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Müllers Stolperer : Ein Freistoßtrick für die Lehrbücher

Ein Stolperer mit Hintersinn: Die ganze Fußballwelt lacht über Thomas Müller. In Wahrheit war der Sturz beim Anlauf zum Freistoß dank des Muts zur Lächerlichkeit ein grandioser Trick. Die Deutschen folgen einem Trend bei den Standards.

          Deutschland und der Rest der Fußballwelt haben am Montagabend gelacht: Thomas Müller und die deutsche Nationalmannschaft schienen beim Achtelfinalsieg gegen Algerien den vermeintlich „schlechtesten Freistoßtrick der WM-Geschichte“ (so die englische Torjägerlegende Gary Lineker via Twitter)  aufgeführt zu haben. Müller, so die verbreitete Meinung, stolperte beim Anlauf zu einem Standard aus rund 20 Metern. In den sozialen Medien war die Häme groß, selbst vermeintliche Experten sprachen von einem gescheiterten Freistoßtrick.

          In Wahrheit ist die deutsche Mannschaft nur einem Trend gefolgt, der die Zukunft der Standardsituationen vermutlich bestimmen wird: Der klassische Freistoß aus Positionen zentral in Nähe des Strafraums, in denen eine klassische Freistoßflanke aufgrund mangelnder Entfernung zu möglichen Kopfballabnehmern nicht mehr möglich ist, erfordert mehr und mehr Kreativität. Denn der Direktschuss aufs Tor, das ist bei dieser Weltmeisterschaft bei erst zwei Freistoßtoren statistisch untermauert worden, ist mittlerweile eine nahezu aussichtslose Variante.

          In der Bundesliga versuchen dementsprechend immer mehr Vereine, mit Tricks die Statik von Standards aufzubrechen. Thomas Tuchel regte seine Spieler bei Mainz 05 beispielsweise dazu an, sich Standard-Varianten auszudenken. Eine Eckballvariante mit völlig unorthodoxem Einlaufen der Spieler schaute er sich gar von der U23 des Klubs ab, ehe seine Profis damit einen Siegtreffer erzielten. Andere Bundesligatrainer sind unkonventionellen Ideen gegenüber ebenfalls aufgeschlossen.

          Bei der WM fielen auch die Kolumbianer schon mit frechen Ideen auf: Im Achtelfinale gegen Uruguay überraschte Jungstar James, als er plötzlich mit dem Ball am Fuß von der Eckfahne aus in Richtung Tor sprintete. Der Schiedsrichter pfiff ab, weil er offensichtlich übersehen hatte, dass ein Mitspieler den Ball zuvor in einem Täuschungsmanöver unbemerkt von den uruguayischen Gegenspielern aus dem Eckballkreis befördert hatte. Der Trick war aber regelkonform.

          Bundestrainer Joachim Löw hat in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft nun ebenfalls in die Trickkiste gegriffen, um Ideen für Freistoßüberraschungen zu entwickeln: Er schickte seine Spieler in ihre Hütten im Campo Bahia und in Gruppenübungen sollten sie Freistoßvarianten entwickeln.

          Versuchte Ablenkung des Gegners

          Ein Ergebnis dieser eigenständigen Heimarbeit mit Kugelschreiber und Zettel war Müllers Freistoßtrick für die Lehrbücher: Löws Spieler haben sich also keineswegs so sehr verzettelt, dass sie ins Stolpern geraten sind. Vielmehr war die Idee gut und alles andere als strafbar.

          Durch Müllers Mut zur Lächerlichkeit sollte die algerische Defensive samt Torhüter abgelenkt werden und entsprechend Raum geben für Schweinsteigers anschließenden Lupfer über die Mauer, den der „auferstandene“ Müller dann verwerten sollte. Im ZDF-Interview bestätigte der vermeintlich Stolperkönig Müller nun auch die Absicht hinter dem Täuschungsmanöver. „Es hat fast funktioniert. Ich weiß nicht, ob wir das wieder machen werden. Aber ich fand es eine gute Variante, es war schon bewusst so“, sagte Müller. Allein der Lupfer sei etwas zu kurz geraten.

          Moralisch lassen sich solche Tricksereien natürlich infrage stellen: Gewissermaßen ist Müllers Sturz eine „Schwalbe“, mit der der Gegner um seine Konzentration betrogen werden soll. Entsprechend scheint eine nachträgliche Sanktionierung eines Freistoßtricks durch den Schiedsrichter denkbar, wenn der Unparteiische dies als unsportliche Handlung  wertet. Wir dürfen in jedem Fall gespannt sein, was die deutsche Mannschaft im Viertelfinale als Freistoßtrick bietet.

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