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WM-Aus und Abschied : Die bitteren Tränen des Gigi Buffon

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Ein schmerzhafter Abschied: Gianluigi Buffon. Bild: AFP

Mit großen Emotionen verlässt Gianluigi Buffon Italiens Team nach der verpassten WM-Qualifikation. In seiner bittersten Stunde verhält sich die Torwart-Ikone vorbildlich – und hat in der Trauer nur einen kleinen Trost.

          Immer wieder reibt er sich die Augen, als könne er nicht glauben, was wenige Minuten zuvor passiert ist. Seine Stimme ist brüchig, er meidet den Blick in die Kamera und in die Augen des Reporters. „Wir sind gescheitert“, sagt ein untröstlicher Gianluigi Buffon, die Torwartlegende, diese Größe des italienischen Fußballs, am Montag nach der ersten gescheiterten WM-Qualifikation der stolzen Fußball-Nation seit 60 Jahren. Mit dem Absturz der Nazionale durch das Quali-Debakel ist für Buffon der Moment gekommen, um „Addio“ zu sagen – zumindest im blauen Trikot.

          Vor die Kameras tritt der 39-Jährige nach der Niederlage, wie ihn seine Fans lieben. Er ist der Sympath, dessen Tränen „aufrichtig und leidenschaftlich sind“, wie der „Corriere dello Sport“ schreibt. Er ist der Teamplayer, dem der Sport beigebracht hat, „wie man in der Gruppe verliert und in der Gruppe siegt, wie man Freude und Schmerz teilt“, wie Buffon sagt. Er ist einer, dem es schwerfällt loszulassen, weil die Zeiten mal so schön gewesen sind. „Ich verlasse mit Sicherheit eine Nationalmannschaft mit fitten Jungs, die von sich reden machen werden.“

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Als Buffon vor fast genau 20 Jahren in der Nationalmannschaft debütierte, waren einige seiner derzeitigen Mitspieler gerade erst geboren. Er war Nazionale-Torwart unter acht Trainern. Der frühere Coach Cesare Prandelli bezeichnete den Routinier als „Kapitän und Vorbild“, Buffon strahle Ruhe aus und wisse die Mannschaft zu motivieren. 2006 markierte der Weltmeistertitel durch den Final-Sieg gegen Frankreich im Elfmeterschießen von Berlin den Höhepunkt seiner Karriere.

          In mehr als über 1000 Pflichtspielen hat der Italiener so ziemlich alles mitgemacht – vor und nach dem Weltmeistertitel stellte „Gigi“ Titel und Rekorde auf, erlebte neben Höhen und aber auch Tiefen. Durch ungeschickte Wort- und Trikotnummerwahl schob sich Buffon in die Nähe rechtsextremer Sympathisanten. Ein anderer Skandal drehte sich um ein gekauftes Abizeugnis. Buffon machte eine Depression durch, verlor als Unternehmer Millionen.

          Seinen Reifeprozess während der zwei Jahrzehnte langen Profi-Karriere konnte die Öffentlichkeit live mitverfolgen, sah ihn als große Ikone in der Werbung und gebührte ihm Anerkennung, als er 2006 nach dem Zwangsabstieg von Juventus Turin als stolzer Nationaltorhüter in der Serie B Bälle hielt. Zuletzt fand Buffon immer wieder ein Wenn...-Szenario, um das Ende noch ein wenig aufzuschieben. Die verpasste Qualifikation für seine sechste Weltmeisterschaft folgte auf eine weitere schmerzhafte Pleite in diesem Jahr: Der knapp verfehlte Champions-League-Titel. Doch mit dem Ende in der Nationalmannschaft ist nicht ausgeschlossen, dass er es nicht noch einmal versuchen wird, sich mit Juventus Turin die Sehnsucht nach dem Henkelpott zu erfüllen.

          Seinen Stolz, seinen Ehrgeiz, aber auch seinen Anstand lebte Buffon den jungen Profis im Team vor – etwa als er am Montag mit lautem Klatschen pfeifende Fans während der schwedischen Nationalhymne ermahnte. „Ich hoffe, dass ich wenigstens als Vorbild etwas hinterlassen werde“, sagte Buffon danach. Real Madrids Trainer Zinedine Zidane bezeichnete „Super-Gigi“ zuletzt als „geborene Führungspersönlichkeit“. Vor den Playoffs war es seine Erfahrung, die ihn weder zu maßloser Begeisterung noch zu naivem Optimismus bewegte. „Je öfter du gewinnst, desto öfter machst du Fehler, desto mehr lernst du, desto reifer wirst du.“

          Dass er bis Montag aber immer noch unumstrittener Anführer der Azzurri war, dürfte für Buffon ein kleiner Trost inmitten all der Trauer sein. Und in seinem schmerzerfüllten Gesicht dürften sich viele Italiener wiedergefunden haben. „Tuttosport“ schrieb treffend: „Die Tränen des Capitano – die letzten in azurblau – sind die aller italienischen Fans.“

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