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Fußball-Nationalmannschaft : Die Bayern machen Löw keine Sorgen

Ganz schön nass hier: Joachim Löw beim Training in Belfast. Bild: dpa

Der Bundestrainer braucht für seine deutsche Nationalelf ein starkes Gerüst. Daher hat der zukünftige Bayern-Coach mit Blick auf die WM 2018 noch einen heimlichen Nebenjob.

          Und übrigens: Keine Fragen zu den Bayern. Das Spielfeld war abgesteckt, noch bevor Jerome Boateng am Dienstag über den Trainingsplatz am Frankfurter Stadion herüberspaziert kam, zu einer informellen Gesprächsrunde. Ein Mitarbeiter der Medienabteilung des Deutschen Fußball-Bundes hatte die kleine, aber nicht unwesentliche Direktive ausgegeben. Und so plauderte Jerome Boateng über dieses über jenes, über sein Befinden nach monatelanger Verletzungspause, über das WM-Qualifikationsspiel an diesem Donnerstag gegen Nordirland, und auch über das „sehr freundschaftliche, familiäre“ Klima bei der Nationalmannschaft. Als dann ein Reporter, der die hoheitliche Dienstanweisung nicht mitbekommen hatte, wissen wollte, wie er, Boateng, sich denn gefühlt habe auf der Tribüne beim 0:3 der Bayern in Paris, verstummte Boateng, ein Mitarbeiter der Medienabteilung schritt ein – Themawechsel, bitte.

          Die Botschaft war ja auch so angekommen. Nationalmannschaft ist Nationalmannschaft und Verein ist Verein. Passend dazu hatte Oliver Bierhoff – gerade gemeinsam mit den Bayern aus München angereist – bemerkt, dass es „manchmal schön“ sei, „aus dem Trott des Vereinslebens rauszukommen, wo es nicht immer leicht ist für viele Spieler“. Bierhoff berichtete auch, dass die Bayern-Spieler „entspannt“ seien und mit „einem anderen Geist“ zum Nationalteam kämen. Aber natürlich stellte sich umgekehrt die Frage, ob eine Woche wie diese spurlos an der Nationalmannschaft vorübergegangen sein konnte. Eine Woche, in der zum einen der führende Klub des Landes erst von den neureichen Parisern gedemütigt wurde, dann sein gescheitertes Trainermodell mit einem Krachen über den Haufen warf und schließlich sogar fürs Erste auch den nationalen Führungsanspruch aufgab. Und in der, zum anderen, der deutsche Fußball insgesamt eine niederschmetternde Nullrunde mit sechs Pleiten in sechs europäischen Spielen hingelegt hatte.

          Am Mittwoch bei der Pressekonferenz in Belfast mit Mats Hummels und Joachim Löw herrschte diesbezüglich freies Spiel – man könnte sogar sagen: ein bemerkenswert offenes Wort. Um die Bayern, sagte der Bundestrainer zur Einleitung, mache er sich keine Sorgen. Die erlebten so eine Situation „nicht das allererste Mal“ und wüssten schon damit umzugehen. Was den deutschen Vereinsfußball insgesamt angeht, klang das allerdings schon ganz anders. Da nahm Löw mit Verve die Position des Mahners ein. Er wurde geradezu sarkastisch, als er sagte, dass man, „wenn man ein bisschen zurückgeht in diesem Jahrhundert“, ja nicht auf allzu viele internationale Titel stoßen würde. Wer immer behauptet habe, die Bundesliga sei die beste der Welt, „sollte sich ein bisschen hinterfragen“. Löw nannte die deutsche Pleitenwoche „ein wenig alarmierend“ und fügte hinzu, dass er sich bereits seit längerem Gedanken darüber mache – auch, weil er sehe, wie in anderen Nationen, Löw nannte Frankreich, Spanien und England, „überragende junge Spieler“ zu sehen seien.

          Es war unverkennbar, dass Löw den Elitegedanken, wie er ihn bei der Nationalmannschaft propagiert und pflegt, in der Bundesliga derzeit nicht zu seiner Zufriedenheit wiederfindet. Das konnte man kritische Distanz nennen – oder auch einen Warnschuss wider deutsche Selbstgefälligkeit. Den man nicht nur bei den Vereinen, sondern auch in der Zentrale der Deutschen Fußball-Liga vernommen haben wird. Ganz ähnlich klang es bei Hummels, der sagte, dass „die Nationalmannschaft definitiv auf Weltniveau agiert“ – bei den Vereinen sei das so nicht der Fall, er sprach von „Einzelfällen“. Ob er seine Bayern in derzeitiger Verfassung dazuzählt, konnte man nur vermuten.

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