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Spanische Nationalmannschaft : Hierro übernimmt nach Lopeteguis Suspendierung

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Aus der erst kürzlich verkündeten Zusammenarbeit bis 2020 wird nun nichts mehr: wird nichts mehr: Fernando Hierro (rechts) beerbt Julen Lopetegui (Mitte), den Verbandspräsident Luis Rubiales am Vormittag entlassen hatte Bild: EPA

Paukenschlag beim Mitfavoriten! Zwei Tage vor dem ersten WM-Spiel gegen Portugal trennt sich Spanien von Trainer Julen Lopetegui. Zuvor sorgte sein Wechsel zu Real Madrid für Aufregung. Die Real-Legende Fernando Hierro wird nun das spanische Team durch die WM führen.

          Zwei Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft geben die Bayern bekannt, dass Joachim Löw ihr neuer Bundesligatrainer wird! Unvorstellbar? In Spanien nicht. Genau das ist dort geschehen. Am Dienstag versetzte Real Madrid dem spanischen Fußballverband einen Schock, als der Klub ihm telefonisch übermittelte, dass in fünf Minuten die Verpflichtung von Nationaltrainer Julen Lopetegui zur neuen Saison bekannt gegeben werde. Jener Julen Lopetegui, der in den vergangenen ungeschlagenen zwei Jahren der „Furia Roja“ mit 14 Siegen und sechs Unentschieden wieder ihren Stolz zurück gegeben hat. Die Mission WM-Titel schien nach einer längeren Schwächephase des Weltmeisters von 2010 und Europameisters von 2012 wieder eine realistische.

          Die Chance, Weltmeister zu werden, ist für den spanischen Verbandsvorsitzenden Luis Rubiales jedoch nicht alles. 20 Stunden später verkündete er am Mittwoch im Trainingscamp in Krasnodar, dass er Lopetegui von all seinen Funktionen im Verband entbunden habe. „Es ist nicht die beste Lösung, aber man darf mir nicht in den Rücken fallen. Nach allem, was passiert ist, konnten wir nicht anders handeln.“ Dann fügte er hinzu: „Wir danken Julen für alles, was er getan hat, er ist einer jener großartigen Menschen, die uns nach Russland gebracht haben.“ Nur könne er „nicht ignorieren“, dass die Gespräche über den Wechsel und am Ende auch dessen Bekanntgabe am Verband vorbei geführt wurden.

          Der Präsident des Fußballverbandes hatte noch am Dienstag das Gegenteil behauptet – unmittelbar, nachdem Lopeteguis Wechsels öffentlich wurde. Zu diesem Zeitpunkt wollte Rubiales den Nationaltrainer noch schützen. Im Laufe des Dienstagabends änderte Rubiales seine Meinung und kündigte für Mittwoch eine Pressekonferenz an.

          Die wurde allerdings um über eine Stunde verschoben. Wie spanische Medien berichten, sollen die Führungsspieler Sergio Ramos, David Silva und Iniesta in dieser Zeit versucht haben, ihren Verbandschef davon zu überzeugen, dass Spanien nur mit Lopetegui Weltmeister werden könne. Rubiales blieb aber hart. Er sagte: „Die Furia Roja ist die Mannschaft aller Spanier. Und dann kann man so etwas nicht zwei oder drei Tage vor der WM machen. Wir mussten einfach diese Entscheidung treffen.“ Für die spanischen Medien löste diese Entscheidung ein „Erdbeben“ aus. Immerhin bekam Rubiales auch Lob. „Er hat sehr gut reagiert“, sagte der ehemalige Spielmacher Xavi. Rubiales habe „zu Recht die Interessen des Verbandes verteidigt, der wichtiger als alle Personen“ sei.

          Aus und vorbei: Spanien-Trainer Julen Lopetegui muss kurz vor der WM gehen.

          Lopetegui hatte erst im Mai seinen Vertrag mit dem spanischen Verband bis 2020 verlängert, darin jedoch eine Ausstiegsklausel festgehalten, die Real Madrid zog. Durch die vorzeitige Entlassung entgehen dem Verband zwei Millionen Euro Ablöse. „Das ist aber jetzt nicht das Thema,“ sagte Rubiales, der eine schnelle Lösung präsentierte. Neuer Trainer wird Fernando Hierro. Der 50 Jahre alte Andalusier ist eine Legende im spanischen Fußball und seit November Sportdirektor beim Verband. Er war jahrelang Innenverteidiger bei Real Madrid und steht mit 29 Treffern an vierter Stelle der erfolgreichsten Torschützen der Nationalelf. Insgesamt bestritt er 89 Länderspiele und nahm an vier WM-Endrunden teil. Von 2007 bis 2011 war Hierro schon einmal als Sportdirektor des „Königlichen Spanischen Fußballverbands“ tätig. Damals wurden die Spanier Europa- und Weltmeister. Als Trainer hat Hierro hingegen kaum Erfahrung. Bei Real Madrid war er Ko-Trainer von Carlo Ancelotti, mit dem Zweitligaklub Real Oviedo schloss er die Saison 2016/2017 auf dem achten Platz ab.

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