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1. FC Kaiserslautern Zwischen neu entflammter Leidenschaft und Zweifeln

13.05.2006 ·  Ein bißchen Schauspiel gehört dazu vor einer Bundesliga-Partie wie der in Wolfsburg, die „Endspiel“ heißt und im direkten Duell über den Klassenverbleib entscheidet. Nur ein Sieg rettet Lautern vor der Zweitklassigkeit.

Von Oliver Trust, Kaiserslautern
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Wer kann schon mit Sicherheit sagen, welche Gesten und Bilder echt sind und welche dem Gefühl entspringen, vor den Augen des Konkurrenten nur ja keine Schwäche zeigen zu dürfen? Es sind erstaunlich muntere Szenen, die sich da im Trainingslager des 1. FC Kaiserslautern abspielen. Autogramme werden für die wohl mehr als 300 Besucher der Übungsstunden geschrieben, als stünde man vor einem abschließenden Ausflug.

Ein bißchen Schauspiel gehört dazu vor einer Partie wie der in Wolfsburg, die "Endspiel" heißt und im direkten Duell über den Klassenverbleib entscheidet. Auch die Männer vom Tabellen-Sechzehnten aus Kaiserslautern beherrschen die gängigen Verhaltensmuster - und dennoch scheint eine Stadt eine erkaltete Beziehung tatsächlich wieder auferstehen zu lassen. Die Pfalz entdeckt die Emotionen für den FCK neu, und so trafen im "Vila Vita Hotel Rosenpark" in Marburg nicht wenige aufmunternde Faxe ein. Die Texte entsprechen der Situation, der sportlichen Not: "Ihr schafft das, wir sind bei euch." Eine Mannschaft hat dazu den Teamgeist wiederentdeckt und stellt ihn nun deutlich zur Schau. Sie kehrt heraus, wie sehr sich die Gefühlswelt der Pfälzer wandelte, seit auch die vielen jungen Spieler mitwirken und mit ihrer Unbekümmertheit auch die Älteren beflügelten.

Versöhnlicher Abschluß für Jäggi

Es bleibt aber der Zweifel, daß diese Aufbruchstimmung für den Verein aus dem Südwesten zu spät kommen könnte. "Dann", sagt der scheidende Klubchef Rene Jäggi, "wäre alles geregelt". Für die zweite Liga also mit einem Etat von rund neun Millionen Euro. Die Pfälzer weigern sich aber standhaft, über Abstieg zu sprechen. Obwohl mancher selbst für diesen Fall Zuversicht zeigt, weil die junge Garde aus dem Nachwuchszentrum "Sportpark Rote Teufel" auf alle Fälle für einen Neuanfang steht. Auch das gehört zum Vorspiel, wenn der FCK nun mit einem Punkt Rückstand und einer um zwei Tore schlechteren Trefferbilanz nach Wolfsburg reist und weiß, es muß unbedingt gewonnen werden. Alles andere führte - wie vor zehn Jahren - in die Zweitklassigkeit. Für Jäggi wäre der Klassenverbleib ein versöhnlicher Abschluß seiner Amtszeit, und es würde erst einmal nicht mehr darüber geredet werden, daß nicht zuletzt seine Personalpolitik den FCK in die prekäre Lage brachte.

Wolfgang Wolf steht zufrieden am Rande des Trainingsrasens und schaut konzentriert zu. Die Arme vor der Brust verschränkt, wirkt er wie ein Moderator, der Stimmungen entfacht und steuert. "Ich mache keinem etwas vor, ich fühle so, ich lebe das", sagt er und meint die eigene Zuversicht. Liebend gern zählt er Vor- und Nachteile auf, weil sie für ihn in der Erkenntnis gipfeln: "Wolfsburg hat sehr viel mehr als wir zu verlieren." Seine Mannschaft sei an die nervenaufreibenden Duelle im Keller der Tabelle gewöhnt, der VfL Wolfsburg dagegen stand noch nie auf einem Abstiegsplatz.

Hoffen auf Halil Altintop

In Kaiserslautern wird auf dem Stiftsplatz in der Stadtmitte eine Großbild-Leinwand stehen, auf der das Spiel aus Wolfsburg live übertragen wird. 6500 Anhänger werden erwartet. 4116 Pfälzer Fußballfreunde werden im Stadion mit dabeisein. Mehr gibt das dem FCK zustehende Kontingent nicht her. "Wir wissen nicht, ob sich die Fans noch über andere Wege Karten besorgen konnten", sagt Pressechef Michael Novak und winkt mit den vielen Faxen, die im Teamhotel eintrafen und auf denen vom "Spiel des Jahres" die Rede ist.

Die Mannschaft versprühe Hoffnung, sagt derweil Trainer Wolf und spricht von "völliger" Gelöstheit. Die Situation sei während der Saison viel schwieriger gewesen als heute. Und er verweist auf die wieder entflammte Leidenschaft der Lauterer Fans. "Wir sind ein ganzes Stück weiter als vor ein paar Wochen. Wir haben uns die 100prozentige Unterstützung der Fans erarbeitet und verdient." Vielleicht, mutmaßt Wolf, komme die Nervosität im Spiel. Er erwähnt den Heimvorteil der Wolfsburger und setzt dem Schlagworte wie "unbedingter Siegeswille" und "Moral" entgegen.

Allerdings fällt mit Boubacar Sanogo ein wichtiger Stürmer verletzt aus. Deshalb werden die Kaiserslauterer wieder auf Tore von Halil Altintop hoffen. 19 Treffer hat der junge Türke, der vom Juli an beim FC Schalke 04 spielt, schon geschossen und dem FCK damit die letzte Hoffnung erhalten. "Wir waren schon abgeschrieben, deshalb sind wir besser drauf als Wolfsburg. Die Jungen haben bewiesen, daß sie mit dem Druck umgehen können", sagt Altintop. Was soll er auch sonst sagen. Es wird still für einen Moment, Wolfgang Wolf schaut ernst drein. "Wenn wir runter müssen, dann haben wir wenigstens erreicht, daß die Fans wieder an uns glauben", sagt er. Es klingt wie ein schwacher Trost.

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