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DFB-Team vor WM-Start : Löws schwere Aufgabe mit Özil und Gündogan

„Der Rasen war ein paar Millimeter zu hoch“: Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

Die Erdogan-Affäre bleibt ein Thema beim DFB-Team. Grindel und Löw hoffen, dass es sich verflüchtigt. Doch die Zahl der deutschen Fans, die zur WM kommen, könnte in diesem Fall zum Problem werden.

          Hat er die Schultern hängen lassen und teilnahmslos gewirkt? Oder hat er ein paar Mal blitzgescheite Pässe gespielt, am Ende vielleicht sogar gelächelt? Wie immer in den Tagen vor dem WM-Auftakt ist vieles rund um die deutsche Nationalmannschaft Interpretationssache, und derzeit vor allem, wenn es um Mesut Özil und Ilkay Gündogan geht. Bei Özil konnte im einzigen öffentlichen Training vor dem Auftakt am Sonntag gegen Mexiko (17.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei Sky) jeder herauslesen, was er herauslesen wollte, bei Gündogan blieb zu notieren, dass er im Trainingsspielchen das erste Tor schoss – und die Kinder der deutschen Schule in Moskau applaudierten.

          Ob das am Sonntag auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Denn mit dem Flug nach Moskau hat der Deutsche Fußball-Bund sein derzeit größtes Problem nicht zu Hause lassen können. Und schon gar nicht ist zu erwarten, dass es wegen mangelnden Interesses an dieser Weltmeisterschaft vor Ort nun versanden könnte. „79.000 Tickets sind an deutsche Fans verkauft worden. Damit belegen wir im Ranking Platz zwei hinter dem Gastgeber Russland“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.

          Klingt schön, könnte aber wieder ein Problem werden, wenn es abermals zu Pfiffen der deutschen Fans gegen Özil und Gündogan kommen würde. „Dann ist es halt so“, sagte Bundestrainer Joachim Löw zu dieser Variante, die der Mannschaft im letzten Testspiel gegen Saudi-Arabien zu schaffen gemacht hatte. „Es war danach in der Kabine ein Thema, aber es ist jetzt hier keines mehr. Wir wissen alle, dass Mesut und Ilkay zu unseren Werten stehen. Meine Aufgabe besteht jetzt darin, beide Spieler so weit zu bringen, dass sie einen Mehrwert für unser Team haben.“

          Das wird nicht einfach werden, wenn die These des DFB-Präsidenten zutrifft. „2014 war Integration noch positiv besetzt, aber durch die Zuwanderung 2015 hat sich bei vielen offenbar etwas verändert. Es scheint da etwas zu geben , was tiefer liegt, was weit über die beiden Spieler hinausgeht“, sagte Grindel, der in diesem Fall auf einen sportlichen Lösungsansatz hofft, der zwar keine gesellschaftspolitischen Fragen beantwortet, aber dem Team fürs erste weiterhelfen würde: „Dass sich jeder für Deutschland einsetzt mit allem, was er hat und alles gibt. Und wenn er denn schon in Interviews keine Antworten geben will – dann vielleicht auf dem Platz.“ Es blieb der Eindruck, dass sowohl der Präsident als auch der Bundestrainer hoffen, dass sich mit dem ersten Spiel das Thema bei der WM verflüchtigt – und einigermaßen ratlos sind, wenn es anders käme.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Große andere Sorgen bedrücken den Bundestrainer ansonsten nicht. Ein möglicher Vereinswechsel von Jerome Boateng, den die Bayern am Mittwoch quasi ins Schaufenster stellten und für verkäuflich erklärten, wenn der Preis stimmt, bewegte Löw nicht einmal am Rande. „Es interessiert mich absolut überhaupt nicht, was nach der WM ist.“ Schon eher, wie es aktuell ist, und da sah der Bundestrainer einen Boateng, der „sehr hart an seiner Fitness gearbeitet hat und sehr präsent im Training war“. Und damit das so bleibt und nicht noch irgendetwas Unerwartetes dazwischen kommt, wird bis zum nächsten Training auf dem auf Hochglanz polierten Übungsgelände von ZSKA Moskau noch einmal nachgebessert. „Der Rasen war ein paar Millimeter zu hoch“, stellte Löw fest. Denn selbst klein erscheinende Dinge können manchmal riesige Auswirkungen haben.  

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