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Irans Frauen bei der WM : Ohne angeklebten Bart

Die Fifa erlaubte diese politischen Plakate auch in den WM-Stadien: „Lasst iranische Frauen in die Stadien.“ Bild: AP

Was daheim verboten, ist in Russland erlaubt: Das iranische Team wird während der WM auch von vielen Frauen unterstützt. Sie dürfen dabei sogar auf ihr Verlangen aufmerksam machen – und haben schon einiges erreicht.

          In den Gebäuden des Flughafens Scheremetjewo in Moskau dominieren in der Nacht von Montag auf Dienstag die Farben Grün, Weiß und Rot. Es sind die Farben Irans. Dessen Nationalmannschaft möchte an diesem Mittwoch in der Kasan-Arena nicht nur auf eine Nebenrolle reduziert werden beim WM-Spiel gegen die Fußball-Weltmacht Spanien (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und in der ARD).

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          In der Nacht davor ist der letzte Flug nach Kasan ausgebucht. Zwei Drittel aller Fluggäste sind Iraner oder gebürtige Iraner. Unter ihnen eine Reihe von Frauen, die sich demonstrativ in Schale geworfen haben und stolz das Trikot der iranischen Männer-Nationalmannschaft tragen. Noch stolzer werden diese Frauen an diesem Mittwoch sein, wenn sie das Spiel ihres Nationalteams an der Seite ihrer Männer besuchen. Dann gilt für sie kein Stadionverbot mehr wie daheim in der Islamischen Republik, wo die Mullahs das Sagen haben – und Frauen seit 1979 offiziell kein Fußballstadion betreten dürfen. Die alten Herren der islamischen Revolution begründen es damit, die Frauen so vor den manchmal derben Fangesängen der Männer schützen zu wollen. Damit stehen sie selbst in der islamischen Welt allein da, nachdem inzwischen sogar das ultrakonservative Saudi-Arabien Frauen den Stadionbesuch erlaubt.

          Fussball-WM 2018

          Da während einer Fußball-Weltmeisterschaft manchmal andere Gesetzmäßigkeiten gelten und selbst der in seiner Autorität oft angreifbare Internationale Fußball-Verband (Fifa) in diesem Fall klug handelte und den Protest der iranischen Aktivisten gegen den Frauenbann daheim in den russischen WM-Stadien erlaubt, waren zu Beginn des Turniers Banner mit Aufschriften, wie: „No Ban 4Women“ oder „Unterstützt iranische Frauen, Stadien besuchen zu dürfen“, im Stadion von Sankt Petersburg zu sehen, wo die Iraner ihr Eröffnungsspiel gegen Marokko 1:0 gewannen. An diesem Mittwoch in Kasan werden bis zu 15.000 iranische Fans in der Stadt und im Stadion sein, heißt es. Darunter viele Frauen, die endlich ihre Nationalmannschaft, die beste in Asien, sehen können. Eine Selbstverständlichkeit, die auch in ihrem Land längst mehrheitsfähig ist, wäre nicht der Klerus, angeführt vom allmächtigen Ajatollah Ali Chamenei, dagegen.

          Auch auf Irans Straßen feierten Frauen – trotz Verbot

          Umso befreiter feierten viele Frauen den innig bejubelten Einstandserfolg ihres Teams Melli, wie die Nationalelf heißt, am vergangenen Freitag auf den Straßen und Plätzen Teherans mit ihren Männern und Freunden. Sie tanzten und feierten ausgelassen ohne das sonst obligatorische Kopftuch. Beim Spiel gegen den Iran sollen die Frauen nun sogar die Erlaubnis erhalten, am offiziellen Public Viewing in den Stadien Azadi und Takhti in der Hauptstadt Teheran das Spiel auf einer großen Leinwand live zu verfolgen. Es wäre das erste Mal seit der islamischen Revolution 1979, dass sich Frauen legal im Asadi-Stadion aufhalten.

          In Iran müssen Frauen sonst zu Tricks greifen, wenn sie ein Fußballspiel live erleben wollen: Sie kleben sich dazu einen Bart an, bemalen sich das Gesicht in Vereinsfarben, setzen dicke Mützen auf oder verhüllen sich mit Fahnen.

          An diesem Mittwoch in Russland wird man streng verhüllte weibliche Fans aus Saudi-Arabien, dessen Team gegen Uruguay in Rostow am Don spielt, ebenso im Stadion sehen wie die freizügiger gekleideten Frauen aus Iran in Kasan. Eine Stadt, die für ihre Toleranz unter den Religionen gerühmt wird und dafür im Kasaner Kreml auch ein monumentales Zeugnis besitzt. Man darf gespannt sein, wie die unerhörten Nachrichten aus dem autokratisch regierten, während der Weltmeisterschaft aber erkennbar toleranten Russland in Teheran aufgenommen und verarbeitet werden.

          „Unterstützt iranische Frauen, um ins Stadion zu kommen“ fordert dieses Plakat. Wer genau hinschaut, sieht in Russland bereits einige Frauen in den Stadien – und das ganz ohne Tarnung, wie es in Iran notwendig ist.

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