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Nationalmannschafts-Kommentar Spezialkraft Manuel Neuer

Nun geht es ins Herz der WM: Deutschland trifft in Rio de Janeiro zum Klassiker auf Frankreich. Zu verdanken hat die deutsche Elf das vor allem ihrem Torhüter.

© dpa Vergrößern Starker Rückhalt: Manuel Neuer als aktiver Abwehrspieler

Philipp Lahm war noch einmal durcheinandergeraten mit den Himmelsrichtungen. Vom „wärmeren Süden“ hatte der Kapitän vor dem Spiel gegen Algerien gesprochen, dabei ist es, wie am Montag in Porto Alegre auch an Joachim Löws Dienstblazer zu erkennen war, natürlich genau umgekehrt. Von jetzt an kann so etwas nicht mehr passieren. Die deutsche Mannschaft ist mit dem 2:1-Sieg im Herzen dieser Weltmeisterschaft angekommen – wenn auch mit einigem Herzflattern und erst nach Verlängerung.

Rio de Janeiro heißt die nächste Station am Freitag. Und wenn die Deutschen es zur brasilianischen Mittags- und zur besten deutschen Feierabendzeit um 18 Uhr mit den Franzosen zu tun bekommen, wird die Stimmung auch in der Heimat einen ersten Siedepunkt erreichen.

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Deutschland gegen Frankreich, das ist nicht nur ein echter europäischer Klassiker. Es ist auch ein emotional aufgeladenes Duell. 6:3 hieß es für die Franzosen im Spiel um Platz drei 1958 – lange her. An die beiden anderen Duelle sind die Erinnerungen noch frischer. An das Halbfinale 1986, das die Deutschen 2:0 gewannen. Vor allem aber an den Sieg im Elfmeterschießen 1982, ebenfalls im Halbfinale, in der legendären „Nacht von Sevilla“, in der sich so manche Szene in die Erinnerung eingebrannt hat.

© dpa Das Video in der ZDF-Mediathek

Dass es in Brasilien nun zum vierten WM-Rendezvous kommt, hing allerdings lange Zeit an einem äußerst dünnen Faden. Zuerst hatten die Franzosen ihre liebe Müh gegen Nigeria. Und auch die Deutschen mussten ein Hindernis aus dem Weg räumen, das gewiss nicht viele so groß erwartet hätten. Selten hat man eine deutsche Mannschaft so fehlerhaft und ratlos gesehen wie in der ersten halben Stunde im Stadion Beira-Rio. Löws Team wirkte wie schockgefroren. Oder besser: kaltgestellt von den Algeriern, der Nummer 22 der Weltrangliste.

Münchner Block half nicht

Es half auch nicht, dass der Bundestrainer erstmals bei dieser WM alle sieben Münchner in seinem Kader in die Startelf stellte.  Dass auch dieser FC Bayern Deutschland es lange Zeit nicht schaffte, in die gefährliche Zone einzudringen, sprach nicht nur für die imponierende algerische Widerstandskraft – wie sie die Deutschen an jeder Stelle des Platzes, vor allem aber im Zentrum, unter Druck setzten, war lehrbuchreif. Es führte auch noch einmal vor, dass das an guten Tagen so federleichte deutsche Spiel nach wie vor ziemlich störanfällig ist. Und dass das variable Kombinationsspiel ziemlich eindimensional daherkommt, wenn ein Gegner es schafft, hart am Mann zu sein und die Räume dichtzumachen. 

Die Hereinnahme Schürrles zur Pause war die richtige Reaktion des Bundestrainers auf eine höchst verunsichernde, fast schon verstörende erste Hälfte - dass der Mann vom FC Chelsea zu Beginn der Verlängerung das 1:0 erzielte, erwies sich als eine passende Pointe. Löw und sein Team konnten heilfroh sein, dass die Algerier weder in ihrer furiosen Anfangsphase noch bei einigen Kontern später das letzte Quentchen Konzentration aufbrachten, sonst hätte es ganz anders laufen können.

Dass es nicht so kam, war in besonderem Maße einem zu verdanken. Manuel Neuer. Der Torwart musste so oft wie lange nicht Hals über Kopf aus seinem Strafraum eilen, um Schlimmeres zu verhindern. Es war so oft von Spezialkräften im deutschen Team die Rede bei dieser WM. Die größte aber war dabei noch nicht einmal gemeint: Ein Torwart, der nicht nur seinen Strafraum, sondern als zusätzlicher Abwehrspieler fast die ganze eigene Hälfte beherrscht. Gegen Algerien war er in dieser Doppelrolle nicht weniger als der zwölfte Mann.

Das Drama von Porto Alegre Matchwinner: André Schürrle hat Deutschland ins Viertelfinale geschossen © REUTERS Bilderstrecke 

Quelle: F.A.Z.

 
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