Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist enttäuschend und müde in das Länderspieljahr 2009 gestartet. In einer schwachen und langatmigen Partie mit spärlichen Höhepunkten verlor der Zweite der Europameisterschaft gegen Außenseiter Norwegen 0:1. Die 45.000 Zuschauer in Düsseldorf konnte das Team von Bundestrainer Joachim Löw beim missglückten Auftakt nie begeistern, dafür mangelte es dem Team an Tempo, Kombinationen, Chancen - und an Treffern.
Nur ganz gelegentlich setzten sich die Deutschen, die eine geschlossen matte Mannschaftsleistung ablieferten, über eine massiv verteidigende norwegische Mannschaft hinweg, die zudem auf ein halbes Dutzend Stammkräfte verzichten musste. Trotzdem gelang den Norwegern ein am Ende nicht einmal unverdienter Erfolg gegen die Deutschen, die erstmals seit 73 Jahren gegen die Skandinavier verloren. Christian Grindheim glückte in der 63. Minute der Treffer, bei dem der deutschen Abwehr wieder einmal der Überblick verloren gegangen war.
Ballack: „Zu langsam, zu behäbig gegen dieses Bollwerk“
Die zweite Heimniederlage nacheinander konnten weder die blassen bis schwächlichen Stammkräfte Ballack, Klose, Schweinsteiger oder Frings verhindern, noch die jungen Kräfte Helmes, Kießling und Tasci - und schon gar nicht die Debütanten Beck und Özil. „Zu langsam, zu behäbig gegen dieses Bollwerk“, sagte Ballack kritisch, „wir müssen gegen solche Gegner schneller und beweglicher spielen.“ (siehe auch: Stimmen zum Länderspiel: Enttäuschter Adler, froher Özil )
Dabei hatte der Bundestrainer doch ausdrücklich gefordert, „emotionaler zu spielen“ als in der letzten Partie 2008 gegen England (1:2). Aber wie sollte das gelingen in einem Test-Länderspiel gegen eine Mannschaft, die zu besiegen keinen Prestigegewinn bedeutet? Norwegen war ganz bewusst als Übungspartner mit Blick auf die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein und Wales in rund sechs Wochen ausgesucht worden.
Nicht nur deutsche Profis haben angesichts solcher motivationshemmenden Konstellationen meist größte Schwierigkeiten, einen Ernstfall zu simulieren, den es einfach nicht gibt. So kam es auch in Düsseldorf wie es oft kommt in solchen Spielen: Angekündigte Leidenschaft reduzierte sich zu aufrichtigem Bemühen, unbedingter Siegeswille schrumpfte zur angestrengten Erfüllung einer Pflichtaufgabe ohne Zusatznutzen - und so lösten sich die schönsten Vorsätze allmählich in der frühlingswarmen Düsseldorfer Hallenluft auf.
Nach 45 Minuten mussten sich die Deutsche erste Pfiffe im überdachten Stadion anhören für ihre Vorstellung, die zwar von einer drückenden Überlegenheit beim Ballbesitz zeugte, aber sich nicht entsprechend in Torchancen und Treffern niederschlug. Gomez (10.), Trochowski (29.), Lahm (29.) und Ballack (45.) kamen zwar schön abwechselnd zu Chancen, aber keine einzige war eine wirkliche Bedrohung für Torwart Jarstein.
Die Norweger verschanzten sich in ihrer Spielhälfte
Taktisch stellten sich die Deutschen auch nicht immer allzu geschickt an. Schon früh deutete sich an, dass die Norweger in der Mitte sehr dicht standen und ihnen auf diesem direkten Weg kaum beizukommen war. Das von Ballack geführte Team versuchte es trotzdem immer wieder so. Nicht zuletzt weil Lahm nur selten und Hinkel gar nichts Stürmisches über die Außenpositionen in das deutsche Spiel einbringen konnten (siehe auch: Einzelkritik zum Länderspiel: Schwächen in allen Mannschaftsteilen).
Die Norweger verlegten sich darauf, sich mit allen Spielern in ihrer Hälfte zu verschanzen, um dann schnell nach deutschen Fehlern zu kontern. Bei diesem Vorhaben wurden sie vor allem durch den nachlässigen Westermann und den handlungslahmen Frings unterstützt. Nach zwanzig Minuten konnte Westermann den Norweger Braaten nur mit einem Foul an der Strafraumgrenze stoppen, aber der Schiedsrichter reagierte nicht. In der 22. Minute reagierte dann Torwart Adler nach einem Kopfball Skjelbreds aus kurzer Distanz glänzend. Aber mehr Unruhe verbreiteten auch die Norweger an diesem allzu freundschaftlichen Testspiel erst einmal nicht.
Die Fans rufen nach Fortuna - und Norwegen trifft
Der Bundestrainer sorgte nach der Pause für Bewegung, indem er mit Debütant Beck sowie mit Tasci und Helmes gleich drei neue Spieler in eine Partie brachte, die aber auch durch die Wechselfälle nicht attraktiver wurde. In der 58. Minute machte Gomez durch einen Schuss aus 18 Metern auf sich aufmerksam, den Torwart Jarstein aber reaktionsschnell abwehren konnte. Danach versank das deutsche Spiel in zunehmender Teilnahmslosigkeit.
Als die vom Fußball nicht gerade verwöhnten Düsseldorfer nach ihrer Fortuna riefen, starteten die Norweger ihren ersten Angriff in der zweiten Halbzeit. Pedersen spielte den Ball in der 63. Minute hart vors Tor, ob als Schuss oder Hereingabe ließ sich nicht genau sagen, aber Grindheim erfasste die Situation am schnellsten und war aus wenigen Metern völlig freistehend zum überraschenden 0:1 erfolgreich.
Zwölf Minuten vor dem Ende debütiert auch Özil
Der Bundestrainer arbeitete unterdessen seine Einwechslungsvorhaben ab und brachte Kießling für Gomez und Marin für Frings in die Partie. Planvoller, effektiver oder überraschender wurde das Spiel der Deutschen aber dennoch nicht, im Gegenteil. Nach dem Rückstand verlor Löws Team in der Defensive immer weiter die Ordnung. Die Konter der Norweger waren vielversprechender als die deutschen Bemühungen, wenigstens noch den Ausgleich zu erzielen.
Zwölf Minuten vor Schluss durfte sich dann wenigstens noch Mesut Özil als Gewinner fühlen, der mit seinem ersten Einsatz in der Nationalmannschaft alle Diskussionen um eine mögliche Karriere in der türkischen Auswahl beendete. Rein sportlich allerdings konnte der Bremer mit türkisch-gelsenkirchener Wurzeln nichts mehr am erste norwegischen Sieg gegen Deutschland seit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin ändern.
M.Gomez sagt : "Leute sagen, was will "Der" denn wieder in der Nationalelf ?"
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 12.02.2009, 01:59 Uhr
Überschätzter deutscher Fussball
Hiep Van Tran (WatersToronto)
- 12.02.2009, 06:23 Uhr
Auch FAZ noch nicht in Länderspielform...
Thomas Seifert (Thomas_Seifert)
- 12.02.2009, 10:37 Uhr
Die Entwicklung der deutschen Fußballnationalmannschaft ...
(Charlet)
- 12.02.2009, 13:41 Uhr
Überbewertung eines Testspiels
Alfred Weimann (GigaroCDA)
- 12.02.2009, 14:43 Uhr