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Veröffentlicht: 14.07.2014, 06:50 Uhr

Weltmeister in Brasilien Götze schießt Deutschland zum Viersterneland

1954, 1974, 1990, 2014: Deutschland ist zum vierten Mal Fußball-Weltmeister. Bundestrainer Löw motiviert Götze vor dem goldenen Tor mit einem Messi-Vergleich. Und das „Wunderkind“ geht mit einem Zauberwerk in die Geschichte ein.

von , Rio de Janeiro
© dpa Stolz wie Oskar: Bastian Schweinsteiger (links) und Lukas Podolski

So reden große Trainer, wenn sie eine Ahnung haben und ihrem Instinkt folgen. Joachim Löw jedenfalls nahm Mario Götze zur Seite und flüsterte ihm eine Botschaft ein, die ankam. „Ich habe ihm gesagt, du bist besser als Messi und entscheidest das Spiel.“ Ein Pausengespräch mit Wirkung, geführt in der Halbzeit der Verlängerung beim Weltmeisterschaftsfinale in Rio de Janeiro.

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Götze, in der 88. Minute für Miroslav Klose eingewechselt, glaubte dem Trainer aufs Wort und machte in der 113. Minute „den Messi“. Es war zu einem Zeitpunkt, als die Argentinier im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro schon müde geworden waren und auf ein finales Elfmeterschießen spekulierten. Eine Fehlspekulation, denn nun begann die Sekundengala des 22 Jahre alten Fußballkünstlers des FC Bayern München, den Löw ein „Wunderkind“ nennt.

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André Schürrle flankte den Ball von links punktgenau auf Freund Götze, der ließ ihn von der Brust auf seinen linken Fuß abtropfen und schoss ihn volley und diagonal an Torhüter Sergio Romero vorbei. 1:0 für Deutschland wie 1990 im WM-Finale gegen Argentinien, als Andreas Brehme in der 85. Minute per Elfmeter den Siegtreffer für das von Franz Beckenbauer trainierte Team schoss und damit dem Land und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) den dritten WM-Titel bescherte.

Ein 1:0 reichte auch diesmal zur wohlverdienten Krönung. Und nicht nur Löw war zuvor zum Götze-Gläubigen geworden. Auch der WM-Rekordschütze Miroslav Klose hatte dem vor einem Jahr unter viel Getöse von Dortmund nach München gewechselten Mann mit dem ganz besonderen Fußballfeingefühl vertraut. „Du machst das Ding“, hatte er Götze beim Abklatschen zugerufen. Der hielt sich dran und fühlte sich anschließend wie Mario im Wunderland.

„Es ist unbegreiflich für mich“, sagte er, „wenn man das Tor schießt, nach dem die ganze Mannschaft und das ganze Land feiert. Es ist wie ein Traum.“ Er, der in München manchmal noch fremdelt und bei dem Turnier in Brasilien zuletzt nur zu Kurzeinsätzen eingewechselt wurde, blickte vom größten Augenblick seiner noch jungen Karriere zurück auf eine Saison, die nicht seine gewesen war, als er feststellte: „Es war kein einfaches Jahr, es war kein einfaches Turnier für mich.“

Wie so viele deutsche Spieler bei einer WM, die sie von vornherein mit dem Titelgewinn krönen wollten, musste auch Götze sich durchbeißen und gegen Widrigkeiten ankämpfen. Er tat es auf seine Weise, indem er das schaffte, was dem zum besten Spieler des Turniers gewählten Lionel Messi nicht glückte: Götze nutzte seinen einen großen Augenblick mit einem Zauberwerk, das in die deutsche Fußballgeschichte eingehen wird.

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Deutschland ist nun ein Viersterneland für alle, die bewundernd oder neidisch auf die Nationalmannschaft schauen, die zuvor bei den vergangenen vier großen Turnieren im Halbfinale stand und jetzt nach den Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990 den großen Coup vollbrachte. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der von der Tribüne aus neben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundekanzlerin Angela Merkel voller Zuversicht das hochintensive Duell zweier fast gleichwertiger Mannschaften von großer Qualität verfolgt hatte, zählte später die Daten auf, die aus Deutschland ein Land der Weltmeister gemacht haben. „Wir hatten den 4. Juli in Bern, den 7. Juli in München, den 8. Juli in Rom und jetzt den 13. Juli in Rio de Janeiro.“

Mit einem Feuerwerk wurden am Sonntag die Sieger gefeiert, die als erste europäische Mannschaft das Kunststück fertig brachte, den WM-Titel auf südamerikanischem Boden zu erobern. Dank ihrer Klasse, aber vor allem dank ihres Gemeinschaftswerks, an dem jeder der 23 Spieler seinen Anteil hatte. Bastian Schweinsteiger, der 29 Jahre alte Münchner stand als Sinnbild für den nimmermüden Willen, sich nach vielen vergeblichen Anläufen endlich in den Mitbesitz des begehrtesten Goldpokals seiner Sportart zu bringen.

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