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1:0 gegen Ghana Deutschland besteht die Reifeprüfung

24.06.2010 ·  Der Sieg im „Endspiel“ gegen Ghana zeigt: Die Generation 2010 kann nüchterne Ergebnisse liefern. Jetzt wissen die jungen Spieler, was Angst ist - und auch, was man dagegen tun kann. Gegen England wartet im Achtelfinale am Sonntag der nächste Härtetest.

Von Michael Horeni, Johannesburg
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Deutschland hat die Vorrunde überstanden. Das ist seit 1934 deutsche Tradition. Aber diesmal bedeutete das für ein junges Team mehr, als nun im Achtelfinale den Fußball-Klassiker gegen England am Sonntag (16.00 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) spielen zu dürfen. Man muss sich das nach einem spielerisch mäßigen und lange nervenaufreibenden Auftritt des Gruppensiegers noch einmal vergegenwärtigen: Das Endspiel gegen Ghana war die Reifeprüfung der Generation 2010.

Das junge Team hatte die grundsätzliche Frage zu beantworten, ob der neue, leichte und gegen Australien so schön verspielte Fußball auch in der Lage ist, nüchterne Ergebnisse mit nach Hause zu bringen. Ergebnisse, wie sie der deutsche Fußball immer verlässlich geliefert hat. Und in Deutschland bangten dazu Millionen Fans um ihren schönen Fußballsommer. Das war eine Aufgabe, die Herausforderung zu nennen ziemlich untertrieben war, und dass dabei auch noch Jerome Boateng gegen seinen Bruder anzutreten hatte, war zusätzlich eine spezielle Belastung.

Es entstand ein Druck, wie ihn diese Mannschaft noch nie erfahren hatte. Und sie hatte arg mit ihm zu kämpfen, eine Stunde lang, aber sie hat dem Druck widerstanden - und sich damit in einem Kraftakt von einer Last befreit, von der sie nicht wahrhaben wollte, dass sie überhaupt existiert. Das könnte befreiende Wirkung haben. Sie hat das Ergebnis geliefert, das notwendig war.

Die junge Mannschaft hatte vor ihrem Endspiel so demonstrativ behauptet, dass sie Angst nicht kenne, keinen Zweifel und auch keine Sorge, dass man es schon mit der Angst zu tun bekommen konnte. Weil furchtlos sein eben doch etwas ganz anderes ist, als zu behaupten, Furcht gar nicht erst zu kennen. Die deutsche Mannschaft hielt das Bestreiten von Unsicherheit für Stärke, aber damit täuschte sie erst einmal nur sich selbst. Jetzt weiß sie, was Angst ist - und auch, was man dagegen tun kann.

Spielerische und taktische Vorsätze zurückgewinnen

Die Nervosität war schnell zu spüren, schon nach wenigen Minuten. Und die Nervosität verwandelte sich in Verkrampfung, bei Özil vor allem, aber auch bei einem Routinier wie Mertesacker. Es stellte sich die Frage, wer dieser jungen Mannschaft in ihrem schwierigsten Moment Halt geben konnte, da jeder mit sich selbst zu kämpfen hatte. Niemand - lautete die Antwort, es gab keinen Taktgeber. Die größte Stütze, die Ruhe in Person war Arne Friedrich, doch als Innenverteidiger zu weit entfernt von den Zonen, in denen ein Spiel gelenkt wird.

Die jungen Spieler um Kapitän Lahm und seinen ersten Helfer Schweinsteiger mussten sich selbst helfen, jeder für sich. Und sie taten es, Meter um Meter, von Minute zu Minute. Und dass es Özil war, der die Führung nach einem mäßigen Auftritt erzielte, war das Symbol der Selbstbehauptungskräfte, die auch in dieser jungen Mannschaft stecken - selbst wenn viele spielerische und taktische Vorsätze an diesem Abend verloren gingen. Diese ureigenen Fähigkeiten bis zum Sonntag zurückzugewinnen, darf man der jungen Mannschaft nach dem bestandenen Härtetest durchaus zutrauen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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