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150 Jahre Englischer Fußball-Verband : Fuß trifft Ball – Eine Liebesgeschichte

Zu Ehren des Fußballs: Die Londoner U-Bahn-Stationen werden für einen Tag nach berühmten Fußballern benannt Bild: dpa

Vor 150 Jahren gründeten die Engländer den ersten Fußball-Verband und schufen Regeln, die ihren Sport zum Welterfolg machten. Zum Gedenken werden die Londoner U-Bahn-Stationen an diesem Samstag nach Größen des Spiels benannt.

          An diesem Samstag werden sich die Fans des FC Arsenal mit der U-Bahn in den Süden Londons aufmachen, zum Spiel bei Crystal Palace. Sie werden an Jürgen Klinsmann vorbeikommen. Und an Dietmar Hamann. Beide waren als Spieler eine Größe auf der Insel. Und werden für einen Tag als Bahnhöfe reaktiviert – zur Feier des 150. Geburtstags der englischen „Football Association“, des ältesten Fußball-Verbandes der Welt. Die Londoner U-Bahn, ebenfalls 150 Jahre alt und die älteste der Welt, benennt für diesen Tag ihre 367 Stationen nach 360 ehemaligen oder aktuellen Größen des englischen Fußballs um. Unter den sieben Jahrhundertspielern, die nie auf der Insel spielten und trotzdem eine Station bekommen, übernimmt Franz Beckenbauer die vornehme High Street Kensington.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Crystal Palace ist der einzige namhafte Klub, den es noch gibt von den elf Pionieren jener legendären Versammlung am 26. Oktober 1863 in „Freemasons Tavern“ nahe der Station Holborn (heute nach Geoff Hurst benannt, dem Mann, der England 1966 zum WM-Sieg schoss). Prinz William lädt als Präsident des Fußball-Verbandes zu einem Galadiner in den fußballhistorischen Pub.

          Fußball mit Tragen, Werfen und Fangen

          Es ist mehr als ein Verbandsjubiläum. Es ist die Erinnerung daran, wie aus einer Lokalrunde von elf Männern ein globales Phänomen wurde, das beliebteste Spiel der Welt, ja, eines der beiden großen Massenphänomene der Moderne: auf der einen Seite Kino, Fernsehen, Internet, auf der anderen der Fußball. Die bewegten Bilder und der bewegte Ball, die großen Zerstreuungen der Gegenwart.

          Historisches Spielgerät: Ein alter Lederfußball
          Historisches Spielgerät: Ein alter Lederfußball : Bild: Seuffert, Felix

          Praktisch nichts mehr an unserem Alltag, an dem, was wir sehen, wenn wir uns in einem Raum befinden oder über eine Straße bewegen, ist noch so wie 1863. Nur der Rasen vielleicht – und der Fußball, der darauf gespielt wird. Er funktioniert in seinen Grundzügen bis heute so, wie er in sechs Sitzungen in der verqualmten Ecke eines viktorianischen Pubs ausgedacht wurde.

          Ebenezer Cobb Morley hieß der Mann, von dem die Initiative ausging – in guter britischer Art, sportliches Vergnügen ernst genug zu nehmen, um ihm eine geordnete Gestalt zu geben. Schon seit dem Mittelalter gab es in England und anderen Ländern fußballähnliche Spiele, meist aber solche, in denen auch das Tragen, Werfen und Fangen des Balles erlaubt war. Davon musste sich der Fußball freimachen.

          Fast unverändert seit 1863

          Morley sah die wachsende Beliebtheit des Spiels, aber auch, dass jede Privatschule, jede Universität ihre eigenen Regeln pflegte. Um das zu vereinheitlichen, formulierte der Anwalt und Freizeitkicker in seiner Londoner Wohnung eine Urform der „Laws of the game“. Sie wurden zum bis heute gültigen Kanon des Fußballs.

          Diese Regeln, nach dem Beschluss veröffentlicht für einen Schilling in der Taschenausgabe und für einen Schilling und sechs Pence in der größeren Ausgabe für Klubräume, verbanden für Morley „die wahren Grundsätze des Spiels mit der größten Einfachheit“. Nur wenige von ihnen mussten in den ersten Jahren noch verändert und angepasst werden, etwa die Größe des Platzes, der zunächst gigantische 183 mal 91 Meter groß sein durfte. Auch das Verbot des Vorwärtspasses auf einen Mitspieler wurde schon 1866 durch die erste Abseitsregel entschärft – danach war der Pass erlaubt, wenn zwischen dem angespielten Akteur und der gegnerischen Torlinie mindestens drei Gegenspieler standen. Seit 1925 müssen es nur noch zwei sein, Grundprinzip der bis heute gültigen Abseitsregel, die dynamisches, kombinierendes Angriffsspiel möglich machte.

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