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Veröffentlicht: 14.09.2012, 16:30 Uhr

1. FC Köln Tiefstand am Rhein

Nach dem sportlichen Kollaps muss der 1. FC Köln den finanziellen Zusammenbruch verhindern. Seit dem Skandal um Kevin Pezzoni ist der Ruf des Traditionsklubs vollends ruiniert. Eine besorgniserregende Bestandsaufnahme vor dem Heimspiel gegen St. Pauli.

von , Köln
© picture-alliance/ dpa Wie hält der Geißbock das aus? Das Maskottchen ist dem Klub treu

Die meisten würden die Lage als niederschmetternd empfinden - und das in jeder Hinsicht. Vor dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli (20.15 Uhr/live im F.A.Z.-Ticker) Vorletzter der zweiten Liga, mehr als 25 Millionen Euro Schulden, Einnahmen der kommenden Monate und Jahre schon im Vorgriff verbraten, ein aufgeblähter Spielerkader von zweifelhaftem sportlichen Wert und ein Image, das seit zwei Wochen einen neuen Tiefstand erreicht hat, seit bekannt wurde, dass der Fußballprofi Kevin Pezzoni von eigenen Fans bedroht wurde.

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Claus Horstmann sagt, dass der 1. FC Köln das Allerschlimmste überstanden habe. Seit 13 Jahren arbeitet er beim Traditionsklub als Geschäftsführer, seit einem Jahr ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA. Horstmann, 47, muss schon von Berufs wegen das Positive hervorheben. Und das ist: „Wir haben die Risiken in den vergangenen Wochen erheblich reduziert.“ Risiken? Horstmann spricht es nicht wörtlich aus. Aber dass der FC bei der Prüfung seiner Finanzen einen Insolvenzrechtler bemühte, zeigt, wie angespannt die Situation zumindest war.

Diese Gefahr ist bei den Kölnern gar nicht ins Bewusstsein vorgedrungen. Und so sahen und sehen sie nur den Zustand des einst so stolzen und ruhmreichen 1. FC Köln und schimpfen. Der Eisverkäufer fährt seit 1985 mit seinem Lieferwagen zum Training der Profimannschaft auf das Gelände des Geißbockheims: „So wenig Eis wie jetzt habe ich noch nie verkauft“, mäkelt er. Dabei sei der Spätsommer sonnig wie selten gewesen. „Aber ich kann den Leuten nicht verdenken, dass sie nicht mehr kommen, so schlecht hat der FC noch nie gespielt“, sagt er und versucht sich an einer fachlichen Analyse.

Zu der gehört nicht, was Horstmann als Erstes einfällt. „Nach dem Abstieg und der finanziellen Bestandaufnahme mussten wir drastische Änderungen am Kader vornehmen. Wir hatten im Sommer 44 Transferbewegungen.“ Konsolidierung durch Kaderumbau nennt das der Geschäftsführer.

Kevin Pezzoni © dpa Vergrößern Auslöser der nächsten Krise: Das Vergraulen von Kevin Pezzoni

Manche Fans nennen es unzumutbare Schwächung der Mannschaft. Der rüstige Rentner, der mit seinem Fahrrad am Eiswagen vorbei zum Trainingsplatz vorfährt, fragt beim Absteigen: „Ist das die erste Mannschaft, die hier trainiert?“ Verständnisvolles bis sarkastisches Lachen von den Kiebitzen, die regelmäßig vorbeischauen. Schließlich hat sich der Verein von fast allen bekannten Gesichtern, sprich hohen Kostenträgern, getrennt. Neben Lukas Podolski ließ der FC Rensing, Novakovic, Geromel, Peszko, Riether, Lanig, Petit und Andrezinho ziehen.

Es kamen Spieler, die zum Gehaltsniveau eines Zweitligaklubs passen. Das gilt auch für die sportliche Leitung, die sich der zweimal in Profifunktion gescheiterte FC-Trainer Frank Schaefer und der ehemalige Co-Trainer von Alemannia Aachen und Chefscout von Hannover 96, Jörg Jakobs, teilen. Nur am neuen Trainer, der ein entwicklungsfähiges Team bilden soll, wurde nicht gespart. Holger Stanislawski obliegt die Aufgabe, die nach der Startausbeute von einem Punkt in vier Spielen schwierig bleibt. „Wir sind nicht nervös“, sagt Horstmann und verweist auf die Jugend des Teams, dessen Arbeitsethos, Laufbereitschaft und Entwicklungsmöglichkeiten.

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