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1:3 gegen Barcelona Eine Halbzeit Mut reicht Leverkusen nicht

14.02.2012 ·  Erst war das Spiel des Jahres für die Leverkusener der Langweiler des Jahres, dann wurde die Darbietung gegen den FC Barcelona fast zur Zumutung. Trotz mehr Mut in der zweiten Hälfte hat Bayer keine Chance.

Von Peter Heß, Leverkusen
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© REUTERS Lass Dich drücken: Alexis ist der Mann des Spiels, Messi trifft auch

Die befürchtete Schlappe ist ausgeblieben, doch in allzu guter Erinnerung wird Bayer Leverkusen das 1:3 gegen den FC Barcelona im Achtelfinalhinspiel der Champions League auch nicht behalten. Dazu war die Leistung in der ersten Halbzeit zu schlecht und die Steigerung in der zweiten Halbzeit nicht groß genug.

Gerade zu verschreckt ließen die Bayer-Profis die Favoriten zunächst gewähren und konnten froh sein, zur Pause durch einen Treffer von Sanchez nur 0:1 zurückzuliegen. Nach dem völlig unverhofften Ausgleich durch Kadlec (52.) brachte wiederum Sanchez nur drei Minuten später Barcelona wieder in Führung. Leverkusen kämpfte nun und hatte zwei gute Torchancen zum 2:2. Doch kurz vor Schluss erzielte Messi Barcelonas drittes Tor.

Dem ersten Indiz wurde noch nicht allzu große Bedeutung beigemessen. Bis zur ersten Ballberührung eines Leverkuseners in dieser Begegnung vergingen 73 Sekunden. Das kann schon mal passieren, wenn der Gegner FC Barcelona heisst. Aber am Ende der ersten Halbzeit war aus dem Indiz eine beklemmende Gewissheit für alle Freunde der Werkself geworden: Ihre Mannschaft wagte es nicht mitzuspielen.

Zunächst der Langweiler des Jahres

Der Abgesandte der stolzen Bundesliga agierte wie der Dritte der ukrainischen oder ungarischen Liga, der sich über die Fairplay-Wertung in die Champions League verirrt hatte. Nach 45 Minuten wies die Statistik folgende Zahlen aus: 22 Prozent Ballbesitz, 0 Torschüsse, 0 Schüsse, die nicht auf das Tor gegangen waren, 0 Ecken. Noch nicht mal zu einer Abseitsstellung hatte es für die Leverkusener gereicht.

Da der FC Barcelona auch nicht gerade von einer unbändigen Lust am Fußball getrieben wurde, war aus dem Spiel des Jahres zunächst der Langweiler des Jahres geworden. Dennoch gelang den sichtlich gelangweilten Spaniern kurz vor der Pause das 1:0. Bender hatte im Mittelfeld am Ball vorbei gesäbelt und Messi die Situation schnell erfasst. Seinen Steilpass verwertete Alexis Sanchez in der 41. Minute zum Führungstreffer für Barca. Für einmal war die Leverkusener Abwehr ungeordnet gewesen.

Fast eine Zumutung fürs Publikum

Ansonsten verschanzten sich die Bayer-Profis in zwei Viererreihen, zwischen denen Schwaab auf Messi wartete, in der eigenen Hälfte. Diese Vorsichtsmaßnahme nach zuletzt enttäuschenden Leistungen in der Bundesliga mag taktisch verständlich sein gegen die spielstärkste Mannschaft der Welt. Aber die Interpretation des Spielsystems war so passiv, dass das Leverkusener Spiel schon unterwürfige Züge trug. In einem Akt freiwilliger Selbstbeschränkung ließen die Leverkusener ihre Gegner agieren, erst in Strafraumnähe stellten sie sich ihnen etwas energischer entgegen.

Barcelona auch nicht gerade in Topform, wie zehn Punkte Rückstand auf Real Madrid in der nationalen Meisterschaft beweien, und durch die Verletzungen von Xavi und Pique zusätzlich geschwächt, genoss die Gelegenheit, langsam und in aller Gemütlichkeit Sicherheit zu entwickeln. Toreschießen stand auf der Prioritätenliste der Spanier erstmal nicht weit oben. Dazu bliebe auch im Rückspiel noch genug Zeit. Für das Publikum wurde dadurch die Begegnung fast schon zur Zumutung.

Bis zum Führungstreffer von Sanchez bekamen die Zuschauer nur eine aufregende Strafraumszene zu sehen: Der beste Leverkusener, Schwaab, rettete bei einer Hereingabe knapp vor dem einschussbereiten Messi. Bayer schleppte sich in der 33. Minute überhaupt zum ersten Mal in den gegnerischen Strafraum - ohne jede Torgefahr zu entwickeln.

Plötzlich Mut

Die zweite Halbzeit begann, und nichts deutete daraufhin, dass sich an den Verhältnissen etwas ändern würde. Aber manchmal geschehen Fußball-Wunder. In der 51. Minute brachte der neuverpflicjhte Leverkusener Außenverteidiger Corluka den Ball irgendwie von der Torauslinie in den Strafraum der Spanier und Kadlec köpfte ihn umstandslos zum 1:1 ins Netz. Ein Tor, mit dem niemand im Stadion gerechnet hatte. Ein Tor, das aus dem lahmen Kick ein Fußballspiel machte, weil es Emotionen auslöste. Bei Barca Zorn, bei Bayer Mut.

Dabei genügten dem Favoriten drei Minuten, um wieder in Führung zu gehen. Einen Traumpass von Fabregas verwertete Sanchez genauso sicher wie beim 1:0 zum 2:1. Torwart Leno hatte keine Abwehrchance. Der neuerliche Rückstand führte nicht zu einem Rückfall. Leverkusen spielte weiter mit etwas geöffnetem Visier, vor allem mit mehr Aggressivität.

In der 64. Minute fehlten nur Millimeter zum neuerlichen Ausgleich. Nach einer netten Kombination über Schürrle und Renato Augusto traf Castro nur den Pfosten. So nahe kam Bayer dem 2:2 nicht wieder, aber die Zuschauer waren nicht sonderlich böse drum. Wenigstens eröffnete ihnen ihre Mannschaft die Möglichkeit, ein bisschen Barca-Zauber zu erleben. Zunächst hob Messi den Ball nach einem erfolgreichen Solo gegen drei Leverkusener an den Pfosten, dann traf der Argentinier und versöhnte wenigstens ein bisschen mit der furchtbaren ersten Halbzeit.

Bayer Leverkusen - FC Barcelona 1:3 (0:1)

Bayer Leverkusen: Leno - Corluka (90.+1 da Costa), Schwaab, Friedrich, Kadlec - Reinartz, Rolfes (77. Kießling) - Renato Augusto, Bender, Castro - Schürrle (90. Bellarabi)
FC Barcelona: Valdés - Dani Alves, Puyol, Mascherano, Abidal - Fàbregas, Busquets, Iniesta (61. Thiago) - Alexis Sánchez (86. Cuenca), Messi, Adriano (70. Pedro Rodriguez)
Schiedsrichter: Thomson (Schottland)
Zuschauer: 29.412 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Alexis Sánchez (41.), 1:1 Kadlec (52.), 1:2 Alexis Sánchez (55.), 1:3 Messi (88.)
Gelbe Karten: Castro, Corluka, Schwaab / Thiago

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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