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1:0 gegen Jena FCR Duisburg gewinnt Debütantinnen-Ball

15.05.2010 ·  Köln statt Berlin: Das Pokalfinale der Frauen findet nicht mehr als Vorspiel der Männer statt. Die neuen Pokalsiegerinnen sind dennoch die alten. Beim ungleichen Duell zwischen Duisburg und Jena gewinnen die Duisburgerinnen erstaunlich knapp.

Von Daniel Meuren, Köln
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Das haben die Frauen nun davon. Sie mussten ja unbedingt auf getrennten Welten bestehen und ihr Endspiel um den DFB-Vereinspokal aus dem männlichen Nest im Berliner Olympiastadion nach Köln verlegen. Also müssen sie nun auch auf das beliebte Zusammentreffen mit den Stars der Männer verzichten. „Das war in Berlin sicher immer ein tolles Erlebnis, am Rande des Finals mal den ein oder anderen Star der Männer aus der Nähe kennenzulernen“, sagte die Duisburger Nationalspielerin Annike Krahn. „Aber für den Frauenfußball ist das eigene Finale sicher eine ganz große Chance zur Werbung in eigener Sache.“

Bei der Premiere am Samstag haben die Frauen diese Gelegenheit ziemlich gut genutzt - weniger wegen des einseitigen und wenig stimmungsvollen Spiels beim 1:0 (0:0)-Sieg des neuen und alten Pokalsiegers FCR Duisburg gegen den Außenseiter USV Jena, sondern wegen des Rahmens. 26.282 Zuschauer lockte das durch ein Kopfballtor von Annike Krahn in der 50. Minute entschiedene Duell zwischen einem der besten Teams Europas und dem Achten der abgelaufaufenen Bundesligasaison an - soviele Menschen verfolgten weltweit noch nie ein Vereinsfußballspiel auf nationaler Ebene.

Diese sahen einen Sturmlauf des Titelverteidigers FCR Duisburg, der jedoch vor allem durch Torjägerin Inka Grings und Femken Maes mindestens ein halbes Dutzend Mal bei Großchancen an Torhüterin Jana Burmeister scheiterte. Dreimal rettete zudem die Latte für die Frau des Tages im Tor der Jenaerinnen. Der Laune der Zuschauer tat die Torarmut freilich keinen Abbruch: Schon Stunden vor dem Anpfiff tummelten sich tausende Fans auf den Wiesen rund ums Stadion in Köln-Müngersdorf, hunderte Mädchen spielten bei diversen Turnieren Fußball oder suchten ihren Spaß auf Hüpfburgen oder bei Autogrammstaunden von Natinalspielerinnen. Da Sicherheitsbedenken beim Frauenfußball- Publikum keine Rolle spielen, gibt es anders als bei Männerspielen keine Beschränkungen bezüglich des Rahmenprogramms. Folglich sind Frauenfußballspiele noch Feste für die ganze Familie - die bei Vater, Mutter und zwei Kindern schon für erschwingliche 32 Euro ins Kölner Stadion Zutritt fand.

Die Einführung von getrennten Pokal-Welten zwischen fußballspielenden Männern und Frauen entspricht freilich auch dem von Weltmeistertitel zu Weltmeistertitel wachsenden Selbstbewusstsein der weiblichen Fußballszene. In Berlin fühlten sich die Protagonistinnen meist wie überflüssige Statisten bei einem Galaabend. Beim vier Stunden vor dem Männerfinale angepfiffenen Vorspiel der Frauen verteilten sich in der Regel wenige tausend Zuschauer im weiten Rund das Olympiastadions. Das Spiel litt entsprechend unter dem Desinteresse auf den Tribünen, zudem mussten die Frauen aus organisatorischen Gründen bei einem Unentschieden auf die Verlängerung verzichten und den Pokalsieger sofort im Elfmeterschießen entscheiden. Viele empfanden auch das als diskriminierend. „Wir sind in Berlin nie das Gefühl losgeworden, nur das Vorspiel zu bestreiten“, sagte die Duisburgerin Inka Grings, die derzeit wohl beste deutsche Fußballspielerin, nun vor dem reinen Frauenfinale in Köln. „Für solche Vorspiele ist der Frauenfußball in Deutschland aber mittlerweile zu groß geworden.“

„Die absolut richtige Entscheidung“

Entsprechend erfreut zeigen sich die Führungskräfte im deutschen Frauenfußball über die Emanzipation vom Männerendspielort Berlin. „Die Ausrichtung eines eigenen Pokalendspiels ist die logische Konsequenz aus der permanenten Weiterentwicklung des Frauenfußballs“, sagt Hannelore Ratzeburg, als Vizepräsidentin die starke Frau im DFB. „Ich finde es die absolut richtige Entscheidung, das Pokalendspiel als eigenständiges Ereignis zu zelebrieren. Das ist ein großer Schritt.“

Dass dieser nun am Samstag ausgerechnet in Köln vollzogen wurde, ist Ironie der Fußballgeschichte: 1983 fand das zuvor einzige eigenständige DFB-Pokalendspiel der Frauen getrennt vom Männerfinale statt, weil sich die Kölner Veranstalter sträubten, die Frauen ins Vorprogramm aufzunehmen. Damals, zwei Jahre bevor Berlin zum deutschen Wembley auserkoren wurde, trafen sich nämlich am Endspielort am Rhein zufälligerweise die Lokalrivalen FC und Fortuna zum Derbyfinale im Stadtteil Müngersdorf. Da sollten die Frauen weder auf dem Feld, noch ihre Fans auf den Tribünen Platz wegnehmen. Beim „Wiedergutmachungsspiel“ vom Samstag stört es die Frauen freilich nicht, dass die Party nur dank der horrenden Summen finanzierbar ist, die der DFB bei den Männern einnimmt - manchmal feiert es sich ja auch ganz gut auf Kosten des anderen Geschlechts.

Neuer Pokal vom Stardesigner

Den DFB hat es viel Geld und Werbeaufwand gekostet, um die Rekordmasse an Fußballfreunden von einem Stadionbesuch zu überzeugen. Der Verband sieht die Ausgaben jedoch als Investition in die Zukunft an. Bei den Mädchen ist anders als bei den Jungen noch erhebliches Wachtsumspotenzial für den Mitgliederzuwachs des DFB vorhanden, Präsident Theo Zwanziger träumt davon, dank weiblicher Neuanmeldungen die Mitgliederstärke seines Verbands über die Marke von acht Millionen steigern zu können. Zudem fühlt sich Zwanziger bei den Frauen auch sichtlich wohler als bei den Fußballmillionären seines Geschlechts.

Entsprechend durfte man sich Theo Zwanziger nicht als glücklichen Menschen vorstellen, als er schon lange vor Übergabe des eigens für das „Emanzipationsspiel“ von dem Mailänder Stardesigner G.D.E. Bertoni neu kreierten Pokals an die Frauen per Privtatflieger nach Berlin fliegen musste und deshalb die Nachfeier im Kreis seiner Fußballfrauen verpasste. Aber die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau erfordert natürlich auch die präsidiale Aufwartung beim Duell Werder Bremen gegen Bayern München. Dieses Opfer muss der Präsident im Zeichen der Gleichbehandlung der Männer nun einmal bringen.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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