Home
http://www.faz.net/-gtm-rib4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

1:0 gegen China Verhöhnung statt Versöhnung

13.10.2005 ·  Stagnation statt Fortschritt: Trotz des Erfolgs gegen China verfehlte die deutsche Fußball-Nationalelf ihre selbst gesteckten Ziele um Längen und verspielte 240 Tage vor dem WM-Start weitere Sympathien bei ihren Fans.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (0)

Trotz des 1:0-Sieges gegen China verfehlte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im letzten Heimspiel des Jahres ihre selbst gesteckten Ziele um Längen und verspielte zudem 240 Tage vor dem WM-Start Sympathien bei ihrer treuen Anhängerschaft, die den WM-Gastgeber in Hamburg mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedete, nachdem sie vor der Pause zwischenzeitlich sogar ins Lager der Chinesen übergeschwenkt war.

„Wir haben absolutes Verständnis für die Reaktion des Publikums, gerade gegen Ende der ersten Halbzeit. Die Erwartungshaltung ist eben sehr groß. Bei der Verabschiedung nach dem Spiel wünscht man sich natürlich Beifall, aber wir werden es beim nächsten Spiel besser machen. Auch als Trainer muß man sich Pfiffe und Kritik gefallen lassen“, erklärte Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach dem Match in der Hansestadt, wo die Wiedergutmachung für das blamable 1:2 in der Türkei vier Tage zuvor nur unzureichend gelang.

Blutleere Darbietung

„Sicherlich hätten wir das Spiel gerne höher gewonnen, 3:0 oder 4:0, um das Publikum auf unsere Seite zu ziehen. Wir wußten aber, daß es ein heikles Spiel werden kann. Wenn man gegen so ein Bollwerk mit neun Leuten am eigenen Strafraum antritt, muß man schneller in die Spitzen spielen. Das ist uns nicht gelungen, obwohl die Mannschaft sich sehr bemüht hat“, resümierte der Bundestrainer nach der zum wiederholten Male blutleeren Darbietung seiner Mannschaft (Siehe auch: Klinsmann im Interview: „Vorgeschmack auf kommendes Jahr“).

1:0 gegen China: Verhöhnung statt Versöhnung

Klinsmann, der sich am Donnerstag morgen wieder in seine Wahlheimat Kalifornien verabschiedete, prophezeite nach dem verpaßten Befreiungsschlag gegen die Nummer 60 der Weltrangliste auch für kommenden Sommer Probleme. „Das war ein Vorgeschmack auf kommendes Jahr, ein Paradebeispiel für das, was bei der WM auf uns zukommt. Auch im nächsten Jahr werden wir in der Vorrunde gegen mindestens zwei Gegner spielen, die sich nur hinten reinstellen“, meinte er vorausblickend.

„Ich warne vor zuviel Geduld“

Daß die deutsche Elf, die immerhin erstmals seit sieben Spielen wieder ohne Gegentor blieb, bis auf 20 Minuten nach der Pause erneut ohne Esprit und Mumm spielte, verärgerte nicht nur die Fans. „Das war eindeutig zu wenig gegen China. Ich warne vor zuviel Geduld. Gegen so einen Gegner müssen Torchancen herausgespielt werden. Aber es wurde ja noch nicht mal mit der Brechstange gearbeitet“, analysierte Chefkritiker Günter Netzer und widersprach damit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sowie dem Bundestrainer, der seine Mannschaft durch den entscheidenden Foulelfmeter von Torsten Frings (51.) für ihre Geduld belohnt sah. „MV“ hatte nach dem Abpfiff erklärt: „Es hilft nur, Geduld zu behalten. Die Spieler müssen ihr Selbstvertrauen wiederfinden, um an die Form anzuschließen, die sie beim Confed Cup hatten.“

Von dem im Sommer demonstrierten Selbstbewußtsein ist allerdings nicht mehr viel übrig geblieben, was auch Klinsmann nicht verborgen blieb: „Der Wille war da. Aber der Weg, den wir eingeschlagen haben, hat nicht so zum Ziel geführt, wie wir uns das gewünscht haben. Vor allem Rückpässe, wie in Hälfte eins, sehen wir natürlich nicht gerne. Wir machen gerade einen Hänger durch, nachdem sich die Mannschaft beim Confed Cup unheimlich hochgepuscht hat. Das ist aber normal. Wir wissen, wo die Mannschaft im Herbst 2005 steht. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns.“ Den abermaligen Ausfall von Michael Ballack wollte der 41jährige dabei nicht als „Ausrede“ gelten lassen, auch wenn der Kapitän „nicht zu ersetzen ist“.

Nur mit Metzelder zufrieden

Trotz der vielen Schwachpunkte im deutschen Team gab es für den Bundestrainer aber auch einen erfreulichen Aspekt: Christoph Metzelder. „Seine Leistung, aber auch seine gesamte Präsenz waren sehr erfreulich. Er hat alles richtig gemacht. Das ist etwas, auf das wir bauen können. Er ist ein Spieler, der von Natur aus die Leaderrolle übernimmt“, schwärmte Klinsmann vom Vize-Weltmeister, der nach 32monatiger Pause ein starkes Comeback im DFB-Trikot feiern konnte.

Der Dortmunder Abwehrspieler, der schon jetzt für das letzte Spiel des Jahres am 12. November in Paris gegen Frankreich gesetzt ist, kommentiert seine starke Rückkehr gewohnt sachlich: „Für mich war das sehr schön. Wer meine Geschichte kennt, weiß, was das Comeback für mich bedeutet. Zweieinhalb Jahre Arbeit haben sich ausgezahlt.“

Der Fahrplan der deutschen Nationalmannschaft bis zur WM 2006 (9. Juni bis 9. Juli) im Überblick:
12. November 2005: Frankreich - Deutschland in Paris
1. März 2006: Italien - Deutschland (Ort und Anstoßzeit noch offen)
22. März 2006: Deutschland - Vereinigte Staaten in Dortmund
30. Mai 2006: Deutschland - Japan in Leverkusen
2. Juni 2006: Länderspiel in Mönchengladbach, Gegner noch offen

Deutschland - China 1:0 (0:0)
Deutschland: Kahn - Friedrich, Mertesacker (46. Huth), Metzelder, Schweinsteiger (88. Hitzlsperger) - Frings - Deisler, Borowski, Schneider - Neuville (90. Owomoyela) , Podolski (52. Kuranyi)
China: Li Leilei - Du , Li Weifeng, Ji Mingyi - Sun Jihai (83. Wang Liang), Li Tie, Li Yan, Sun Xiang (90. Zheng Bin) - Zheng Zhi (80. Xu Liang), Shao (59. Yang Cao) - Hui Xie (46. Fangzhuo Dong/ 90. Zuo Jie)
Schiedsrichter: Batista (Portugal)
Zuschauer: 48.734
Tor: 1:0 Frings (51.)

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche

Nicht gewonnen, nicht verloren

Von Peter Heß

Im Formel-1-Tempo sollte in der durch Korruptionsvorwürfe durchgeschüttelten Fifa aufgeräumt werden. Im Moment bewegt sie sich mit der Geschwindigkeit eines Motorrollers. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik