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Wirbel um Erdogan-Fotos : Der DFB macht es sich leicht

DFB-Präsident Reinhard Grindel. Bild: AP

Verband und Nationalelf reagieren auf die landesweite Empörung über Özil und Gündogan mit selbstgefälliger Nonchalance. Klar ist nun: Jeder politische Dumm- und Wirrkopf darf Fußball-Deutschland in der Welt vertreten – wenn er nur gut genug kicken kann. Ein Kommentar.

          Der Deutsche Fußball-Bund und die Nationalelf standen vor einer schwierigen Entscheidung, einem Dilemma aus sportlicher Ambition und gesellschaftspolitischer Haltung: Können es sich der größte Sportverband und die wichtigste Mannschaft des Landes erlauben, zwei Spielern die Ehre zu geben, Deutschland bei einer Fußball-Weltmeisterschaft zu vertreten, die sich für eine Werbe- und Wahlaktion in den Dienst eines Autokraten stellen oder sich von ihm in Dienst nehmen lassen, der demokratische Rechte mit Füßen tritt – wenn die Nationalmannschaft gleichzeitig das deutsche Symbolteam für Integration und Toleranz sein soll?

          Nach der landesweiten Empörung, die Weltmeister Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit ihrer Geste der Trikotübergabe samt Widmung gegenüber Präsident Erdogan auslösten, haben es sich der Verband und die Nationalelf mit selbstgefälliger Nonchalance erschreckend einfach gemacht. Klar ist nun: Die Nationalmannschaft ist allein zur sommerlichen Volksbespaßung da. Sie steht ausschließlich für sportlichen Erfolg – Integration und Toleranz sind nicht mehr als schmückendes Beiwerk, sie entspringen keiner inneren Haltung und Überzeugung. Jeder politische Dumm- und Wirrkopf darf Fußball-Deutschland in der Welt vertreten – wenn er nur gut genug kicken kann.

          DFB-Präsident Reinhard Grindel hat im Zuge der WM-Nominierung das gesellschaftlich hochbrisante Thema mit dem Satz vom Tisch gewischt, dass Menschen Fehler machten. Bei der Beurteilung der beiden Nationalspieler müsse man daher Maß wahren. Mit der Aktion von Özil und Gündogan auf der Londoner Veranstaltung sei zwar das Trennende in den Vordergrund getreten, aber nun solle man gemeinsam den Weg zurück zum Miteinander finden. Bundestrainer Joachim Löw sagte, er habe keine Sekunde an ihrer Nominierung gezweifelt, auch wenn es keine glückliche Aktion gewesen sei. Beide Spieler hätten ihm versichert, dass sie keine politische Botschaft hätten aussenden wollen, sie hätten vielmehr zuvor eine Menge getan für die Integration in Deutschland.

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          Tatsache ist: Man weiß nicht, aus welchen Gründen sich Gündogan, der die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, sich „hochachtungsvoll“ seinem „verehrten Präsidenten“ Erdogan andiente. Und man kennt auch nicht die Motive Özils. Das ist auch nicht entscheidend. Tatsache bleibt, dass zwei der deutschen Nationalspieler, die sich ansonsten allesamt mit politischen Äußerungen aus guten Gründen zurückhalten, die Nähe zu einem Machthaber suchten, der für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist und die Bundeskanzlerin in die Nähe von Nazis rückte. Das hat nichts mit „zwei Seelen in einer Brust“ von zwei deutschtürkischen Spielern zu tun. Auch die Ausflüchte von der politischen Naivität von Fußballprofis, die nun vorgebracht werden, tragen nicht weit.

          Innere Haltung ist nicht abhängig von Intelligenz oder Bildung. Es muss sich daher niemand wundern, wenn der Dienst der Fußballidole Özil und Gündogan für Erdogan von vielen Menschen und vermutlich nicht zuletzt von jungen, türkischstämmigen Fans in Deutschland als Abwendung von Deutschland empfunden wird. Gündogan und Özil haben der Integration in Deutschland damit den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen. Sie werden im Sommer bei der WM mitspielen dürfen, vermutlich müssen sie sich nicht einmal in der Öffentlichkeit grundsätzlich erklären.

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          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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