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1:2 gegen Australien Behäbige B-Elf liefert Grund für Pfiffe

29.03.2011 ·  In der ersten Halbzeit bietet Löws Experimental-Team noch ein solides Spiel, das in der zweiten binnen weniger Minuten kippt. Carney und Wilkshere schießen Australien zum Sieg in einem Länderspiel, das schnell vergessen werden wird.

Von Michael Horeni, Mönchengladbach
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Die wichtigste sportliche Nachricht des Tages für die deutsche Nationalmannschaft hatte mit ihrem enttäuschenden Auftritt im Testspiel gegen Australien gar nichts tun. Trotz einer 1:2-Niederlage ist das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag der Endrunde der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ganz nebenbei wieder ein Stückchen näher gekommen. Denn das 2:0 der Türkei gegen den bisher halbwegs hartnäckigsten Konkurrenten Österreich in der Qualifikationsgruppe A hat die deutsche Ausgangslage noch weiter verbessert. Falls das Team von Bundestrainer Joachim Löw bei seinen beiden letzten Qualifikationsspielen der Saison Anfang Juni in Österreich und Aserbaidschan zumindest in Pflichtspielen so tadellos weitermacht wie bisher, könnte der letzte Schritt zur EM 2012 so schnell glücken wie nie.

Die schwache Leistung einer deutschen Mannschaft gegen Australien, die in dieser Formation kaum mehr zusammen antreten wird, dürfte bis dahin längst vergessen sein. Die Treffer in einer mäßig unterhaltsamen Partie, die Australien vor allem durch Härte und die Deutschen allein durch Beflissenheit nicht gerade eindrucksvoll prägten, erzielten Mario Gomez (26. Minute) sowie für Australien David Carney (61.) und Luke Wilkshire (64., Foulelfmeter) mit einem Doppelschlag. Es war ein glücklicher Erfolg der Australier, aber die Niederlage passte auch in das schwächliche und von Nachlässigkeiten geprägte Bild, dass die Nationalmannschaft bei Testspielen wie auch zuletzt gegen Italien (1:1) und Schweden (0:0) immer wieder abgibt.

Mit Tim Wiese im Tor, Arne Friedrich und Mats Hummels in der Innenverteidigung, Marcel Schmelzer auf der linken und Christian Träsch auf der rechten Abwehrseite, Sven Bender im defensiven und André Schürrle im offensiven Mittelfeld sowie Gomez als Stürmer hatte Bundestrainer Joachim Löw das Team drei Tage nach dem 4:0 in der EM-Qualifikation gegen Kasachstan auf acht Position verändert, aber natürlich nicht verbessert. Erstmals seit Monaten war in Mönchengladbach auch wieder Kapitän Michael Ballack dabei, allerdings nur, oder immerhin, als Zuschauer auf der Tribüne. Die Frage, ob er in der Nationalelf noch mithalten kann (oder soll), die der Bundestrainer noch immer nicht beantwortet hat, dürfte Ballack zumindest bei dieser fehlerhaften Test- und Arbeitsprobe für sich selbst ganz schnell und eindeutig beantwortet haben.

Die neuformierte Mannschaft mangelte es zunächst, wenig überraschend, an innerer Geschlossenheit. Die einzelnen Mannschaftsteile fanden nur mühsam zusammen. Spielfluss, Kombinationssicherheit und ständige Dominanz waren bei diesem Perspektivspielchen für potenzielle Nachrücker im Zusammenspiel mit den altbewährten WM-Kräften Schweinsteiger, Müller, Podolski und Friedrich aber nie zu haben. An Einsatz- und Laufbereitschaft ließen es die Deutschen gegen den ersten WM-Gegner von Südafrika, wo mit einem 4:0 die schönsten deutschen Fußballtage begannen, zwar selbst unter Testbedingungen nicht fehlen. Aber die Selbstsicherheit und Selbstgewissheit der Stammformation konnte diese dennoch weitgehend erstklassig besetzte deutsche B-Auswahl nicht mitliefern.

Hummels verpasst den Einsatz, Träsch verliert die Übersicht

Und wenn sie einmal flott zu kombinieren begannen, konnten die Deutschen sicher sein, dass die von Holger Osieck angeleiteten Australier kräftig dazwischen hauten. Der Bundestrainer protestierte mehrmals gegen eine fast schon altdeutsche Ruppigkeit. Aber dennoch beherrschten die Deutschen die Partie. Mario Gomez erzielte nach schöner Vorarbeit des besten und hoffnungsvollsten deutschen Spielers des Abends, Schürrle, die verdienten Führung mit einem Schuss aus sechzehn Metern in den Torwinkel. Doch nach einer Stunde war es ganz schnell und überraschend vorbei mit dem deutschen Vorsprung durch Technik. In der 61. Minute verpasste Wackelkandidat Mats Hummels wieder mal seinen Einsatz, und so hatte Carney plötzlich freie Bahn. Der Australier behielt alleine vor Wiese die Nerven und erzielte mit der ersten Chance den Ausgleich. Nur drei Minuten später hatte der Zweite der Asienmeisterschaft gegen den Zweiten der Europameisterschaft eine Partie gedreht, bei der die Australier eine Stunde buchstäblich chancenlos gewesen waren. Christian Träsch hatte nach diversen Unsicherheiten zuvor im Strafraum die Übersicht verloren und Harry Kewell zu Fall gebracht. Den Elfmeter nutzte Wilkshire zum 2:1.

Der Bundestrainer, der bis dahin noch nicht ausgewechselt hatte, brachte mit Mario Götze und Miroslav Klose für Schweinsteiger und Gomez zwei frische Stürmer. Aber auch die Jugend aus Dortmund und die Erfahrung aus München konnten die erste Niederlage seit dem 0:1 gegen Spanien im WM-Halbfinale nicht mehr abwenden. Klose hatte dazu die beste Chance. Doch ein mitreißendes Solo über den halben Platz in der 78. Minute ging, wie so vieles an diesem Abend, vollkommen daneben.

Deutschland - Australien 1:2 (1:0)
Deutschland: Wiese - Träsch, Hummels, Friedrich, Schmelzer - Bender, Schweinsteiger (65. Kroos) - Schürrle, Müller (65. Götze), Podolski - Gomez (73. Klose)
Australien: Schwarzer - Wilkshire, Neill, Ognenovski, Carney - Emerton, Valeri, Jedinak, McKay - Holman (90. McGrath) - Kewell (80. Kruse)
Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)
Zuschauer: 30.152
Tore: 1:0 Gomez (26.), 1:1 Carney (61.), 1:2 Wilkshire (64./Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Klose, Träsch / Jedinak, McKay

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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