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WM-Qualifikation : „Italien versinkt im totalen Chaos“

  • Aktualisiert am

Italien muss auf dem Weg zur WM erst die Play-offs überstehen. Bild: MARCO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

0:3 in Spanien, 1:1 gegen Mazedonien: Italien bangt um die Teilnahme an der WM 2018. Die Torwart-Legende Buffon ist besorgt, der Trainer alarmiert – und die Presse gerät in Panik.

          Die Torwart-Legende ist besorgt, der Nationaltrainer alarmiert, und die Presse bereits in Panik: Nach dem mageren 1:1 (1:0) gegen Mazedonien müssen die Italiener auf dem Weg zur Fußball-WM 2018 in Russland den Umweg über die Play-offs nehmen. Und selbst die sind vor dem Spiel am Montag (20.45 Uhr / Live bei DAZN) gegen Albanien noch nicht endgültig sicher. „Wir dachten, auf einem höheren Niveau zu sein“, sagte Keeper Gianluigi Buffon konsterniert. Die 0:3-Niederlage bei den mittlerweile qualifizierten Spaniern Anfang September habe die Sicherheit geraubt, daher forderte Buffon nach seinem 172. Länderspiel: „Jetzt müssen wir uns mit Stolz aus dieser Lage aufraffen. Wir brauchen eine psychologische Wende.“

          Trainer Gian Piero Ventura meinte: „Das ist die negativste Phase, seitdem ich dieses Amt übernommen habe.“ Nach der EM 2016 hatte Ventura Antonio Conte abgelöst und mit der Squadra Azzurra in der Qualifikation Spanien lange Gegenwehr geboten. Die Aufbruchstimmung ist längst verpufft. „Die Azzurri versinken im totalen Chaos“, schrieb die Gazzetta dello Sport. Zuletzt hatten die Italiener vor 20 Jahren auf dem Weg zur WM in Frankreich die direkte Qualifikation verpasst.

          „Jetzt braucht man ein anderes Italien. Die Leistung sind deutlich unter den Erwartungen. Die Nationalmannschaft hat einen großen Schritt zurück gemacht. So geht es einfach nicht“, kommentierte Corriere dello Sport. Zwar müsste schon einiges schief laufen, damit Italien die Play-offs verpasst, doch in den Spielen am 9. und 14. November muss sich der viermalige Weltmeister deutlich steigern.

          Die Chance auf ihre erste WM-Teilnahme lässt dagegen Islands Fußballer träumen. „Es gibt nur noch ein Spiel, natürlich denkt man jetzt sofort an die Weltmeisterschaft“, sagte Stürmer Jón Dadi Bödvarsson nach dem überraschend deutlichen 3:0 (2:0) in der Türkei. Im vergangenen Jahr mischten die Nordeuropäer schon die EM auf und stürmten sensationell bis ins Viertelfinale. Tausende Fans hatten mit ihren eingängigen „Huh“-Rufen und Choreografien in den Stadien in Frankreich für Gänsehautmomente gesorgt – das könnte 2018 in Russland wieder passieren.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Die Isländer führen die Gruppe I vor dem abschließenden Spiel gegen Außenseiter Kosovo am Montag im heimischen Reykjavik an. Die WM-Qualifikation scheint für das Team von Trainer Heimir Hallgrímsson angesichts dieser Ausgangslage nur noch Formsache. Der Kosovo konnte bislang noch keines seiner neun Spiele gewinnen, hat gerade einen Punkt auf dem Konto. Island hat schon deren 19, liegt nach überzeugenden Vorstellungen zwei Zähler vor Kroatien und der Ukraine. „Das ist alles sehr aufregend. Es ist wichtig, dass wir uns jetzt möglichst gut erholen“, sagte Bödvarsson.

          Noch in der Nacht zu Samstag flogen die Isländer aus dem türkischen Eskisehir zurück auf ihre Vulkaninsel im Atlantik. Dort hatten Zehntausende Fans während der Euro im Sommer 2016 die Auftritte ihrer Helden vor riesigen Leinwänden gefeiert. Bei der Rückkehr des Teams nach dem Viertelfinal-Aus gegen Gastgeber Frankreich (2:5) hatte es eine riesige Party gegeben. Ähnliche Bilder dürfte es auch am Montag geben, sollte das Ticket nach Russland tatsächlich gelöst werden. „Alles hängt jetzt vom letzten Spiel ab. Wir glauben daran“, sagte Mittelfeldspieler Kári Arnason.

          Die Liste der Gratulanten war lang – angeführt wurde sie von Islands Präsident Gudni Johannesson. „Ein großartiger Sieg für unsere Jungs. Noch ist nichts entschieden, aber wir haben unser Schicksal in den eigenen Händen“, schrieb Johannesson bei Facebook. Die Tageszeitung „Morgunbladid“ sah gegen die Türkei „eines von Islands besten Spielen überhaupt“, für „Fréttabladid“ sei die Mannschaft nach den Treffern von Johann Gudmundsson (32. Minute), Birkir Bjarnason (39.) und Kari Arnason (49.) „ganz nah dran“ an der WM. Während die große Türkei (79,5 Millionen Einwohner) bei der Endrunde erneut fehlen wird, steht das kleine Island (ca. 334.000 Einwohner) kurz vor der nächsten Überraschung. Der bislang größte Erfolg war der spektakuläre Sieg im EM-Achtelfinale gegen England (2:1).

          Im Mutterland des Fußballs verdient der Großteil der isländischen Profis sein Geld, Offensivmann Gylfi Sigurdsson vom FC Everton ist mit einem Marktwert von geschätzten 25 Millionen Euro der bekannteste Spieler. In der Türkei stand auch Alfred Finnbogason vom FC Augsburg in der Startaufstellung, der Stürmer wurde nach 78 Minuten ausgewechselt. „Was für eine Nacht. Wir sind nur noch einen Schritt von unserem Traum entfernt“, schrieb der 28-Jährige bei Instagram und postete dazu Jubelbilder.

          Schon sicher in Russland dabei ist Spanien. Der Weltmeister von 2010 sicherte sich am Freitagabend mit einem 3:0 gegen Albanien den Platz bei der Endrunde. Neben Gastgeber Russland haben sich zudem Titelverteidiger Deutschland, Brasilien, Belgien, Mexiko, Iran, Japan, Südkorea, Saudi-Arabien und England bereits qualifiziert.

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