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Lionel Messi : Der kleine Diktator

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Der Kapitän mit der zehn: kein Anderer soll neben Messi blühen Bild: AFP

Fußballstar Lionel Messi wirkt so bescheiden, doch er ist ein gnadenloser Machtmensch. Er nutzt seine Ausnahmestellung beim FC Barcelona - und nun auch in Argentiniens Nationalteam.

          Das jüngste Opfer schwingt derzeit demonstrativ vergnügt den Golfschläger: Bei den „Fuerte Apache Open“ ist Carlos Tevez unter Freunden. Die hat er in der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft schon lange nicht mehr, und deshalb ist „Carlitos“ bei der WM in Brasilien außen vor statt mittendrin. Dass der charismatische Offensivspieler bei Nationaltrainer Alejandro Sabella in Ungnade gefallen ist, hat einen Grund: Und der heißt Lionel Messi. Der Superstar des FC Barcelona kam mit der „Aura“ des ebenso umstrittenen wie bei den Fans beliebten Kickers von Juventus Turin nicht zurecht, heißt es in Argentinien. Also reagierte Sabella und entfernte den Störenfried aus dem Blickfeld des viermaligen Weltfußballers. Seitdem Messi frei atmen kann und niemand mehr da ist, der ihn bei seinen Gastspielen im Dress der „Albiceleste“ mit seiner Anwesenheit stört, spielt der Kicker aus Rosario frei auf. Endlich glänzt Messi auch im argentinischen Nationaltrikot, das jahrelang wie eine Bleiweste auf seinen schmächtigen Schultern zu liegen schien.

          Lionel Messi und die „Selección“ - das war bis zur WM keine Erfolgsgeschichte in seiner ansonsten an Titeln und Auszeichnungen doch so reichen Karriere. Es hat sogar eine Zeit gegeben, da forderten die Kommentatoren des argentinischen Fernsehens tatsächlich, man solle es doch mal ohne Messi versuchen. Ohne Messi! Das war nach der Copa América 2011, bei der Argentinien im eigenen Land trotz Bestbesetzung im Viertelfinale in Uruguay scheiterte. Anschließend stellte Messi intern dem neuen Trainer Sabella die Systemfrage, die sich verkürzt auf diesen Nenner bringen ließ: Er oder ich. Sabella entschied sich für Messi und gegen Tevez, und nun will man die Früchte dieser Personalentscheidung ernten. So ist zumindest der Plan.

          Bei der WM in Brasilien spielt die Auswahl des zweimaligen Weltmeisters so, wie es Messi will und nicht der Trainer, der ob dieser Schwäche auch mal einen demütigenden Wasserspritzer von Ezequiel Lavezzi ertragen muss. „Messi ist so groß, dass er immer überraschen kann“, sagt Sabella vor der Weltpresse. Über den Rest der Mannschaft spricht Sabella weniger begeistert. Bislang ging der Tanz auf dem Drahtseil gut: Messi funktioniert, er erzielte vier Treffer und sicherte so seiner Mannschaft und dem Trainer die Qualifikation für das Achtelfinale, wo nun am Dienstag Außenseiter Schweiz wartet.

          Wenn er mal in Fahrt kommt, ist Lionel Messi kaum einzufangen

          Johan Cruyff hat seine eigene Meinung vom viermaligen Weltfußballer: Messi verkaufen, schimpfte der Holländer lauthals, als bekannt wurde, dass Brasiliens Jungstar Neymar nach Barcelona wechseln würde. Der Holländer, so etwas wie das Gewissen der Katalanen, listete einmal die Opfer auf, die Messi während seiner Zeit beim FC Barcelona forderte: Bojan Krkic, Samuel Eto’o, Zlatan Ibrahimovic und David Villa. Jede Geschichte ist individuell, und doch haben sie alle den gleichen Ausgang: Neben Lionel Messi ist kein Platz für eine zweite, charismatische Figur im Angriffsspiel des FC Barcelona. „Es kommt drauf an, wie man das sehen will, ich komme zu dem Schluss, dass er ein Diktator ist“, lautete das wenig schmeichelhafte Urteil des Holländers. Seine Lösung: Entweder nur Messi oder weg mit Messi. Neben ihm kann es keinen anderen geben. Cruyffs Prophezeiung sollte sich erfüllen. Die Verpflichtung des brasilianischen Jungstars befreite das ganz langsam in einen Abwärtsstrudel abgleitende Barça ebenso wenig aus der Negativspirale wie die Entscheidung für den argentinischen Trainer Gerardo „Tata“ Martino, den die Klubführung Messi zu Liebe verpflichtete und der am Ende dieser Saison entgeistert feststellte: „Ich bin überfordert.“

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