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0:1 gegen Argentinien Maradona desillusioniert die Deutschen

04.03.2010 ·  Ist Maradona doch ein guter Trainer oder ist die deutsche Fußball-Nationalelf zu schwach? Im letzten Test vor der WM-Vorbereitung findet das DFB-Team gegen Argentinien nicht ins Spiel. Bei der 0:1-Niederlage steht Torwart Adler in der Kritik.

Von Michael Horeni, München
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Die deutsche Nationalmannschaft ist mit einer enttäuschenden Leistung in das WM-Jahr gestartet. Bei der 0:1-Niederlage in München gegen Argentinien verstand es das Team von Bundestrainer Joachim Löw zu keiner Zeit, die Südamerikaner in Angst und Schrecken zu versetzen. Nur eine ernsthafte Torchance hatten die Deutschen im Prestigeduell der insgesamt fünfmaligen Weltmeister. Gonzalo Higuain erzielte in der 45. Minute nach einer Abwehr- und Torwartpanne das verdiente 1:0 für die Argentinier, die mit ihrer Ballsicherheit und taktischen Reife die Deutschen nie zu druckvollem Spiel kommen ließen.

In der Schlussphase hatten die Deutschen nach der Einwechslung von Cacau ihre beste Phase, aber die Niederlage, die das Team nach der gescheiterten Vertragsverhandlung mit Bundestrainer Löw (siehe: DFB-Machtkampf: Fragezeichen nach dem Friedenskonvent) und seinem Stab mit Blick auf eine ruhige WM-Vorbereitung unbedingt verhindern wollte, konnten sie nicht mehr abwenden. Es wartet nach dem Bundesligaschluss im Mai jedenfalls viel Arbeit auf den Bundestrainer, um den teilweise guten taktischen Ansätzen auch eine durchlagskräftige und entschlossene Komponente beizufügen. „In der ersten Halbzeit hätte uns etwas mehr Mut gutgetan“, sagte Löw nach dem letzten Test vor der Nominierung seines WM-Kaders Anfang Mai. „Es ist uns nicht gelungen, Druck aufzubauen, die Argentinier in Verlegenheit zu bringen und Chancen herauszuarbeiten.“

Ob aus dem Positionstausch von Schweinsteiger ins defensive Mittelfeld ein Zukunftsmodell für die Weltmeisterschaft werden kann, das war die taktisch wichtigste Frage des Abends. Stürmisch jedenfalls konnten der Münchner und sein Kapitän nicht für die neue Variante werben. An der Seite von Ballack auf der „Sechserposition“ verschaffte Schweinsteiger der Nationalmannschaft in der Mittelfelddefensive zwar Sicherheit, die nach einer Fortsetzung verlangte. In der ersten halben Stunde wurden Ballack und vor allem Schweinsteiger zum wichtigsten Abfangdienst und den gesuchtesten Anspielpartnern. Aber in der Offensive konnten sie für gar keine der dringend benötigten Gefahrenmomente sorgen. „Es haperte am Vorwärtsgang“, sagte Ballack. „Wir wollten den Argentiniern nicht ins offene Messer laufen. Das hat uns gehemmt.“

Kaum konstruktive Angriffe

Dass Schweinsteiger, der diese Rolle beim FC Bayern in dieser Spielzeit mit Qualität und Konstanz ausfüllt, keine Anpassungsschwierigkeiten haben würde, durfte man erwarten. Spannender war die Frage, wie Debütant Thomas Müller auf der rechten Seite die vakante Schweinsteiger-Stelle würde ausfüllen können. In der ersten Halbzeit bot der Bayern-Aufsteiger des Jahres in seinem Heimspiel eine unauffällige, aber weitgehend fehlerfreie Leistung. Da aber anders als bei den Bayern bei der Nationalmannschaft nun weder rechts noch links mit Podolski Druck erzeugt wurde, kamen die Deutschen zu kaum einem konstruktiven Angriff. Die Zuschauer verabschiedeten die Nationalelf daher auch mit Pfiffen nach einem verdienten 0:1-Rückstand in die Pause.

Die Führung kurz vor der Halbzeit durch Gonzalo Higuain war der verdiente Lohn für eine zielstrebigere Vorstellung der Argentinier, die wenigstens gelegentlich für Gefahr vor dem dicht besicherten deutschen Tor sorgten. Der Führungstreffer entsprang genau einer Situation, wie sie das Team von Bundestrainer Löw verhindern wollte und vor der Spielebeobachter Siegenthaler in der Vorbereitung eindringlich gewarnt hatte: Das blitzschnelle Umschalten der Argentinier nach gegnerischem Ballverlust.

In der 13. Minute hatten die Deutschen noch von Glück sprechen können, dass der Schiedsrichter den vor dem Tor freigespielten Angel di Maria fälschlicherweise im Abseits wähnte. Und in der 27. Minute verhinderte ein taktisches und mit der gelben Karte bestraftes Foul von Schweinsteiger noch einen argentinischen Blitzkonter. Doch in der 45. Minute war die Extraklasse der Südamerikaner dann ungebremst sichtbar, als Veron mit einem Steilpass die erstmals weit aufgerückte deutsche Verteidigung aushebelte und Higuain von der Mittellinie freie Bahn hatte. Mertesacker hatte sich bei der Bewachung total verschätzt und Adler im Tor erging es genauso. Er eilte aus dem Strafraum, war aber zu langsam, um den Pass vor Higuain zu erreichen. Der Stürmer von Real Madrid umkurvte Adler lässig und schob dem Ball ins verlassene Tor. „Ich war überzeugt, dass ich ihn kriege“, sagte Adler später. „Es war der berühmte Schritt zu spät.“

Kein Tor gegen die Unruhe im Verband

Das war alles andere als eine gelungene Bestätigung des Leverkusener Torhüters nach der Entscheidung der Trainer, ihn zur neuen deutschen Nummer eins zu erklären - eine sehr lebhafte Torhüter-Diskussion hätte der Nationalmannschaft wohl ins Haus gestanden, wenn der Heber von Veron (50. Minute) nach missglückter Abwehr Adlers nicht auf dem Tornetz, sondern im Tor gelandet wäre. Aber auch so ging sein erster Auftritt als Nummer eins in München daneben (siehe: )

In der Halbzeit reagierte der Bundestrainer auf den harmlosen Angriff. Die nationale Stamm- und bayerische Aushilfskraft Klose musste ihren Platz für Mario Gomez räumen. Aber erst mit der Einwechslung des Stürmers der Woche, Cacau, gönnte die Nationalmannschaft ihrem Publikum ein paar Angriffsszenen. Ein einziger Treffer hätte diesmal eine schöne Langzeitwirkung in einer in diesen Tagen sehr aufgeregten deutschen Fußballwelt (siehe: DFB: „Vielleicht erst der Anfang einer Lawine“) entfaltet. Doch der Stuttgarter, dem zuletzt sieben Treffer in sechs Tagen gelungen waren, verfehlte mit seinen beiden Schüssen auch dieses Ziel. Den Argentiniern gelang somit die Revanche für die Niederlage bei der WM 2006. Das sah wohl auch maradona so, als er zum Abschluss des Abends sagte: „Dieses Spiel hatte Viertelfinalcharakter.“ Die Deutschen dürfen sich trösten: Auch Argentinien steht nun noch lange nicht im WM-Halbfinale.

Deutschland - Argentinien 0:1
Deutschland: Adler (Bayer Leverkusen/25 Jahre/9 Länderspiele) - Boateng (Hamburger SV/21/3), Mertesacker (Werder Bremen/25/60), Tasci (VfB Stuttgart/22/10), Lahm (Bayern München/26/64) - Schweinsteiger (München/25/73), von der 75. Minute an Khedira (Stuttgart/22/2), Ballack (FC Chelsea/33/98) - Müller (München/20/1) (67. Minute Kroos/Leverkusen/20/1), Özil (Bremen/21/8) (67. Minute Cacau/Stuttgart/28/5), Podolski (1. FC Köln/24/70) - Klose (München/31/94) (46. Gomez/München (24/32).
Argentinien: Romero (AZ Alkmaar/23/5) - Otamendi (Velez Sarsfield/22/6), Demichelis (Bayern München/29/25) (57. Minute Burdisso/AS Rom (28/28), Samuel (Inter Mailand/31/54), Heinze (Olympique Marseille/31/63) (47. Minute Rodriguez/Estudiantes de la Plata (28/11) - Mascherano (FC Liverpool/25/56) - Verón (Estudiantes de la Plata/34/71) (90. Minute Bolatti (AC Florenz/25/4), Gutiérrez (Newcastle United/26/15), di Maria (Benfica Lissabon/22/7) - Messi (FC Barcelona/22/45), Higuain (Real Madrid/22/4), (62. Tévez (Manchester City/26/53)
Schiedsrichter: Atkinson (England).
Tore: 0:1 Higuain (45.).
Zuschauer: 65 000 (ausverkauft)

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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