http://www.faz.net/-gaq-9bnmb

0:2 gegen Südkorea : Der deutsche Untergang

Das war’s: Manuel Neuer kann dem Ball beim 0:1 nur hinterherschauen. Bild: dpa

Dem Wunder gegen Schweden folgt beim 0:2 gegen Südkorea der Absturz in die Realität: Der Weltmeister dankt ab, weil ihm die Klasse abhanden gekommen ist. Erstmals scheitert Deutschland in der Vorrunde.

          Dass es ein Abend war, an dem etwas zu Ende ging, war überall zu spüren. Nur passierte es in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, in unterschiedlichen Zeitzonen, konnte man fast sagen. Die deutschen Spieler hatten ihre Kabine noch nicht einmal verlassen, da liefen in der Heimat schon die Votings heiß: Weiter mit Joachim Löw? Ja? Nein? Es waren schnelle Antworten gefordert am Mittwochabend. Auch in Kasan natürlich, wo der Bundestrainer in der Pressekonferenz saß, schwitzend, angeschlagen, aber trotz allem einigermaßen gefasst nach dem 0:2 gegen Südkorea, das das Aus für den Weltmeister in Russland bedeutete. Auf einen Schnellschuss in dieser, seiner Sache wollte Löw sich nicht einlassen. Er müsse das Ganze jetzt „erst einmal ein paar Stunden sacken lassen“, sagte er. Dieses Desaster für den deutschen Fußball, für sein Team – und für ihn selbst.

          Fussball-WM 2018

          Ausgeschieden nach nur drei Spielen, als Gruppenletzter, blamiert trotz einer erkennbaren Reaktion von Trainer und Team auf die Auftaktniederlage gegen Mexiko. Weil gegen Südkorea ein jäher Rückfall in alte Muster folgte, stand unter dem Strich in Russland das große Scheitern. Dass es anderen Weltmeistern vor ihnen auch schon passiert ist, zuletzt den Spaniern vor vier Jahren und den Italienern vor acht, macht die Blamage für die Deutschen kein bisschen geringer. Sie waren dieses Turnier mit weltmeisterlicher Attitüde angegangen, Löw sprach von einer „gewissen Selbstherrlichkeit“ vor dem Mexiko-Spiel, dem „Glauben wir können auf Knopfdruck reagieren“. Diesen Glauben hatte er selbst vermittelt nach der schwachen Vorbereitung mit dem Testspielen gegen Österreich und Saudi-Arabien. Aber in Russland zeigte seine Mannschaft sich nicht in der Lage, das auch mit Taten zu unterfüttern. Zuletzt, gegen Südkorea, zeigten die Dominanz ohne Inspiration, Gleichmaß ohne Schärfe – das 0:2 war ein Tiefschlag, wie er im Buche steht.

          Löw sprach davon, dass seine Mannschaft es „nicht verdient“ gehabt habe. Er bezog das zuerst auf den angestrebten WM-Titel, das klang in diesem Moment etwas merkwürdig, dann aber auch auf das Erreichen des Achtelfinales. So machten Löws Worte noch einmal etwas anderes deutlich: die ungeheure Lücke, die auch in seiner Gedankenwelt noch klaffte. Zwischen dem Anspruch einerseits und der knallharten Realität, in der die Deutschen in Russland gelandet sind. Wie diese Lücke zu schließen ist, wie dieses Debakel aufgearbeitet werden soll, das ist eine Frage über den Tag hinaus. Aber auch am Mittwochabend waren schon messerscharfe Analysen zu hören – die aus Sicht der Deutschen wehtaten, weil sie tief ins eigene Fleisch gingen (siehe auch Text auf der nächsten Seite).

          Manuel Neuer, der Kapitän, der als erster aus der Kabine kam, ließ an Deutlichkeit nicht das Geringste zu wünschen übrig. „Wir Spieler haben das zu verantworten“, sagte er, „in keinem der Spiele hat man gesehen, dass wirklich eine deutsche Mannschaft auf dem Platz stand, vor der man Angst hat, vor der man Respekt hat. Selbst wenn wir weitergekommen wären, hätte jeder, glaube ich, gerne gegen uns gespielt. Wie sollen wir einem Gegner gefährlich werden, wenn wir so eine Leistung abrufen? Wir standen schon auf dem Platz, aber man hat nicht gemerkt, dass wir hier eine Weltmeisterschaft spielen.“ Jeder Satz eine Wahrheit, jeder Satz ein Stich. „Wir haben es verbockt, und wir haben es gemeinsam verbockt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brinkhaus schlägt Kauder : Bis es zu spät war

          Angela Merkel hätte Volker Kauder zum Abtreten bewegen können. Sie tat es nicht. Nun folgen die Abgeordneten ihr nicht mehr. Warum hielt sie an Kauder fest?

          Trump vor UN-Vollversammlung : Der Souverän bin ich

          Donald Trump kehrt nach einem Jahr zurück zu den UN. In New York wendet sich der innenpolitisch angeschlagene Präsident mit einer nationalistischen Botschaft an die Welt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.