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Deutschland im WM-Finale : Das siebte Fußball-Wunder

Sensationeller deutscher Erfolg: Kroos und Klose bejubeln den Sieg über Brasilien Bild: dpa

Den Deutschen gelingt mit dem 7:1 im WM-Halbfinale gegen Brasilien ein historisches Monumentalwerk. Schon nach der ersten Halbzeit führt die DFB-Elf 5:0. Am Sonntag wartet Holland oder Argentinien im WM-Endspiel.

          Es war surreal und es war historisch. Der Abend von Belo Horizonte wird in die deutsche WM-Geschichte eingehen wie kaum ein anderes Datum. Sicher, ein Finale war es noch nicht. Aber wer sich in einem Weltmeisterschafts-Halbfinale 7:1 gegen den Gastgeber und fünfmaligen Weltmeister durchsetzt, der kann sicher sein, auch jetzt schon Einmaliges vollbracht zu haben. Es war nur einige wenige Minuten lang das, was die Zuschauer hatten erwarten dürfen, als sie am Dienstagabend ins Mineirão gekommen waren.

          Schon nach 24 Minuten aber schauten sich die deutschen Auswechselspieler ungläubig und zugleich völlig aufgekratzt in ihrer Coaching-Zone an – 3:0 führte ihr Team da schon durch die Treffer von Thomas Müller (11. Minute), Miroslav Klose (23.) und Toni Kroos (24.). Im Grunde war zu diesem Zeitpunkt schon entschieden, welches Team als erstes in das große Finale im Maracanã von Rio de Janeiro am Sonntag einziehen würde.

          Aber weil die Deutschen schon einmal dabei waren, machten sie einfach weiter: 4:0 wieder Kroos, 26. Minute, 5:0 Sami Khedira, 29. Minute – eine halbe Stunde wie aus dem Fußball-Märchenbuch. Mit einem besonders fabelhaften Sechs-Minuten-Abschnitt, in dem gleich vier Tore fielen – und zwei späten Zugaben des eingewechselten André Schürrle (69. und 79.). Oscar traf für Brasilien in der 90. Minute. Die Art und Weise, wie die deutsche Mannschaft nach zwei verlorenen Finals ihr erstes WM-Endspiel seit 2002 erreicht hat, ist natürlich auch ein Triumph für Joachim Löw – es ist der wohl größte Moment in seinen acht Jahren als Bundestrainer.

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          Zum kollektiven Rausch, dem sich Löws Team von ganzem Herzen hingab, kamen einige individuelle Superlative: für Müller war es das fünfte Turniertor und schon der elfte WM-Treffer insgesamt in seiner noch gar nicht so langen Karriere. Klose setzte sich mit Tor Nummer 16 alleine vor Ronaldo an die Spitze der „ewigen“ WM-Torschützenliste.

          Dass Kroos an dem Tag, an dem sich sein Wechsel zu Real Madrid verdichtete, zwei Assists und zwei Tore beisteuerte, war ebenfalls eine Geschichte für sich; ohnehin war der Münchner, wenn man nach einem herausragenden Spieler in einem famosen deutschen Team suchte, ein guter Kandidat. Ein ganz besonders besonders glücklicher Abend dürfte es schließlich auch für Khedira gewesen sein – sieben Monate, nachdem ihm in einem Testspiel mit der Nationalmannschaft das Kreuzband gerissen war, war sein Tor der Moment, in dem er den Lohn für all die Schufterei ausgezahlt bekam.

          Man kann eigentlich kaum erklären, wie ein Spiel auf einer solchen Ebene einen solchen Verlauf nehmen kann. Natürlich, der verletzte Neymar und der gesperrte Kapitän Thiago Silva fehlten den Brasilianern – mehr wahrscheinlich, als sie das im Vorfeld selbst wahrhaben mochten. Aber das allein taugte noch nicht als Grund. Es war vielmehr grenzenlose taktische Naivität, die der Mannschaft von Luiz Felipe Scolari zum Verhängnis wurde. Verbunden natürlich mit einem furiosen Auftritt der Deutschen, die mit wirklich gnadenloser Kaltblütigkeit die Schwächen der Seleção offenlegten – und weidlich ausnutzten.

          Es bleibt ein großes Trauma für Brasilien

          Eigentlich waren die Brasilianer auch angetreten, die Schmach der Heim-WM von 1950 wettzumachen, als sie Uruguay den Titel überlassen mussten. Das Trauma, das diesmal zurückbleibt, dürfte kaum geringer sein. Man darf davon ausgehen, dass die Brasilianer am liebsten verschämt wegsehen würden, wenn am Sonntag Deutschland in ihrem Maracanã, in dem Brasilien bei dieser WM kein einziges Mal spielte, auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen Argentinien und Holland trifft.

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