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0:1 in Saarbrücken Haffner zerstört die Mainzer Pokalträume

 ·  Sie spielten die erste Halbzeit im Leerlauf - und erst die zweite mit voller Kraft. „98 Prozent reichen nicht“, sagte Trainer Jürgen Klopp nach dem Erstrunden-Aus seiner Mainzer im DFB-Pokal gegen Regionalligist Saarbrücken.

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„98 Prozent reichen nicht.“ Auch nicht im Pokal gegen einen durchschnittlichen Regionalligaverein. Das hatte Trainer Jürgen Klopp vor der Partie seiner Mainzer Bundesligakicker beim 1. FC Saarbrücken gesagt. Vielleicht hätten 98 Prozent gegen diese Mannschaft ja doch gereicht, aber was die Rheinhessen am Sonntag bei der überraschenden 0:1-Niederlage im Saarland zeigten, war weit weniger als zwei Prozent unter dem Maximum. Sie spielten die erste Halbzeit im Leerlauf - und erst die zweite mit voller Kraft: In der Summe war das nicht genug. Der Außenseiter nutzte seine Chance, die ihm der Favorit bot, und kämpfte sich mit wenig Klasse, aber bewundernswertem Einsatz in die zweite Hauptrunde des DFB-Pokals.

Die Enttäuschung der Mainzer, die sich im Pokal vollmundig eine ganze Menge vorgenommen hatten, war groß. Klopp nahm die Kurve in die Normalität mit wohlgesetzten Worten, aber auch mit bitterer Miene. „Man muß jetzt nicht so tun, als sei die Welt untergegangen“, sagte er. „So etwas wie heute kann im Fußball passieren.“ Muß aber nicht gegen eine Mannschaft, die in der laufenden Saison von sechs Regionalligaspielen gerade einmal zwei gewonnen hat.

Fußball in Regionalligaqualität

Warnhinweise hatte es ja genügend gegeben. Bremen war tags zuvor gegen einen Regionalligaklub ausgeschieden, Hamburg ebenso. Und doch machten die Mainzer in Saarbrücken zunächst überhaupt nicht den Eindruck, als hätten sie diese Lektion gelernt. In der ersten Halbzeit war es ein typisches Pokalspiel - im negativen Sinne. Den Saarbrückern gelang es, den gewöhnlich um zwei Klassen höher spielenden Gegner auf ihr Niveau herunterzuziehen, und so sahen die 15.200 Zuschauer im alten und wenig ehrwürdigen Stadion am Ludwigspark bis zur Pause, was sie in dieser Saison immer sehen werden: Fußball in Regionalligaqualität. Der Außenseiter verbarrikadierte sich bei Mainzer Ballbesitz, hoffte auf Konter, und der Favorit brachte weder Ideen noch Tempo in die Begegnung, er wollte die Partie routiniert herunterspielen - und brachte sich dabei konsequent selbst aus dem Konzept.

Gegen einen schwachen Gegner ließ sich für die Mainzer in der ersten Halbzeit eine einzige Chance verbuchen, Edu vergab sie nach 23 Minuten. Und je länger diese erste Halbzeit dauerte, desto mehr kamen die Saarbrücker ins Spiel. Cha mit einer erschreckend schwachen Vorstellung auf der rechten Abwehrseite trug dazu bei, aber auch der Rest der Mannschaft lieferte in dieser Phase eine Vorstellung ab, wie man sie kaum für möglich gehalten hatte. Und die Saarbrücker nahmen das Mainzer Entgegenkommen dankend an. Ab durch die Mitte: In der 41. Minute nutzte Haffner eine Totalkonfusion in der Mainzer Hintermannschaft zum Führungstreffer.

Heidel: „Bitter für uns“

Hallo wach? Mainz brauchte nach der Pause noch zehn Minuten und eine weitere Saarbrücker Chance durch Kapitän Nehrbauer, um endlich mehr Tempo aufzunehmen und Druck aufzubauen. Edu traf die Latte (56.), das sah schon gut aus, dann kam der frühere Saarbrücker Amri für Gerber, wobei er einen der besseren Mainzer ersetzte, viel schwächere wie Cha oder Azaouagh durften sich zunächst weiter um Schadensausgleich bemühen. Rose hatte Pech mit einem abgeblockten Schuß (72.), dann brachte Klopp Jovanovic für Cha und damit einen weiteren Stürmer, dann Addo für Azaouagh. Geballte Offensive nun, noch eine Viertelstunde.

Saarbrücken wankte, die Mainzer vergaben eine Chance nach der anderen, Addo und Jovanovic trafen frei stehend aus drei Metern nicht, dann übersah der Schiedsrichter auch noch ein eindeutiges Saarbrücker Handspiel auf der Torlinie und damit einen Elfmeter für Mainz - und dann, nach drei Minuten Nachspielzeit, hatte der Außenseiter die Partie gewonnen. „Bitter für uns“, sagte der Mainzer Manager Christian Heidel. „Aber solche Spiele gibt es: Du verschläfst die erste Halbzeit, in der zweiten rennst du dem Rückstand hinterher und triffst alles. Pfosten, Linie, Elfer nicht gegeben - das volle Programm, nur das Tor, das triffst du nicht.“ Selbst schuld, könnte man sagen.

Quelle: F.A.Z., 11.09.2006, Nr. 211 / Seite 51
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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