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Vor der Fußball-WM : Blues für Fifa-Boss Infantino

Gegenwind für den Fifa-Präsidenten: Gianni Infantino Bild: AFP

Präsident Gianni Infantino bekommt bei der Sitzung des Fifa-Rats vor der Fußball-Weltmeisterschaft Gegenwind für seine Schnellschüsse. Vor allem die Europäer stellen sich quer. Der Schweizer muss Geld liefern, um seine Versprechen zu halten.

          Der Präsident taucht ab. Nach der Abfuhr durch die Funktionärskollegen ist Gianni Infantino vorerst von der Bildfläche verschwunden. Unfreundliche Sicherheitsleute vor dem Hotel der Fußballbosse in Moskau schotten ab. Die PR-Strategen des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) lenken das Interesse der Öffentlichkeit erst einmal auf die Unterhaltungsstars Robbie Williams und Aida Garifullina, eine berühmte russische Sopranistin. Sie sollen zur WM-Eröffnungsfeier im Luschniki-Stadion am Donnerstag zusammen mit dem einstigen Stürmer-Helden Ronaldo aus Brasilien schwungvolle Stimmung verbreiten. Das Motto: Glanz und Glamour, es gibt nichts Besseres und Höheres als die Fifa-WM.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch der siegesgewisse Infantino bekommt Gegenwind. Der wolkenverhangene Himmel über dem kühlen Moskau dürfte zum Gemütszustand des Fifa-Chefs gepasst haben. Der Schweizer, der im nächsten Jahr wieder an die Spitze des Weltverbandes gewählt werden will, gerät mehr und mehr unter Zugzwang. Seine Macht, die er als Blatter-Nachfolger in kürzester Zeit und mit rücksichtsloser Härte auch gegen interne Kontrolleure an sich gerafft hat, könnte wieder bröckeln.

          Der Fifa-Rat, das höchste Gremium der Organisation mit 36 Mitgliedern aus allen Konföderationen der Kontinente, stellte sich am Sonntag quer. Keine Billigung erhielt in der Sitzung der vom Präsidenten unterstützte Plan der südamerikanischen Fußballkonföderation, die Qatarer offensiv mit einer Machbarkeitsstudie dazu zu bringen, dass schon zur nächsten Weltmeisterschaft 2022 in dem Mini-Emirat 48 statt 32 Mannschaften anreisen und nicht erst 2026. Das wären 80 WM-Spiele im November und Dezember 2022, in einem Land von der Größe Nordhessens. Jetzt soll nach der WM in Russland zuerst mit den Qatarern gesprochen werden, was sie sich vorstellen und ob eine so tiefgreifende Veränderung des WM-Formats im Nachhinein überhaupt rechtlich wasserfest ist.

          Intransparenter Umgang mit Angeboten

          Der Schnellschuss des unverändert dubios und eigenmächtig agierenden Infantino korrespondiert mit einer aufkommenden Idee, das aufgeblasene Megaturnier dann nicht nur im kleinen Qatar ausspielen zu wollen, sondern Nachbarländer wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate als Ausrichter einzubinden. Mit Blick auf die politische Blockade ebendieser Nachbarn am Persischen Golf gegen Qatar wäre dies ein brisanter bis sensationeller Vorstoß. Infantino könnte sich ausrechnen, dass er und die Fifa damit als Friedensbringer weltpolitischen Applaus erhaschen würden. Auch der über den Korruptionssumpf gefallene Altpräsident der Fifa, Joseph Blatter, sah sich einst in seiner Hybris als Empfänger des Friedensnobelpreises.

          Aber nicht nur das könnte Infantino bewegen. Auch andere von ihm vorangetriebene Deals fielen dann leichter. So hat er vor einigen Wochen ein ominöses Angebot auf den Tisch gebracht. Investoren seien bereit, für eine vergrößerte Klub-WM und einen zusätzlichen Nationalmannschaftswettbewerb, die Global Nations League, 25 Milliarden Dollar in ein gemeinsames Konsortium einzubringen. Wer die Financiers sind, sagte der Fifa-Chef nicht mal den Mitgliedern des Fifa-Rats. Auch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, selbst Mitglied im höchsten Gremium des Weltverbandes, kritisierte den intransparenten Umgang. Mit seriöser Governance hat das in jedem Fall nichts zu tun. Zwischenzeitlich kam heraus, dass hinter dem Angebot japanisches, chinesisches und saudisches Geld stecken soll.

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