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WM-Vorschau Ecuador : Höhenluft als Heimvorteil

Fußball als Staatsangelegenheit: Präsident Rafael Correa verabschiedet das Team zur WM Bild: dpa

Ecuador nutzte mit Trainer Rueda, der fließend Deutsch spricht, sein Stadion auf 2850 Metern über dem Meer. In Brasilien fehlt aber der Heimvorteil und tragischerweise auch Stürmer Benitez. Alles zu Ecuador in der WM-Vorschau.

          FAZ.NET zählt den Countdown zur Fußball-WM in Brasilien. An jedem Tag bis zum Eröffnungsspiel stellen wir einen Teilnehmer vor, damit Sie gut vorbereitet ins Turnier gehen. Heute: Ecuador.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Alle Termine im Überblick
          Der Spielplan der Fußball-WM 2014 in Brasilien

          1 – Kölner Vergangenheit

          Sollte die deutsche Nationalmannschaft bei der WM auf Ecuador treffen, werden sich Bundestrainer Joachim Löw und Reinaldo Rueda blendend verstehen. Der Coach der Südamerikaner spricht fließend Deutsch, weil er 1990/1991 an der Sporthochschule Köln studierte. Erst 1997 übernahm der Kolumbianer seinen ersten Verein in seiner Heimatstadt Cali. Der Erfolg blieb aus, nach einem Jahr musste Rueda gehen. Es dauerte vier Jahre bis er wieder einen Verein in Kolumbien übernahm. Auch in Medellín war schnell Schluss – Rueda zog es in die Verbandsarbeit.

          2 – Erst Honduras, dann Ecuador

          Die kolumbianische U-20-Nationalelf führte der Trainer überraschend auf den dritten Platz der Junioren-WM 2003. Das machte ihn für das A-Team interessant. Der Verband beförderte Rueda, doch die Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland verpasste man um einen Punkt. Der Coach zog weiter und fand sein Glück in Honduras. Mit dem kleinen Land aus Zentralamerika schaffte er tatsächlich den Sprung zur Endrunde 2010. Nun schaffte Rueda mit Ecuador seine zweite WM-Teilnahme in Folge.

          3 – WM-Direktticket nach Brasilien

          In Brasilien wird es im zweiten Spiel ein Wiedersehen mit den früheren Spielern geben, denn auch Honduras spielt in Gruppe E. Im Gegensatz zu vielen anderen Trainern hat Rueda, der nie selbst Fußball spielte, das Team seit seiner Übernahme 2010 nicht verjüngt. Das Durchschnittsalter stieg um rund zwei Jahre. Der Erfolg gibt ihm recht. In der WM-Qualifikation landete Ecuador dank des besseren Torverhältnisses gegenüber Uruguay auf Platz vier und buchte das Direktticket nach Brasilien. Rueda hat vor allem die Defensive stabilisiert. 16 Gegentore waren der drittbeste Wert.

          Trainer mit deutscher Vergangenheit: Reinaldo Rueda

          4 – In Ecuador wird die Luft dünn

          Noch wichtiger als die neue Abwehrstärke war allerdings der Heimvorteil, den Ecuador mit sieben Siegen in acht Spielen ausnutzte. Das Torverhältnis von 16:3 spricht eine deutliche Sprache. Alleine Argentinien, das die Südamerika-Ausscheidung als Erster abschloss, nahm beim 1:1 einen Punkt aus der Hauptstadt Quito mit. Das Estadio Olimpico Atahualpa hat einen Standortvorteil, den nicht jede Nation vorweisen kann. Es liegt 2850 Meter über dem Meeresspiegel. Dort kann die Luft selbst für südamerikanische Gegner ganz schön dünn werden.

          5 – Ärger um Spiele in der Höhe

          Vor einem Jahr nahm Argentinien noch einen Punkt aus Quito mit, zuvor sah das oft anders aus. Auch Brasilien verlor regelmäßig in Ecuador. Fast hätten „La Tri“, die Dreifarbigen, wie die Nationalelf genannt wird, eine neue Heimstätte suchen müssen. 2007 verbot der Weltverband Fifa Fußballspiele über 2500 Meter. Ecuador wehrte sich, die Grenze wurde erhöht, das Stadion nochmal vermessen und die Spielerlaubnis erteilt. Dass aber alleine Höhe nicht zu Siegen führt, beweist Bolivien. Deren Spielort La Paz liegt gar auf 3600 Metern. Zu mehr als dem vorletzten Platz in der WM-Qualifikation reichte es aber nicht.

          Der große Star in Ecuador: Antonio Valencia (links) spielt bei Manchester United

          6 – Zwei neue „Nationalhelden“

          Erstmals nahm Ecuador 2002 an einer WM teil und verpasste den Einzug in die K.o.-Runde nur knapp. In der Vorrundengruppe belegten die Südamerikaner zwar den letzten Platz, auf den Zweiten Italien fehlte aber lediglich ein Punkt. Die „Nationalhelden“ damals hießen Agustin Delgado, der beim 1:2 gegen Mexiko das erste WM-Tor in Ecuadors Geschichte erzielte, und Edison Mendez, der mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Kroatien den ersten Sieg bei einer Endrunde sicherstellte.

          7 – Erst Beckham beendet die WM

          Vier Jahre später schrieben sich noch einige Ecuadorianer ins nationale Geschichtsbuch. Bei der zweiten Teilnahme setzte sich „La Tri“ in der deutschen Vorrundengruppe durch. Dem 2:0-Sieg zum Auftakt über Polen folgte ein 3:0-Erfolg über Costa Rica. So konnte sich Ecuador auch eine 0:3-Niederlage gegen Gastgeber Deutschland in der abschließenden Partie leisten. Erst im Achtelfinale war unglücklich Endstation. David Beckham traf für die Engländer gegen aufopferungsvoll kämpfende Südamerikaner. Der Achtelfinaleinzug bleibt bislang der größte Erfolg Ecuadors.

          In der Qualifikation setzte sich Ecuador noch vor Uruguay durch

          8 – Ecuador mit zwei „Deutschen“

          Bevor Ecuador 2006 in Berlin auf Deutschland traf, hatten die Südamerikaner schon zwei Duelle mit der DDR hinter sich. 1973 gab es ein 1:1, 1985 siegte der Gast in Guayaquil. Das letzte Spiel gegen Deutschland liegt noch gar nicht lange zurück. Während der Amerika-Reise der DFB-Elf 2013 unterlag Ecuador der Mannschaft von Joachim Löw im amerikanischen Boca Raton mit 2:4. Im WM-Kader von Trainer Rueda stehen auch zwei „Deutsche“: Der erst 19 Jahre alte Carlos Gruezo spielt in Stuttgart und ist noch ohne Länderspiel, der gleichaltrige Cristian Ramirez (zwei Einsätze) steht in der zweiten Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf unter Vertrag.

          9 – Valencia bleibt ohne ein Tor

          Erfahrender bei Ecuador sind andere. Abwehrspieler Walter Ayovi und Mittelfeldmann Edison Mendez standen schon bei der WM 2002 im Kader. Antonio Valencia ist der Star Ecuadors, obwohl der Offensivspieler von Manchester United in der Qualifikation ohne Tor blieb. Treffsicherer war Felipe Caicedo, der sieben Mal erfolgreich war. Doch der Stürmer wechselte vor einem halben Jahr in die Vereinigten Arabischen Emirate. Bei Al-Jazira Club wird er sportlich kaum gefordert – eine gute Vorbereitung auf die WM sieht anders aus.

          Schön idyllisch: Das WM-Quartier von Ecuador in Viamao

          10 – Große Trauer um Benitez

          Fehlen wird Ecuador nicht nur auf dem Rasen Cristian Benitez. Der Stürmer traf in der Qualifikation in neun Spielen vier Mal. Doch kurz nach seinem Wechsel von Club America aus Mexiko zu Al-Jaish nach Qatar für zwölf Millionen Euro starb Benitez im Alter von nur 27 Jahren. Nach einer Blinddarm- und Bauchfellentzündung erlitt er einen Herzstillstand und konnte nicht wiederbelebt werden. Zu seinen Ehren will Ecuador die Rückennummer elf nicht mehr vergeben. Bei der WM wird das aber nicht möglich sein. Die Fifa fordert eine Nummerierung der Trikots von 1 bis 23.

          11 – Ersatz für Cristiano Ronaldo

          Einen Verlust hat auch Antonio Valencia – nicht verwandt mit Enner Valencia, der ebenfalls im Kader steht – hinter sich. Er wurde bei El Nacional in der Hauptstadt Quito von Dragan Miranovic besonders gefördert. Im Frühjahr 2012 verstarb der Trainer, Valencia widmete ihm ein Tor. Längst hatte der Mittelfeldspieler in Europa Karriere gemacht. Über Villarreal und Huelva in Spanien landete er bei Wigan in der Premier League und 2009 in Manchester, wo er Cristiano Ronaldo ersetzten sollte. Das gelang bei United nicht ganz, für Ecuador ist Valencia dennoch der Schlüsselspieler.

          Am Freitag in der WM11-Vorschau: Frankreich

          Alle Infos zur Ecuador auf einen Blick

          Spielplan bei der WM 2014:

          Sonntag, 15. Juni, 18.00 Uhr: Schweiz – Ecuador (in Brasilia)
          Samstag, 21. Juni, 00.00 Uhr: Ecuador – Honduras (in Curitiba)
          Mittwoch, 25. Juni, 22.00 Uhr: Ecuador – Frankreich (in Rio de Janeiro)

          Trainer: Reinaldo Rueda

          Plazierung in der Weltrangliste: 23.

          Bisheriges Abschneiden bei Weltmeisterschaften:

          2002: Vorrunde
          2006: Achtelfinale

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