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Kroatien besiegt England : Der sensationellste Finalist der WM-Geschichte

Unglaublich, aber wahr! Kroatien steht im WM-Endspiel. Bild: Reuters

Englands Traum vom ersten WM-Endspiel seit 52 Jahren endet jäh. Die Kroaten liefern eine der größten Willensleistungen und stehen im Endspiel gegen Frankreich. Die Entscheidung fällt erst in der Verlängerung.

          England träumte vom ersten Finale seit 52 Jahren. Doch am Ende war es Kroatien, das den Traum beendete und eine der größten Willensleistungen der WM-Geschichte vollendete. Nach den zwei Siegen über Dänemark und Russland nach Verlängerung und Elfmeterschießen gingen die Kroaten auch am Mittwoch im Moskauer Luschniki-Stadion über die volle Distanz und gewannen nach Verlängerung 2:1 gegen England. Sie treffen am Sonntag im Finale an derselben Stätte auf Frankreich.

          Fussball-WM 2018
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Unser Traum geht weiter“, sagte der ehemalige Bundesliga-Profi und Kroatiens Ko-Trainer Ivica Olic. „Wir haben noch einen Schritt, dass unser Traum zum Ende kommt.“ Englands Top-Torschütze Harry Kane indes konnte seine Enttäuschung nicht verbergen: „Das tut verdammt weh. Wir haben uns so reingehängt, wir haben so hart gearbeitet.“ Trainer Gareth Southgate fügte hinzu: „Es war sehr schwer, irgendetwas zu sagen, dass sich die Spieler besser gefühlt hätten.“

          Auch im dritten K.o.-Spiel waren die Kroaten früh in Rückstand geraten, durch einen Freistoß von Kieran Trippier (5. Minute), ehe Ivan Perisic nach 68 Minuten ausglich und Mario Mandzukic in der 108. Minute den Siegtreffer erzielte. Kroatien ist nach Uruguay, dem Weltmeister von 1930 und 1950, mit rund vier Millionen Einwohnern das kleinste Land, das je ein WM-Endspiel erreicht hat. Doch auch für die Engländer ist diese WM, bei aller Enttäuschung am Mittwoch, ein Erfolg. „Unsere Fans haben lange gelitten mit Blick auf den Fußball“, hatte Southgate schon vor dem Spiel erklärt. Den Nullpunkt seiner mehr als hundertfünfzigjährigen Fußballgeschichte hatte das Mutterland des Spiels vor zwei Jahren mit dem EM-Aus gegen Island erlebt. Nur zwei Jahre später steht England, komplett verjüngt und modernisiert unter dem seit September 2016 tätigen Southgate, unter den besten Teams der Welt.

          Ausgerechnet der kroatische Regisseur Luka Modric, einer der herausragenden Spieler des Turniers, hatte seinem Team den denkbar schlechtesten Start beschert. Bereits beim ersten englischen Angriff kam er im Rückwärtslaufen einen Schritt zu spät und foulte Dele Alli, was den Engländern einen Freistoß in zentraler Position knapp vor dem Strafraum brachte. Trippier trat den Ball perfekt über die Mauer ins obere rechte Toreck – mit genug Drall, so dass der Ball über die Köpfe der hochspringenden Verteidiger, aber nicht über die Latte fliegen konnte, und zugleich mit genug Schärfe.

          Torwart Danijel Subasic hatte keine Chance, ihn zu erreichen. Ausgelassen feierten die Engländer ihr bereits zwölftes Turniertor, neun davon nach ruhenden Bällen erzielt, ihre größte Stärke bei der WM, und wurden von ihrem erstmals großen Anhang bejubelt. Noch beim Achtelfinalerfolg im Elfmeterschießen gegen Kolumbien hatten sich weniger als tausend englische Zuschauer einen großen lateinamerikanischen Übermacht auf den Rängen gegenübergesehen – eine Folge der abgekühlten britisch-russischen Beziehungen, die viele Engländer von einem WM-Trip abgehalten hatte.

          Nach dem Sieg gegen Schweden aber hat eine wahre Invasion von der Insel eingesetzt, so dass Zehntausende singende Landsleute auf den Rängen des Luschniki-Stadions den Engländern die absolute Stimmungshoheit in Moskau verschafften. Die russischen Zuschauer wiederum konzentrierten sich darauf, den Kroaten Domagoj Vida auszubuhen, der sich zuvor mit einem ukrainefreundlichen Video aus der Kabine nach dem Sieg gegen Russland unbeliebt und eine Verwarnung der Fifa eingehandelt hatte.

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