18.06.2010 · Zurück auf dem Boden der WM-Tatsachen: Bei der Niederlage gegen Serbien beraubt sich Deutschland selbst der guten Ausgangslage. Klose muss früh mit Gelb-Rot vom Feld und Podolski verschießt einen Strafstoß. Den Serben genügt Jovanovics Tor.
Von Michael Horeni, Port ElizabethAls der Schiedsrichter den letzten deutschen Angriff abpfiff, weil er im Strafraum ein Foul an Dejan Stankovic gesehen hatte, knallte Jogi Löw wütend eine Wasserflasche auf den Boden. Wenige Sekunden später beendete Alberto Undiano dann die Partie und der Bundestrainer schickte ihm einen bösen Blick hinterher und verschwand schimpfend in der Kabine. Der Bundestrainer sah sich bei der 0:1-Niederlage gegen Serbien vom spanischen Unparteiischen um den Lohn für seine Mannschaft gebracht.
Aber vielleicht ärgerte er sich noch mehr darüber, dass sein Team bei der eigenen Entzauberung kräftig mitgeholfen hatte: Ein unnötiger Platzverweis f für Miroslav Klose in der 37. Minute und der Treffer von Milan Jovanovic (38.) mitten hinein in die plötzliche deutsche Verwirrung, waren an diesem Tag zu viel für das junge deutsche Team - zumal Lukas Podolski nach 60 Minuten auch noch mit einem schwach geschossenen Elfmeter scheiterte, zum ersten Mal nach sechs Jahren in der Nationalmannschaft, als erst als dritter Spieler der deutschen WM-Geschichte nach Uli Hoeneß (1974 im Zwischenrundenspiel gegen Polen) und Uli Stielike (1982 im letztlich gewonnenen Halbfinal-Elfmeterschießen gegen Frankreich). Der bittere Rückschlag nach dem glanzvollen 4:0-Triumph über Australien zum Auftakt des Turniers bringt den Bundestrainer und sein Mannschaft nun in eine heikle Lage - die Partie am Mittwoch gegen Ghana (20.30 Uhr/ FAZ.NET-WM-Liveticker) wird zum befürchteten Endspiel um den Einzug ins Achtelfinale. Bei einer Niederlage droht den Deutschen das vorzeitige Ende bei einer Weltmeisterschaft, die mit so schönem Fußball und so großen Hoffnungen begonnen hatte. Ein Unentschieden könnte gegen die Afrikaner schon zu wenig sein, um das Achtelfinale zu erreichen, wenn Ghana am Samstag gegen Australien punktet. „Wir dürfen den Kopf nicht hängenlassen. Wir haben es noch in der eigenen Hand, das Achtelfinale zu erreichen“, sagte Löw.
Der bittere Rückschlag nach dem glanzvollen Auftakt gegen Australien bringt den Bundestrainer und sein Mannschaft nun in eine heikle Lage - die Partie am Mittwoch gegen Ghana wird zum befürchteten Endspiel. Bei einer Niederlage droht den Deutschen das vorzeitige Ende bei der WM, die mit schönem Fußball so große Begeisterung geweckt hatte. Selbst ein Unentschieden könnte nun gegen die Afrikaner schon zu wenig sein. „Wir dürfen den Kopf nicht hängenlassen. Wir haben es noch in der eigenen Hand, das Achtelfinale zu erreichen“, sagte Löw nach der ersten Enttäuschung. Aber er gab zu: „Dass man im letzten Spiel dermaßen unter Druck steht, diese Situation wollten wir nicht haben.“
Wut und Enttäuschung
Die Spieler waren jedoch nicht bereit, sich durch eine Partie, in der sie sich auch selbst schlugen, noch weiter einschüchtern zu lassen. Sie ärgerten sich auch über den Schiedsrichter, vor allem jedoch über die vergebene Chance. „Das Spiel dürfen wir nicht verlieren, auch nicht mit zehn Mann. Mir fehlen fast die Worte“, sagte der hervorragende Schweinsteiger. „Ich spüre Wut und Enttäuschung.“
Die große deutsche WM-Begeisterung ist bis zum Endspiel gegen Ghana jedenfalls erst einmal verflogen. Denn bis zu den entscheidenden Momenten spielte und kombinierte das Team längst nicht so stark und entschlossen wie zum Auftakt. Badstuber als linker Verteidiger war heillos gegen Krasic überfordert und auch Müller war von einem erstklassigen Auftritt auf der rechten Seite ein ganzes Stück entfernt. „Wir waren nicht so dominant, wie wir es uns vorgenommen hatten“, sagte Löw.
Klose hätte es wissen müssen
Und nun wird es bestimmt nicht lange dauern, bis die Frage auftaucht, ob die junge Mannschaft ohne Ballack vielleicht doch nicht bei einer WM bestehen kann, dass sie aus Mangel an Erfahrung erstmals in der Vorrunde scheitert. Das ist möglich, genau wie das auch 2002 möglich war, als damals der Endspielgegner in der Vorrunde Kamerun hieß, und das Team doch noch das Finale erreichte. Für die Niederlage gegen Serbien lasen sich einige Gründe anführen - aber Mangel an Erfahrung gehört nicht dazu. Es waren nämlich ausgerechnet zwei Spieler mit einem riesigen Fußballfundus, die den größten Beitrag zur Niederlage leisteten.
Schiedsrichter Undiano hat zwar arg übertrieben, in einem nie unfairen Spiel acht Verwarnungen und eine Gelb-Rote Karte zu verteilen. Aber mit seiner Erfahrung hätte Klose wissen müssen, mit welcher Sorte Schiedsrichter er es zu tun hatte. Bis zu seinem Platzverweis war es ein wenig aufregendes, aber ausgeglichenes Spiel. So aber geriet in jener 37. Minute das junge Deutschland für einen kurzen, aber entscheidenden Augenblick aus dem Konzept. Sie hatten sich vom ersten Schrecken noch nicht erholt, da ereilte sie der nächste, noch härtere Rückschlag. Krasic setzte sich wieder mühelos gegen den an diesem Tag überforderten Badstuber durch, seine Flanke erreicht Zigic, der das Kopfballduell gegen Lahm gewann.
Und weil Mertesacker zur Hilfe eilte, aber nicht helfen konnte, stand im Fünfmeterraum Jovanovic ganz frei - und erzielte die Führung für die Serben. „Dann wird es natürlich schwer mit zehn Mann“, sagte Lahm über die Folgen des auch selbstverschuldeten Minuten-Unglücks.
Wille vorhanden
Nun begann ein neues Spiel, und es war ein Spiel, das die Deutschen in einer ziemlich düsteren Lage sah. Mit einem Treffer gegen die spielstarken und kombinationssicheren Serben in Rückstand - da musste schon ein kleines Meisterwerk her, um die drohende Niederlage abzuwenden. Löw reagierte erst einmal nicht. Er nahm keine Umstellung vor, Özil interpretierte seine ursprüngliche Rolle als Mittelfeldspieler hinter Klose nur etwas offensiver. Der Wille der jungen Mannschaft, aus der prekären Lage das Beste zu machen, war schnell spürbar.
In der 43. Minute inszenierte Özil den ersten Angriff in Unterzahl, Khedira kam zwar nicht an den Ball. Aber das Signal, nicht aufzugeben, kam an. In der 45. Minute fehlte dem jungen Team nicht viel, um auf die Rückschläge eine zählbare Antwort zu finden. Khedira fiel nach einer Faustabwehr von Torwart Stojkovic nach einer Lahm-Flanke der Ball vor die Füße - aber sein harter Schuss prallte von der Unterkante der Latte ins Feld zurück.
Tragische Figur Podolski
Nach dem Wechsel machten sich die Deutschen sofort daran, den Druck zu verstärken. „Wir haben uns enorm aufgebäumt und sehr gute Moral bewiesen. Wir haben alles versucht, das Spiel zumindest noch unentschieden zu gestalten“, lobte Löw.
Dabei wurde innerhalb von wenigen Minuten Lukas Podolski zur zweiten tragischen Figur im deutschen Spiel. Nach einem Traumpass von Özil setzte sich der Kölner erst auf der linken Seite durch, aber sein Schuss verfehlte knapp das Tor (57.). Zwei Minuten später, Özil hatte diesmal den Ball klug im Strafraum in Richtung Podolski prallen lassen, landete sein Schuss am Außennetz (59.). Als Vidic nach einer Stunde mit einem Handspiel im Strafraum einen Handelfmeter verursachte - ganz ähnlich, wie Kuzmanovic beim 0:1 gegen Ghana - schnappte sich Podolski den Ball. Doch seinen schwach geschossenen Elfmeter wehrte Stojkovic ab.
Auch diese zweite wegweisende Szene ging also nicht zu Lasten der Neulinge im jungen deutschen Team, sondern traf einen Nationalspieler mit 75 Länderspielen und 39 Toren im Rücken. Und mit seinem Fehlschuss ließ Podolski natürlich auch die Erinnerung an Ballack weiter aufleben, der diese Aufgaben ansonsten immer zuverlässig erledigt hatte. „Das muss ich auf meine Kappe nehmen“, sagte Podolski. Er meinte nur den vergebenen Elfmeter.
Keine Überraschung
Uwe Leopold (leouwe)
- 18.06.2010, 17:29 Uhr
Schiedsrichter schlägt Deutschland ...
Karsten Bender (Kasmo)
- 18.06.2010, 17:31 Uhr
Sich selbst geschlagen
Hartmud Ose (hwarang)
- 18.06.2010, 17:32 Uhr
Die Schiris pfeiffen, als sei das Teil des Anreizsystems
Peter Panski (tick-tock)
- 18.06.2010, 17:37 Uhr
Eine spanische Pfeife ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 18.06.2010, 17:37 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |