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Günter Netzer geht Genug geredet

 ·  Was Gerhard Delling, sein Moderationspartner seit dreizehn Jahren, ihm zum Abschied sagte, fiel so eloquent aus wie erwartet. Was Beckenbauer sagte, will er ihm gelegentlich heimzahlen: Günter Netzer verlässt die ARD.

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Dreizehn Jahre lang konnte man sich als ARD-schauender Fußballfan bei Spielen der Nationalmannschaft fragen, wer denn hier eigentlich begriffsstutzig sei: Gerhard Delling oder Günter Netzer. Denn das Spiel der beiden, die sich wie die Verkörperung der Muppet-Figuren Statler und Waldorf gerierten, machte das Missverständnis zum Normalfall.

Der eine kapierte nicht, dem anderen war es schnuppe. Das hatte den unschätzbaren Vorteil, dass die beiden sich gar nicht mehr sehr anstrengen mussten, mit ihrem Urteil vor Millionen von Bundestrainern zu bestehen. Im Zweifel war es ein Witz, wenn auch meist einer ohne Pointe.

Treu geblieben sind sich die beiden bis zum Schluss. Dellings Dankesrede auf seinen Kompagnon, der mit dem „kleinen WM-Finale“ am Samstag zum letzten Mal ein Spiel der Nationalmannschaft kommentierte, fiel so eloquent aus wie erwartet. Sie bestand aus einem Wort: „Danke.“

Die Einlassung des Bundestrainers Jogi Löw war angemessener, er hob Netzers fachliche Trefferquote hervor und wünschte sich, dass dieser künftig doch einmal Zeit habe, mit ihm essen zu gehen. (Die Anhänger der Nationalmannschaft werden wohl aber finden, dass Löw diese Zeit nicht haben sollte, weil er als Trainer weitermachen soll.) Franz Beckenbauer redete, wie gewöhnlich, erst einmal über sich selbst. Dann fiel ihm ein, dass sie beide dem Geburtsdatum nach Jungfrauen seien und man Netzer doch ansehe, dass er ein Jahr älter sei - Beckenbauer ist Jahrgang 45, sein ehemaliger Mitspieler Jahrgang 44. Seine „Leidensfähigkeit“ sei abermals auf die Probe gestellt worden, meinte der Belobigte schließlich zu Delling, Beckenbauer werde er es bei Gelegenheit heimzahlen.

Anders hätte er auch nicht gehen sollen

Sechs DVDs drückte Delling dem Leidensmann schließlich in die Hand, eine Art „Best of“, drei Scheiben sollen angeblich allein mit dem Geplänkel gefüllt sein, das er und nicht Netzer zu ertragen hatte. Einen blauen Bauarbeiterhelm bekam Netzer auf den Kopf gesetzt, die Studiomitarbeiter huschten nach vorn und lieferten Rosen ab, einer nach dem anderen ein Blümchen. Das hatte etwas von Geburtstagsfeier und Betriebsjubiläum. So bescheiden und bieder verabschiedet die ARD einen verdienten Mitarbeiter; die Intendanten sollten sich ein Beispiel daran nehmen. Und in all seiner Blaustrümpfigkeit hatte es etwas Grundsympathisches, was Günter Netzer stets ausgezeichnet hat. Ein Showman, ein Sprücheklopfer ist er nie gewesen, eine Stilikone natürlich auch nicht, auch wenn Delling inzwischen seine Frisur übernommen hat.

Anders als bei der Nationalmannschaft geht es beim ARD-Fußball nicht weiter wie bisher. Doch gibt Netzers Nachfolger Mehmet Scholl zu den größten Hoffnungen Anlass. Auch er ist kein Großsprecher, sondern ein Analytiker dieses Sports. Reinhold Beckmann, der mit ihm moderiert, wird sich anstrengen müssen, mit seinem ab und an zu gefälligen Parlando beißt er bei Scholl auf Granit. Wie es auf dem anderen öffentlich-rechtlichen Fußballkanal weitergeht, das erscheint uns nach dieser WM als offene Frage. Oliver Kahn machte eine gute, Kathrin Müller-Hohenstein keine besonders gute Figur, und das nicht wegen der Wendung „innerer Reichsparteitag“ oder der ruchbar gewordenen Milchwerbung.

„Ich habe genug geredet“, mit dieser Einlassung tritt Günter Netzer ab.

Der Spielverlauf und das Ergebnis des „kleinen Finales“ der WM in Südafrika wollten zum Geschehen im Studio passen. Mit einer Niederlage hätte Günter Netzer, der stille Anti-Held, auch wirklich nicht gehen sollen.

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