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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

1:3 gegen Argentinien Fehlstart nach einem Fehlgriff

 ·  Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verliert das Testspiel gegen Argentinien mit 1:3 in Frankfurt - und Torwart Robert Zieler schon nach einer halben Stunde wegen einer Roten Karte. Sein Ersatzmann ter Stegen pariert einen Foulelfmeter von Messi.

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© dpa Rolle rückwärts: Khedira (2.v.r.) trifft ins falsche Tor, verliert Deutschland die Kontrolle über das Spiel

Eine der spannenden Frage in Frankfurt lautete, wie das Publikum die deutsche Mannschaft nach der Enttäuschung im Halbfinale der Europameisterschaft empfangen würde. Es war noch nicht einmal eine Minute in der neuen Saison gespielt, da war zumindest den deutschen Fans die erste schöne Überraschung gelungen - alle Befürchtung der Profis, ihre Anhänger könnten ihnen die Niederlage gegen Italien nachhaltig verübeln, verflüchtigten sich umgehend: mit warmen Applaus wurden das Team begrüßt und gleich lautstark unterstützt.

Mit atmosphärischen Altlasten hatte Joachim Löws Auswahl also von Beginn an nicht zu kämpfen. Und auch spielerisch versuchten die Deutschen sofort wieder einen guten Eindruck zu machen. Das gelang ihnen zunächst auch ausgezeichnet - bis sie sich vor allem selbst im Prestigeduell mit Argentinien schlugen. Nach einer halben Stunde flog erst Torhüter Ron-Robert Zieler nach einer Notbremse im Strafraum vom Platz, dann fabrizierte der hervorragende Sami Khedira kurz vor der Halbzeit für eine bis dahin auch in Unterzahl sehr überzeugende deutsche Mannschaft ein Eigentor zum 0:1. Lionel Messi sorgte in der 52. Minute für das 2:0, ehe Angel di Maria mit einem Fernschuss der dritte Treffer glückte. Benedikt Höwedes ließ das Publikum aber dann wenigstens noch einmal jubeln, als ihm mit einem schönen Flugkopfball das 1:3 gelang (81.).

Trotz der deutlichen Niederlage hinterließ die deutsche Mannschaft lange einen starken und vielversprechenden Eindruck vor den beiden WM-Qualifikationsspielen am 7. September gegen Faröer und vier Tage später gegen Österreich. Die drei Treffer taten dann zwar ein wenig weh, aber die Zuschauer verabschiedeten ihr Team dennoch mit Beifall. Das Duell des dreimaligen gegen den zweimaligen Weltmeister zerfiel in zwei Teile. Im ersten Abschnitt - bis zum Platzverweis gegen den Hannoveraner Torhüter - dominierten die Deutschen eine unterhaltsame Partie mit erfrischendem Kombinationsfußball.

Vor allem der in diesen Tagen zum deutschen „Fußballer des Jahres“ gekürte Neu-Dortmunder Marco Reus übernahm trotz der Anwesenheit seiner Fußball-Exzellenz Lionel Messi die Rolle des großen Unterhalters. Mit erstaunlicher Dynamik und Spielwitz brachte er die Argentinier immer wieder durcheinander, erst mit einem schönen Solo (3. Minute), dann bereitet er die nächste Chance mit einem klugen Zuspiel auf Miroslav Klose vor, der Mesut Özil freispielte, dessen Schuss aber Torhüter Romero abwehrte.

Es mangelt an Durchschlagskraft

Reus war auch danach immer wieder an schönen Aktionen beteiligt, ebenso wie Mesut Özil. Und weil Sami Khedira dahinter als Antreiber und Taktgeber das Spiel aus den hinteren Regionen steuerte, entstanden immer wieder Kombinationen und Torchancen. Aber der deutschen Mannschaft mangelte es, ebenso wie schon bei der EM, an Durchschlagskraft in den entscheidenden Momenten. Argentinien erspielte sich bei allem Engagement der Deutschen in der ersten halben Stunde auch ein paar Gelegenheiten, aber die Angriffe waren nicht allzu druck- und gefahrvoll.

Einen schmerzhaften Moment hielt die engagiert geführte Begegnung allerdings auch parat. Bei einem Kopfballduell knallten Mats Hummels und Gonzalo Higuain mit den Köpfen nach einer Viertelstunde aneinander. Der Argentinier konnte mit einem großen Verband weiterspielen, Hummels musste zehn Minuten später das Feld verlassen. Halswirbelverrenkung lautete die erste Diagnose. Nach einer halben Stunde begann dann der unerfreulichere zweite Teil. Bei einem Pass der Argentinier in den Strafraum bremste ein herausgelöstes Rasenstück den Ball ein wenig, und vielleicht war es dieser Sekundenbruchteil, den Torhüter Zieler zu spät kommen ließ - statt des Balls erwischte er José Sosa. Die doppelte Strafe war unvermeidlich: Rote Karte und Elfmeter.

Messi verschießt einen Foulelfmeter

Löw nahm Thomas Müller aus der Partie und schickte Marc-André ter Stegen ins Tor. Dem Gladbacher gelang das Kunststück, mit seinem ersten Ballkontakt einen Elfmeter von Messi zu parieren. In Unterzahl zog sich die deutsche Mannschaft zurück, aber sie versuchte dennoch, immer wieder mit Kontern zum Erfolg zu kommen. Zwei überfallartig von Reus und Özil vorgetragenen Angriffen (37. und 42.) blieb jedoch der Erfolg versagt - die Abschlussschwäche war die große deutsche Schwäche des Abends. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit schwächten sich die Deutschen dann nochmals selbst. Nach einer argentinischen Ecke verlängerte Khedira den Ball ins eigene Tor. Das Publikum verabschiedete das Team trotzdem mit Applaus in die Kabine.

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Die richtige Ecke gewählt: Marc-André ter Stegen pariert den Foulelfmeter von Lionel Messi © dpa Die richtige Ecke gewählt: Marc-André ter Stegen pariert den Foulelfmeter von Lionel Messi

Der Widerstandsgeist von Löws Auswahl war trotz der beiden Rückschläge nicht gebrochen, im Gegenteil. Ein herrlicher Schuss von Reus aus zwanzig Metern landete jedoch nur am Pfosten (49.), Klose traf dann zwar unmittelbar auf Zuspiel von Khedira, aber diesmal war das Abseits im Weg. Als drei Minuten später jedoch Messi eine kleine Kostprobe seiner Extraklasse bot, war es mit der Hoffnung der Deutschen auf einen auch vom Ergebnis erfolgreichen Abend endgültig vorbei. Der Superstar nutzte ein Zuspiel Higuains mit einem wuchtigen Flachschuss zum 2:0 (52.). Löws Team spielte zwar weiter hübsch mit, aber die Qualität der Torchancen ließ nun nach. Ein Fernschuss von di Maria zum 3:0 knapp zwanzig Minuten vor Schluss drückte dann doch auf die Stimmung - aber zum Abschuss gab sich das Team doch nicht frei. Der schöne Treffer von Benedikt Höwedes mit einem Flugkopfball zum 1:3 war dann sogar ein versöhnlicher Abschluss eines Fehlstarts, der dennoch Hoffnung auf schönen und erfolgreichen Fußball bis zur WM 2014 in Brasilien machte.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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