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Fußball-Kommentar : Iran muss barfuß zur WM

Trainer und Spieler mussten sich auf anderem Weg als normal mit Schuhen ausstatten. Bild: AP

Wegen der Sanktionen gegen Iran wird das WM-Team durch Nike nicht mehr mit Schuhen ausgerüstet. Der Schuldige ist ausgemacht. Er sitzt im Weißen Haus. Irans Hardliner jedenfalls können sich freuen.

          Die Brasilianer waren noch schneller, aber sonst – niemand. Als zweite der 31 Mannschaften, die in diesen Tagen nach Russland reisen, um von Donnerstag an die Fußball-Weltmeisterschaft auszuspielen, hatten sich die Iraner qualifiziert. Team Melli, die Nationalmannschaft, gleich nach Brasilien, das passte. Wer Fußball liebt in Iran, der hat Ansprüche, hohe Ansprüche: Japaner, Koreaner, Araber gar? Die Iraner sehen sich als die Stellvertreter Brasiliens in Asien und niemanden sonst. Noch im vergangenen Jahr schien sich die Realität erstmals wieder in Richtung Selbstverständnis zu verschieben. Ihr portugiesischer Trainer Carlos Queiroz hat aus einigen in Europa beschäftigten Spielern und jenen aus der heimischen Liga eine schlagkräftige Mannschaft zusammengestellt.

          Mittlerweile aber läuft die Vorbereitung für Queiroz gar nicht mehr rund. Zunächst mussten geplante Testspiele abgesagt werden, weil sich Gegner zurückzogen und logistische Probleme auftauchten; nicht gebuchte Flüge und Hotels zum Beispiel. Nicht schön, aber auch nicht ganz so tragisch, befand Queiroz. Immerhin bringt das mit sich, dass seine Mannschaft zwar alles über Marokko wisse, die Nordafrikaner, erster WM-Gegner, aber nichts über sein Team. Die Fans nahmen es hin, von ihrem als inkompetent verschrienen Verband erwarten sie nicht viel.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Nun aber kam es noch schlimmer: Team Melli ist gewissermaßen barfuß unterwegs, seit der amerikanische Sportartikler Nike vor einigen Tagen verkündete, die Mannschaft auf Grund der Sanktionen gegen Iran nicht mit Schuhen ausrüsten zu können. Etliche Spieler haben sich nun im Sportgeschäft versorgt, andere haben Vereinskollegen gebeten auszuhelfen, der iranische Verband hat sich an die Fifa gewandt, und iranische Fußballfans unterschreiben im Internet Petitionen, die zum Boykott gegen Nike aufrufen. Der Schuldige ist ausgemacht. Er sitzt im Weißen Haus. Schließlich hat Donald Trump eben erst das Nuklearabkommen gekündigt.

          Von Nike heißt es zwar, man sei seit Jahren den Sanktionen unterworfen, doch das macht die Sache für die Iraner nur noch unverständlicher: Noch bei der WM 2014, ebenjene Sanktionen waren in Kraft, der Atomdeal nicht abgeschlossen, gab es frische Ware von Nike. Allgemeine Vermutung: Bei Nike haben sie Angst, dass Trump in den WM-Wochen im Frühstücksfernsehen das Nike-Logo an den Füßen eines iranischen Kickers auffallen und ihn zur nächsten Twitter-Rage treiben könnten. Klingt lächerlich, aber so sind die Zeiten. Ganz und gar abwegig ist es jedenfalls nicht. Irans Hardliner können sich freuen: Ein fußfester Beweis, dass Trump mit den Sanktionen vor allem das Volk leiden lässt.

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