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0:0 in Frankreich „Wir gehen sehr optimistisch ins WM-Jahr“

14.11.2005 ·  Mit der besten Saisonleistung hat die deutsche Nationalelf das Jahr 2005 abgeschlossen und sich in Frankreich ein 0:0 erkämpft. Sieben Monate vor der WM trat das Team von Jürgen Klinsmann wieder engagiert, konzentriert und selbstbewußt auf.

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Als Jürgen Klinsmann seine ausgepowerten Spieler weit nach Mitternacht mit einer Lob-und-Dank-Rede in die lange Winterpause entließ, war die WM-Welt der deutschen Fußball- Nationalmannschaft für alle Beteiligten wieder in bester Ordnung. Denn selten zuvor war eine Nullnummer so wertvoll wie die im 768. Länderspiel einer DFB-Auswahl am Samstag in Paris gegen Frankreich.

„Wir gehen sehr optimistisch ins WM-Jahr. Wir sind überzeugt, daß wir dort etwas reißen können. Wir sind mehr als im Soll“, sagte Klinsmann, als er nach wenigen Stunden Schlaf am Sonntag morgen vor der Presse in Paris die Bilanz eines Jahres zog, das mit seinen sieben Siegen, fünf Unentschieden und drei Niederlagen einer aufregenden und Nerven aufreibenden Achterbahnfahrt glich.

„Spieler sind aus dem Tief raus“

Erleichterung und Zuversicht beherrschten im Mannschaftshotel „Le Meridien Etoile“ unweit des Pariser Triumphbogens auch die Ansprachen des DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und des nach dem 0:0 sogar „überglücklichen“ Team-Managers Oliver Bierhoff. „Es ist schön, daß wir das Spiel auf Augenhöhe bestritten haben. So sind die drei Monate Pause bis zum nächsten Länderspiel besser zu überstehen“, betonte Mayer-Vorfelder. Erst am 1. März 2006 steht auswärts in Italien die nächste Reifeprüfung bevor.

FAZ.NET-Spezial: Starker Jahresabschluß für Nationalteam gegen Frankreich

Aus dem von Klinsmann einkalkulierten Leistungsloch nach dem Jahres-Höhepunkt beim Confederations Cup, „den wir erfolgreich durchgezogen haben“, hat sich die Azubi-Auswahl um den trotz einer Oberschenkel-Zerrung vorbildlich voranschreitenden Kapitän Michael Ballack im Stade de France befreit. „Die Spieler haben gezeigt, daß sie aus dem Tief heraus sind. Sie waren frischer, konzentrierter und fitter“, lobte der Bundestrainer. „Wir haben in diesem Jahr einen Schritt nach vorne gemacht, gegenüber der EM 2004 sind wir viel stärker geworden“, bekräftigte der Bremer Torsten Frings.

Traumpaß von Ballack

Aber um den 5895 Meter hohen Kilimandscharo zu erklimmen, mit dem Klinsmann den von ihm propagierten WM-Titelgewinn bildlich beschrieb, verlangt er noch mehr Einsatz von den WM-Kandidaten. „Wer herausragen möchte, muß noch mehr tun - und das werden wir auch. Wir wollen bis zum WM-Ende am 9. Juli 2006 dabei sein.“ Wie schmal der Grat zwischen Gipfelsturm und Absturz in sieben Monaten für den WM-Gastgeber sein wird, bewiesen die 90 intensiven Minuten in Paris.

Die Partie habe schon den „Charakter eines WM-Spiels“ gehabt, meinte Thierry Henry. Der Stürmerstar hätte die Partie ebenso für Frankreich entscheiden können (19.), wie Bastian Schweinsteiger umgekehrt für Deutschland. Der 21jährige scheiterte jedoch nach einem Traumpaß von Ballack freistehend am glänzend reagierenden Grégory Coupet (54.). „Eine Situation kann reichen und alles wird kaputt gemacht - und man ist bei der WM raus im Achtelfinale oder Viertelfinale“, so Klinsmann.

Lehmann als lautstarker Dirigent

Diese Millimeter-Entscheidungen dürften nicht außer Acht gelassen werden, fordert Mayer-Vorfelder. „Ich warne davor, nur den WM-Titel als Erfolg zu sehen“, sagte der Verbandschef, der auch den sechzehnten erfolglosen Anlauf, wieder einen Großen des Weltfußballs zu schlagen, positiv uminterpretierte. „Wenn immer gesagt wird, man gewinnt nicht gegen die Großen, muß man auch sagen, daß man kaum noch gegen die Großen verliert.“ Von den letzten sechs Giganten-Duellen ging nur das gegen Brasilien im Halbfinale des Confed-Cups mit 2:3 verloren.

In Paris hätte die „schwarze Serie“ nach über fünf Jahren durchaus enden können. Beim ersten torlosen Unentschieden unter Klinsmann zählte vor allem die Stabilität in der Abwehr, zu der auch die Systemumstellung mit einem defensiver agierenden Ballack beitrug. „Wir haben zum ersten Mal ziemlich perfekt das 4-4-2 gespielt. Das war vom System ein tolles Spiel von uns“, meinte Jens Lehmann, der in erster Linie als lautstarker Dirigent der Abwehr gefordert war.

„Jeder war für jeden da“

Angefangen bei den Stürmern über das Mittelfeld mit einem kampfstarken Frings bis hin zur Viererkette, in der die beiden 21jährigen Per Mertesacker und Robert Huth flankiert von den Außen Arne Friedrich (26) und Marcell Jansen (20) ein Gesellenstück ablieferten, erwies sich die gesamte Defensive als kompakt. „Jeder war für jeden da“, hob Frings den Teamgeist hervor.

„Für unsere Innenverteidigung ist so ein Spiel Gold wert“, sagte Klinsmann. Das Vertrauen, Huth zu bringen, wurde vom Dauerreservisten mit Leistung zurückgezahlt. „Wie er sich ohne Spielrhythmus bei Chelsea präsentiert hat, war beeindruckend“, sagte Klinsmann. Auch Jansen löste in seinem vierten Länderspiel fast schon das WM-Ticket. Noch genießt der langzeitverletzte Münchner Philipp Lahm hinten links „Priorität, aber wir freuen uns über Jansens Leistungssprünge“.

Im Tor dokumentierte Herausforderer Lehmann bei seiner zehnten Bewährungschance unter Klinsmann, warum er sich bei der WM nicht noch einmal als Nummer 2 auf die Bank setzen will. Die Entscheidung über die Fortführung der umstrittenen Torhüter-Rotation in den zwei noch ausstehenden Länderspielen vor der WM-Kadernominierung in Italien (1. März) und gegen die Vereinigten Staaten (22. März) vertagte Klinsmann auf Mitte bis Ende Februar: „Es ist noch nicht klar, wie wir mit der Torhüter- Situation umgehen wollen.“

Frankreich - Deutschland 0:0
Frankreich: Coupet/Olympique Lyon (32 Jahre/18 Länderspiele) - Reveillere/Lyon (26/4), Thuram/Juventus Turin (33/110), Boumsong/Newcastle United (26/17), Gallas/Chelsea London (28/37) - Sagnol/Bayern München (28/34), Dhorasoo/Paris St.Germain (32/14) ab 76. Diarra/Lens (24/5), Makelele/Chelsea (32/40), Malouda/Lyon (25/9) ab 70. Rothen/Paris St. Germain (27/11) - Henry/Arsenal (28/75) ab 46. Anelka/Fenerbahce Istanbul (26/28), Trezeguet/Turin (28/60) ab 70. Cisse/Liverpool (23/26)
Deutschland: Lehmann/Arsenal London (36/28) - Friedrich/Hertha BSC (26/32), Mertesacker/Hannover (21/18), Huth/Chelsea (21/14), Jansen/Mönchengladbach (20/4) - Deisler/Bayern (25/35) ab 46. Schweinsteiger/Bayern (21/23), Frings/Bremen (28/48), Ballack/Bayern (29/61), Schneider/Leverkusen (31/59) ab 76. Borowski/Bremen (25/15) - Klose/Bremen (27/50), Podolski/Köln (20/20) ab 83. Kuranyi/Schalke 04 (23/35)
Schiedsrichter: Steve Bennett (England)
Zuschauer: 60.000
Gelbe Karten: Makelele, Henry - Deisler, Ballack, Friedrich

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
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