekt mehr Schwung zu verleihen, und wollte weiteres Geld verleihen, um die Sache zu beschleunigen. Doch der Klub will keine Neuverschuldung über die bereits rund neun Millionen Euro Verbindlichkeiten bei Ismaik hinaus - auch, weil das die Eigenkapitalquote senkt und Probleme bei der DFL-Lizenzvergabe bereiten könnte.

Verbrannte Erde

Schneider forderte den Investor auf, für die von ihm gewünschte aggressivere Strategie Sicherheiten zu geben, „aber das hat er abgelehnt“. Der Vorstand will den Aufstieg nicht auf Pump. Die Zeit des wilden Geldausgebens mit fatalen Folgen unter präsidialen Sonnenkönigen wie Wildmoser ist vorbei. Deshalb setzt man lieber auf den zum Chef beförderten früheren Jugendtrainer Alexander Schmidt als auf Ismaiks Favoriten Sven-Göran Eriksson. Dass Ismaik die Motive des „Freundes“ als „nicht materiell“ bezeichnete, löste Heiterkeit aus in der Fußballbranche, in der der Schwede als geldgierig gilt.

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Dass Ismaik diesmal verbrannte Erde hinterlassen würde, hatte sich angedeutet. Schon vor dem Treffen schmähte er den als integer geltenden Schneider als „alten Mann“, der „nicht ehrlich“ sei und sich aus „persönlichen Interessen“ ans Amt klammere. Der Dachverband von rund 500 Fanklubs der „Löwen“ reagierte scharf: „Es kann nicht sein, dass unser Präsident auf diese Art und Weise öffentlich angegriffen und beleidigt wird.“ Doch noch bei der Ankunft mit seinem Privatjet am Flughafen glaubte Ismaik sich im Einklang mit dem Großteil der Löwen-Anhänger und deren Traum von der möglichst schnellen Rückkehr in die Bundesliga. Er stellte dann irritiert fest, wie ihn vor der Geschäftsstelle eine Fan-Gruppe mit gehässigen Worten empfing.

Wo ist der „Plan B“?

Beim letzten München-Besuch im Mai hatte der Investor mit der Klubführung einen Dreijahresplan vereinbart, den er inzwischen als hinfällig ansieht: „Ich unterstütze keine gescheiterten Pläne. Und dieser Plan hat sich schon im ersten Jahr als Fehler erwiesen.“ Die 6,5 Millionen Euro hohe zweite Rate des damals zugesagten Zuschusses hat Ismaik nicht überwiesen - ein offenkundiger Erpressungsversuch, ebenso wie die Drohung, seine Anteile auf dem arabischen Finanzmarkt zu verkaufen. „Wir haben versucht, Ismaik dazu zu bringen, die im Rahmen des Dreijahresplans vereinbarten Zahlungen zu gewährleisten“, sagte Schneider am Montag. „Das hat er abgelehnt.“

Ismaik hat nicht bekommen, was er wollte: die Abkehr vom Sparkurs, den Kauf neuer Spieler für das Team, das derzeit auf Platz sechs in der zweiten Liga steht, und eine neue Führung beim TSV 1860. Schneider sagte, Ismaik habe „personelle Einflussnahmen gefordert, die weit über das von der DFL erlaubte Maß hinausgehen“. Welche das waren, beantwortete Vizepräsident Franz Maget mit einem Wort: „Alle.“

Das Wort der Stunde in Giesing lautete deshalb: „Plan B“ - ein Szenario ohne das bisher zugesagte Geld vom Investor. Es soll konkrete Vorarbeiten geben, die einen ausgeglichenen Profi-Etat (derzeit neun Millionen Euro) hinbekommen. „Wir fangen nicht bei Adam und Eva an“, sagte Schneider. Allerdings sollte wenigstens dieser Plan B besser funktionieren als der letzte. Als im Dezember der Trainingsplatz vereiste, weil vergessen worden war, Heizflüssigkeit nachzubestellen, brach man zu einem Kurztrainingslager nach Brescia in Italien auf.

Nach neun Stunden kam das Team im Dunkeln an und musste feststellen, dass die Flutlichtanlage defekt war. Nach einem Trainingstag und achtstündiger Rückreise gab es ein 1:1 gegen den Abstiegskandidaten Dynamo Dresden. Von dort ist es noch ein weiter Weg dorthin, wo Ismaik im Juni 2011 binnen zehn Jahren ankommen wollte: „Auf einer Stufe mit Barcelona.“

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.01.2013, 17:20 Uhr

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