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WM-Glosse : Endlich Ruhe in Deutschland

Die Party ist vorbei auf den deutschen Fanmeilen. Bild: AFP

Das frühe deutsche WM-Aus hat auch etwas Beruhigendes. Ab sofort kümmern sich nur noch die Leute um Fußball, die sich wirklich für den Sport interessieren. Alle anderen können beruhigt Urlaub machen.

          Schön war’s, all die Jahre. Deutschland, einig Fußballland. Alle zwei Jahre im Sommer: Dienst nach Spielplan. Tippspiel in jeder Bürogemeinschaft. Großbildleinwand noch in jeder Kleinstadt. Autokorso nach jedem Vorrundensieg. Wochenlanges Fußballfieber allerorten, weil die Deutschen ja mindestens ins Halbfinale kommen. Wenn nicht sogar Weltmeister werden. Wir sind Weltmeister. Vorbei.

          Fussball-WM 2018

          In den Hochphasen des Hypes gab es sogar Taktik-Diskussionen über Dreierketten, Doppelsechser und falsche Neuner mit Menschen, die in ihrem ganzen Leben noch nie gegen einen Ball getreten haben. Und die bis Anfang des 21. Jahrhunderts noch jeden für latent asozial hielten, der ein Fußballtrikot jenseits eines Sportplatzes getragen hätte. Vorbei.

          Ein Fußball-Turnier vereinte wie der Eurovision Song Contest. Alle redeten mit, auch wenn das dargebotene Niveau bisweilen erschreckend war. Dazu passte aber die scheinbare neue Weltoffenheit. Die WM, ein Karneval der Kulturen. Schau, wie schön bunt die Afrikaner. Schau, wie emotional die Südamerikaner. Schau, wie eifrig die Asiaten. Konnte man alles genießen, weil am Ende war klar: Die Deutschen gewinnen sowieso. Oder gehören zumindest zu den Besten. Vorbei.

          Doch schon bei Blick auf die WM-Teilnehmer 2018 hätte man stutzig werden können. Von den traditionell emotional beseelten Fußball-Nationen mit den größten Volksgruppen in deutschen Landen waren gleich drei Mannschaften erst gar nicht erst qualifiziert: Türkei, Italien, Griechenland. Auch unsere Lieblingsnachbarn Niederlande und Österreich: nicht qualifiziert. Und die Polen, die beide Kriterien auf sich vereinen: schon nach dem zweiten Spiel verkracht und chancenlos. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein internationaler Autokorso durch deutsche Großstädte kurvt, ist gering geworden: Viele Belgier oder Uruguayer leben nicht in Deutschland. Brexit-Briten sind noch keine da. Nur die Kroaten halten ihre karierten Fähnchen munter hoch.

          Es ist von heute auf morgen ruhig geworden in Deutschland rund um den großen Fußball, dabei fängt die entscheidende Phase der WM mit dem Achtelfinale gerade erst an. Und das hat auch etwas Beruhigendes: Ab sofort, wenn es in den K.-o-Spielen um alles oder nichts geht, kümmern sich nur noch die Leute um Fußball, die sich wirklich für den Sport interessieren. Alle anderen können beruhigt Urlaub machen.

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