http://www.faz.net/-gaq-9a78b

WM-Kapitän 2014 : Das neue Leben des Philipp Lahm

  • Aktualisiert am

Nach der Karriere hat er mehr Zeit für die Familie und die Kinder: Philipp Lahm (links) mit Frau und Sohn (Bild von 2015). Bild: Picture-Alliance

Nach dem WM-Titel 2014 trat er aus dem DFB-Team zurück, im Mai 2017 endete seine Karriere beim FC Bayern. Nun hat Philipp Lahm neue Aufgaben. Und eines vermisst der frühere Fußballer absolut nicht.

          An die längste Zeitspanne in seiner erfolgreichen Fußball-Karriere erinnert sich Philipp Lahm so kurz vor der WM in Russland wieder häufiger. Denn das erste, woran der Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 2014 denkt, wenn es um den Triumph in Brasilien geht, ist der „Schlusspfiff im Finale“ gegen Argentinien. „Vom Tor von Mario Götze bis zum Abpfiff, das waren die längsten Minuten meines Fußballlebens. Da dachte ich nur: Bitte, bitte, pfeif endlich ab!“, erzählt der heute 34 Jahre alte Lahm.

          Nach dem endlosen Warten im Anschluss an das 1:0 von Götze in der zweiten Hälfte der Verlängerung pfiff der Italiener Nicola Rizzoli ab – und Lahm durfte im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro den goldenen WM-Pokal in Empfang nehmen. Nach seinem 113. Länderspiel und dem größten Fußball-Triumph hörte Titelsammler Lahm im Alter von nur 30 Jahren auf. „Am Höhepunkt“, wie er vier Jahre später sagt. Und rückblickend betont: „Es war für mich die richtige Entscheidung.“

          Konsequenz zeichnet Lahm aus. Er verfolgt Pläne, Ziele und Projekte akribisch. So ist es auch in seinem neuen Leben, dass er ein Jahr nach dem ebenfalls terminierten Karriereende beim FC Bayern mit Inhalten füllt. „Mein Tagesablauf ist abwechslungsreicher geworden“, sagt der gebürtige Münchner. Lahm ist Unternehmer. Er hat seine inzwischen zehn Jahre alte Stiftung für Sport und Bildung. Und er schätzt das Mehr an Zeit für seine Familie, den Sohn und die gerade mal neun Monate alte Tochter. „Ausruhen gibt es da nicht.“ Am wenigsten vermisst Lahm die „tote Zeit“, wie er das ständige Warten rund um die Spiele an Flughäfen und in Hotels bezeichnet, „diese Zeit des Nichtstuns“. Aber auch das Spielen vor 70.000 Fans fehle ihm nicht. „Wenn ich etwas vermisse, ist es die Atmosphäre in der Kabine. Die ist speziell. Aber Profi war ich lange genug.“

          Bilderstrecke

          Der Fußball fesselt ihn weiterhin. Aber Lahm nimmt eine andere Rolle ein. Als Botschafter des DFB für die EM-Bewerbung 2024 kämpft er gegen den Mitbewerber Türkei um ein neues Fußballfest in Deutschland, 18 Jahre nach der WM, die er als Spieler miterlebte. „2006 hatten wir super Wochen in Deutschland.“ Diese Zeit hat ihn geprägt. Das hat ihn empfänglich gemacht für die verantwortungsvolle Botschafteraufgabe. „Deshalb war schnell klar, dass ich ’Ja’ sagen muss. Als Ehrenspielführer und Weltmeister will ich weiterhin Verantwortung im Fußball übernehmen. Ich sehe das schon als große Verpflichtung.“

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Am 27. September wird der EM-Gastgeber 2024 gekürt. Über eine Anschlussaufgabe mag Lahm noch nicht öffentlich reden. „Wir müssen erst einmal den Zuschlag bekommen.“ Aber wer ihn kennt, weiß, dass er Projekte gerne bis zum Ende verfolgt. „Ich habe viel Spaß und Freude an dieser Aufgabe“, sagt er. In Russland wird er zur DFB-Delegation gehören. Auf das WM-Turnier freut er sich. Es ist die erste WM seit 2002, die er nicht als Spieler erlebt. Jetzt könne er mal das gesamte „Drumherum“ bei einem so großen Turnier kennenlernen, betont Lahm. Zudem wird er für die ARD im Einsatz sein. Er will dem Fan in den Gesprächen mit Jessy Wellmer Einblicke geben, „da hilft mir meine Erfahrung von sechs großen Turnieren“. Er sieht sich aber nicht als Gegenpol zum ZDF-Experten Oliver Kahn, seinem früheren Kollegen beim FC Bayern und der Nationalelf. Lahms Gespräche finden auch nicht im WM-Studio in Baden-Baden statt, sondern am Tegernsee, wo er wohnt.

          Er ist gespannt, ob die noch neun WM-Kollegen von Brasilien, die von Bundestrainer Joachim Löw in den vorläufigen Russland-Kader berufen wurden, den Titelgewinn wiederholen können. „Jogi traue ich sehr viel zu“, sagt Lahm: „Er weiß, wie er die Mannschaft perfekt zusammenstellen und vorbereiten kann. Deutschland war immer eine Turniermannschaft. Sie zählt zu den Favoriten.“ Trainer Löw und Käpt’n Lahm – das war ein vertrautes Gespann. Als Lahm Ende 2017 zum Ehrenspielführer ernannt wurde, hielt Löw die Laudatio auf dem DFB-Bundestag in Frankfurt. Der Weltmeistercoach würdigte den Spieler, Anführer, Kapitän und Menschen Philipp Lahm. Löw sagte einen bemerkenswerten Satz: „Für dich müsste eine neue Ehrung erfunden werden: Weltfußballer des Jahrzehnts.“

          Lahms Zukunft nach dem Anfang als EM-Botschafter könnte auch beim DFB liegen. Zum Beispiel als Nachfolger von Teammanager Oliver Bierhoff (50) – irgendwann einmal. Oder es kommt doch zu einer Rückkehr zu dem Verein, zu dem Lahm schon als elfjähriger Bub stieß: Bayern München. Der Versuch, ihn direkt als Sportchef ins Management einzubinden, ist vor einem Jahr fehlgeschlagen. Lahm wurde von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge lange umgarnt. Er hätte die Lücke schließen können, die Sportvorstand Matthias Sammer hinterlassen hatte. Mit verschiedenen Auffassungen von der Tätigkeit, Verantwortungsbereichen und Verantwortlichkeiten begründet Lahm die verfehlte Einigung. Eine Option für die Zukunft bleibt der FC Bayern dennoch für ihn. „Klar. Ich bin 34 Jahre alt. Ich habe hoffentlich noch viel vor mir in meinem Leben. Ich habe aktuell interessante Aufgaben, aber wie gesagt: Ich bin erst 34, ich kann mir das natürlich vorstellen!“

          Weitere Themen

          So will die SPD punkten Video-Seite öffnen

          Landtagswahl in Bayern : So will die SPD punkten

          Ihre Partei liegt in Bayern zwar derzeit laut Umfragen nur auf Rang vier, unverändert bei 12 Prozent: Dennoch macht SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen am Montag in München deutlich, sie wolle dem CSU-Ministerpräsident Markus Söder im Oktober Paroli bieten.

          Topmeldungen

          Eingestürzte Brücke : Plötzlich weggesackt

          Das schwerste Brückenunglück seit Jahrzehnten dürfte die hitzige politische Debatte über den Zustand der Infrastruktur in Italien zusätzlich anheizen. Viele Straßen und Brücken sind nach Jahren der Wirtschaftskrise marode.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.