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Flirt-Tipps für WM in Russland : „Entspann dich, es ist nur eine Frau, mehr nicht“

  • -Aktualisiert am

Die russischen Fans freuen sich auf die WM im eigenen Land – aber wohl nicht so sehr auf die Argentinier. Bild: Picture-Alliance

Argentiniens Fußball-Verband bietet eine Schulung an für die Reise zur WM nach Russland. Der gut gemeinte Plan geht völlig nach hinten los. Die Kritik ist heftig. Nur einer versteht die ganze Aufregung nicht.

          Wenn die Argentinier bei der Fußball-WM im Sommer sportlich auch so viel Wirbel veranstalten wie im Vorfeld des Turniers, dürften sie nur schwer aufzuhalten sein auf dem Weg zum Titelgewinn. Vor wenigen Tagen erst sorgte ein Werbespot des argentinischen Sportsenders TyS für mächtig Aufregung. „Lieber russischer Präsident, wir haben gehört, dass in ihrem Land Liebesbekundungen zwischen Männern nicht erlaubt sind. Da haben wir ein Problem“, heißt es in dem Video. Es folgen Szenen von Fans, die sich auf den Tribünen in die Arme fallen und küssen sowie von nackten Spielern, die in der Kabine ihren Sieg feiern. Am Ende heißt es: „Herr Putin, wenn die Liebe zwischen Männern für sie eine Krankheit ist, dann sind wir schwer krank. Und wissen Sie was? Es ist ansteckend.“

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Im WM-Land Russland ist Homosexualität ein Tabuthema. Seit 2013 gibt es gar ein Gesetz, das unter Strafe stellt, sich in Anwesenheit Minderjähriger positiv über Homosexualität zu äußern. Vor allem in Argentinien allerdings sorgte der Spot für Wirbel, denn nicht alle fanden diesen Umgang mit dem Thema gut. Damit würden „Vorurteile weiter verbreitet, die diese Gruppe stigmatisieren“. Der Sender zog das Video wenig später zurück.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Kaum war die Empörung abgeebbt, produzierte Argentinien den nächsten Aufreger vor der WM. Diesmal ist der Fußball-Verband des Landes, das 2014 das Endspiel gegen Deutschland durch Mario Götzes goldenes Tor in der Verlängerung verlor, höchstselbst dafür verantwortlich. Die Kommission für Soziales, Sport und Nachhaltigkeit der Asociación del Fútbol Argentino (AFA) bat Journalisten, Funktionäre und Trainer, die bald nach Russland reisen, am Dienstag zu einer Schulung. So weit, so lobenswert. Doch das Lehrmaterial war äußerst pikant – erreichte über die sozialen Medien schnell auch die Öffentlichkeit. Es folgte der nächste Aufschrei.

          Das von Professor Eduardo Pennisi ausgeteilte Handbuch trug den Titel „Sprache und Kultur Russlands“. Im Kapitel „Wie du Chancen bei russischen Mädchen hast“ steht ganz ungeniert, welche sexistischen Flirttipps die Schulungsteilnehmer vor Ort am besten befolgen sollten, um russische Frauen zu erobern. FAZ.NET übersetzt die acht Punkte im Wortlaut:

          1. Russinnen achten, wie jede andere Frau auch, darauf, ob du sauber bist, gut riechst und gut gekleidet bist. Der erste Eindruck ist sehr wichtig für sie, lege also Wert auf dein Erscheinungsbild.

          2. Russischen Frauen gefällt es nicht, wenn sie als Objekt betrachtet werden. Weil die Russinnen so schön sind, wollen viele Männer sie nur ins Bett kriegen. Vielleicht möchten sie das auch, doch sie sind Menschen, die sich wichtig und einzigartig fühlen möchten. Ich rate dir: Behandle eine Frau als jemand Wertvolles, mit eigenen Ideen und Wünschen. Achte auf ihren Wert und ihre Persönlichkeit. Stelle keine doofen Fragen über Sex. In Russland ist Geschlechtsverkehr etwas sehr Privates und man bespricht das Thema nicht in der Öffentlichkeit. (Vielleicht glaubst du mir nicht, doch ich kenne Männer, die das machen).

          3. Russinnen hassen langweilige Männer. Wenn du keine Smalltalk-Themen hast – wenn du nur über das nachdenkst, was du als Nächstes sagen wirst – liegt das daran, dass du den Moment nicht wirklich genießt und keine Verbindung zu ihr hast. Sei dir bewusst, dass du Ausländer bist und ihr von deinem Land erzählen kannst – wie du lebst, oder von interessanten Sachen, die du in ihrem Land gesehen hast. Vergiss nicht: Wichtig ist, sie in deine Themen einzubeziehen. Versuche, mit ihr in ehrlicher Weise zu sprechen.

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