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WM-Kommentar : Die Welt zu Gast beim Betrüger

Doping-Skandal? Witalij Mutko (links) und Gianni Infantino freuen sich auf die Fußball-WM ... Bild: dpa

Strich drunter, nach vorn schauen, alles andere ist schlecht für das Geschäft, da sind sich IOC und Fifa einig. Ein Betrüger im großen Stil lädt die Welt zum Spiel ein. Der Fußball bleibt sich treu. Ganz entspannt.

          Gianni Infantino war vergangene Woche schon „ganz entspannt“. Das war noch vor der Auslosung der Fußball-Weltmeisterschaft im Kremlpalast. Die Untersuchung des russischen Doping-Betrugs? Ließ den Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa) kalt, noch bevor das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine Strafen aussprach. Und jetzt? Keine Auswirkung habe die Entscheidung des IOC, lässt die Fifa wissen. Chef des Aufsichtsrats des Organisationskomitees bleibt Witalij Mutko, der stellvertretende Ministerpräsident Russlands. Mutko, gerade auf Lebenszeit von Olympischen Spielen ausgeschlossen.

          Verantwortlich gemacht für den planmäßigen Betrug in Sotschi 2014, vom IOC wegen seiner administrativen Rolle als jahrelanger Sportminister in Wladimir Putins Kabinett. Er ist von den Kronzeugen Gregorij Rodtschenkow und Witalij Stepanow glaubhaft und detailliert als Drahtzieher der russischen Urin-Panscherei beschrieben worden, als Minister, der durchregierte, seine Handlanger anrief, wenn er den Schutz einzelner Sportler verlangte, tobte, wenn er seinen Willen nicht bekam. Dieses System, so stellen sie es dar, bot gedopten Sportlern Schutz zu jeder Jahreszeit, jahrelang. Ein Terabyte Daten liegt der Welt-Anti-Doping-Agent (Wada) vor, von Abertausenden Sportlern ist die Rede. Wer den russischen Betrug wirklich aufklären will, muss die Daten vom ersten bis zum letzten Byte durchforsten.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Die Fifa aber kommt mit ihrer noch immer laufenden Untersuchung verdächtiger Proben russischer Fußballspieler schon nicht voran. Das IOC habe auch lange gebraucht, heißt es zur Entschuldigung. Zudem hat Mutko keine Ämter bei der Fifa mehr. Er bleibt Präsident des Russischen Fußballverbandes und leugnet weiter vehement, dass ein staatlich unterstütztes Doping-Programm in Russland existierte. Schon deshalb wäre es wichtig gewesen, dass IOC-Präsident Bach das Eingeständnis des systematischen, staatlich unterstützten Betrugs verlangt, so wie es Wada und der Internationale Leichtathletikverband tun. Bach begnügt sich mit der Feststellung, dass NOK-Chef Schukow gegenüber den IOC-Vorständen um Entschuldigung gebeten hatte. Wie? Wofür? Vertraulich. Keine Auskunft.

          Der Bericht der „Schmid-Kommission“ sekundiert der Fifa zudem. Niemand könne mit Gewissheit sagen, ob die Ansage eines Ministeriumsmitarbeiters, man solle im Fall eines gedopten Sportlers mit „WL“ Rücksprache halten, sich wirklich auf Witalij Leontjewitsch Mutko beziehe. Anstrengungen zur Lösung des vermeintlichen Rätsels, wer denn sonst in Frage komme, werden nicht unternommen. Ansonsten gilt die Devise: Strich drunter, nach vorn schauen, alles andere ist schlecht für das Geschäft, da sind sich IOC und Fifa einig. Mutko bleibt vorerst WM-Organisator. Ein Betrüger im großen Stil lädt die Welt zum Spiel ein. Der Fußball bleibt sich treu. Ganz entspannt.

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