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0:0 in Wembley : Das DFB-Team deutet sein Potential an

Ein Duell mit besonderer Brisanz: England gegen Deutschland. Bild: dpa

England und Deutschland trennen sich im Wembleystadion unentschieden. Vor der Pause vergibt das DFB-Team große Chancen, danach hat es Glück nicht doch noch zu verlieren. Ein Leipziger gibt überraschend sein Debüt.

          Nach zehn Siegen in zehn WM-Qualifikationsspielen endete am Freitagabend im Wembley-Stadion die deutsche Erfolgsserie. Allerdings nur ein bisschen. Der Weltmeister konnte den Klassiker gegen England zwar nicht gewinnen, erreichte aber ein gerechtes 0:0-Unentschieden. In der ersten Halbzeit hatte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw die Begegnung weitgehend beherrscht, nutzte aber keine ihrer vier, fünf guten Torchancen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die schnellen Stürmer Timo Werner und Leroy Sané, der in der zwanzigsten Minute nur die Latte traf, deuteten aber immer wieder an, wozu sie mit ihrem Tempo künftig noch in der Lage sein können. Die Engländer hatten insgesamt weniger Chancen und weniger Spielanteile, hielten die Partie aber dennoch bis zum Schluss offen. Das Unentschieden war daher nicht unverdient für die Engländer, die gegen Deutschland zuhause letztmals vor über vierzig Jahren gewinnen konnten (1975). Zumindest diese deutsche Erfolgsserie hat in England gehalten.

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          In Wembley war von der ersten Minute zumindest etwas von den veränderten Kraftverhältnissen in der Bundesliga zu bemerken. Zum ersten Mal standen mit Timo Werner und Debütant Marcel Halstenberg zwei Profis von RB Leipzig in der Startelf, mehr Spieler waren diesmal selbst vom FC Bayern nicht dabei (Mats Hummels und Joshua Kimmich). Der Bundestrainer nutzte den Klassiker, wie von ihm angekündigt, zu einigen Experimenten, auch Ilkay Gündogan und Leroy Sané von Manchester City waren von Beginn an dabei. „Ich möchte nicht nur die sehen, die immer viel spielen, sondern auch die, die noch nicht so oft zum Einsatz kamen“, hatte Joachim Löw vor dem Spiel gesagt.

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          Was der Bundestrainer von seinem neuformierten Team zu sehen bekam, war gar nicht schlecht. In der ersten Viertelstunde ging es auch zur Freude der rund 85000 Zuschauer in Wembley munter hin und her mit einigen, wenn auch nicht allzu großen Chancen auf beiden Seiten. Nach etwa einer Viertelstunde dominierte die deutsche Mannschaft dann allmählich die Partie gegen eine englische Mannschaft, die auch nicht in Bestbesetzung angetreten war.

          Nachdem Sané nach Vorarbeit von Halstenberg schon in der siebten Minute das Außennetz getroffen hatte, landete in der 20. Minute sein schöner Schuss von der linken Strafraumkante fast aus dem Stand heraus an der Unterkante der Torlatte, aber von dort sprang der Ball vor der Torlinie auf – also kein Wembley-Tor. Die Deutschen waren nun das spielstärkere, kombinationssichere Team, aber in manchen Szenen fehlte ihnen in diesem technisch guten und ansehnlichen Testspiel der letzte Biss und die nötige Entschlossenheit vor dem Tor.

          In der 22. Minute vergab das DFB-Team gleich eine Dreifach-Chance durch Werner, Sané und Draxler. Erst hatte Torwart Pickford den Flachschuss von Werner reaktionsschnell abgewehrt, dann rettete Jones nach einem Schuss von Sané mit dem Kopf kurz vor der Linie und schließlich schoss Draxler den Ball über die Latte.

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          Löws Team machte weiter den reiferen Eindruck, und gegen eine lange nicht allzu gefährliche englische Mannschaft, schien der verjüngte Weltmeister darauf zu vertrauen, dass in einer mit Özil, Draxler, Werner und Sané glänzend und sehr schnell besetzte Offensive die Torchance irgendwann schon kommen würden. Und so war es auch, als Werner nach einem Steilpass von Gündogan alleine auf den englischen Torwart zulaufen konnte, aber Pickford den Schuss wieder hervorragend abwehrte.

          Es fehlte nicht viel, und die deutschen Nachlässigkeiten vor dem Tor hätten sich noch in der ersten Halbzeit gerecht. In der 42. Minute hatte das DFB-Team Glück, dass ein abgefälschter Schuss von Abraham nur um Zentimeter am Pfosten vorbei flog – und dann noch einmal, als Vardy unmittelbar vor der Pause alleine vor Torwart ter Stegen nur einen unplatzierten Heber zustande brachte.

          Direkt nach der Pause standen sich ter Stegen und Vardy abermals gegenüber. Diesmal machte es der Engländer mit einem Kopfball aus wenigen Metern, der kurz vor der Linie noch einmal aufsetzte, zwar viel besser – aber der Torwart vom FC Barcelona reagierte prächtig und wehrte den Ball bravourös ab.

          In der zweiten Halbzeit ließen der Schwung und die Überlegenheit der Deutschen nach. Die Engländer, die sich ebenso souverän wie der Weltmeister für die WM in Russland qualifiziert hatten, gestalteten die Partie nun ausgeglichener. Torgelegenheiten wurden selten, temporeiche Angriffe ebenfalls. Beide Teams lauerten zwar weiter auf ihre Chance, riskierten aber deutlich weniger. Nach knapp einer Stunde war es Mats Hummels, der eine gefährliche Hereingabe im Fünfmeterraum über die Latte lenkte, aber auch den englischen Angriffen fehlte die letzte Präzision. Die Deutschen kamen nun auch nicht mehr gefährlich vor das Tor.

          Der Bundestrainer nutzte die Schlussphase dann noch für einige Wechsel. Emre Can und Sandro Wagner kamen zunächst in die Partie, dann auch noch Sebastian Rudy und Julian Brandt. Aber neue Impulse konnten auch sie einem Spiel, das in den letzten zwanzig Minuten nur noch dahinplätscherte, nicht mehr geben. Und beinahe wäre es auch noch schief gegangen – aber der eingewechselte Lingard drosch den Ball in der Nachspielzeit aus kurzer Entfernung über das deutsche Tor.

          Quelle: F.A.Z.

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