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Deutsche Einzelkritik Argentinien ist Papst - aber Deutschland ist Weltmeister

Schürrle bringt Schwung und schlägt die entscheidende Flanke zum WM-Sieg. Götze kommt und wird zu Deutschlands Messias. Die deutschen Weltmeister in der Einzelkritik.

© dpa Vergrößern Zehn bekannte und ein neues Gesicht: Christoph Kramer (links unten) rückt plötzlich ins WM-Finale

1 - Manuel Neuer: Musste selten sein ganzes Können aufbieten, um Eindruck zu hinterlassen – was er tat, hatte Hand und Fuß. Nur bei einer riskanten Rettung gegen Higuaín in der zweiten Halbzeit mal kurz am Rande eines Kontrollverlusts. Ansonsten der gewohnte Souverän an und in seinem Strafraum.

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16 - Philipp Lahm: Eine beeindruckend souveräne Partie auf der rechten Abwehrseite – wo er auch blieb, als Kramer vom Platz musste. Defensiv eine Bank, in der Offensive immer wieder mit guten Ideen, als Flankengeber oder Zuspieler durch die Mitte. Starke Mischung aus Ruhe und Tempoverschärfung.

20 - Jerome Boateng: Beschränkte sich überwiegend auf die Defensive und überließ, wenn das Spiel von hinten heraus aufgebaut wurde, zumeist Nebenmann Hummels den Ball. Seine Tempo war wichtig bei den schnellen Vorstößen des Gegners, ermöglichte mit einem Fehler allerdings Higuaíns Abseitstor nach einer halben Stunde. Ließ Messi früh in der zweiten Halbzeit aus den Augen, was fast das 0:1 bedeutet hätte. Die eine oder andere Nachlässigkeit zu viel also – das Ganze allerdings bei vielen überzeugenden Rettungsaktionen vor allem gegen Ende, als die meisten Mitspieler körperlich schlechter dran waren als er.

© AP Das Video in der ZDF-Mediathek

5 - Mats Hummels: Nach überstandener Sehnenreizung am Knie einige Male gehörig in Not, weil die Argentinier die meisten ihrer Gegenstöße über seine linke Abwehrseite aufzogen. Stieß dabei bisweilen an die Grenzen seiner Sprintfähigkeiten. Rettete andererseits oft in höchster Not. Musste augenscheinlich an seine Grenzen gehen – was in der Verlängerung zu einem beinahe verhängnisvollen Stellungsfehler gegen Palacio führte – aber der verzog.

4 - Benedikt Höwedes: Sein Pfostentreffer per Kopfball kurz vor der Pause war lange die auffälligste deutsche Offensivaktion. Solide und mit gutem Timing – außer bei der Gelben Karte gegen ihn nach einem ziemlich ruppigen Foul oder bei der einen oder anderen Flanke, die er bei hohem Tempo schlagen musste. Defensiv aber oft sehr zupackend.

7 -  Bastian Schweinsteiger: Mann der tausend Ballkontakte. Eine Art Quarterback vor der Abwehr, der sich mal Messi und Co. entgegenstemmte, mal den Takt in der Offensive bestimmte. Herr über Spielrichtung und Spieltempo. Dass er schon nach einer halben Stunde mit einer (unverdienten) Gelben Karte belastet war, sah man seinem Spiel nicht an. Enorm präsent.

23 - Christoph Kramer: Der junge Gladbacher, Spontan-Ersatz für den angeschlagenen Sami Khedira, warf sich unerschrocken ins Finale, spielte riskante Pässe in die Spitze, war anspielbereit – und musste nach etwa einer halben Stunde mit einer Gehirnerschütterung wieder raus, zermürbt von der Härte der Argentinier. Vor allem ein ruppiges Einsteigen von Garay hatte ihm zugesetzt. Trotzdem: ein beachtlicher Auftritt.

Von Kramers Verletzung bis zu Götzes Tor Hoch das Bein: Torwart Neuer trifft Higuain mit dem Knie am Kopf, der Schiedsrichter pfeift nicht © REUTERS Bilderstrecke 

18 - Toni Kroos: Neben dem dominanten Schweinsteiger und dem spielfreudigen Özil zunächst weniger auffällig als zuletzt – mal abgesehen davon, dass seine Standards immer eine latente Gefahr waren. Sorgte mit einer nachlässigen Rückgabe per Kopf für einen Schreckmoment, als er Higuaín die erste große Chance der Argentinier gestattete. Seine ansonsten sehr guten Fernschüsse waren schon bedrohlicher.

13 - Thomas Müller: Am auffälligsten, als er Schürrles Chance kurz nach dessen Einwechselung ermöglichte – was viel über sein Spiel aussagte: Rackerte wie immer, warf sich in jeden Zweikampf und hatte mit Rojo einen der unangenehmsten Gegenspieler. Seine Gefährlichkeit aber war ungewöhnlich häufig nur in Andeutungen zu erkennen.

8 - Mesut Özil: Irgendwie verändert im Vergleich zu den vorangegangenen Partien – energischer, entschlossener, das Spiel in die Hand zu nehmen. Das Ganze bei gewohnt hoher Laufleistung und häufigen Wechseln von links nach rechts und wieder zurück. Nach Kramers Ausscheiden rochierte er dauerhaft auf seine Lieblingsposition ins Zentrum.

11 - Miroslav Klose: Bewegte sich genau dort, wo er den Argentiniern weh tun konnte und attackierte die ersten ballführenden Gegner immer wieder energisch. Aber aller Einsatz reichte nicht, um richtig gefährlich zu werden – ein Gegner stand immer noch im Weg, oder ein paar Zentimeter an Präzision fehlten bei den Zuspielen. Für Götze spät ausgewechselt.

9 - André Schürrle: Besetzte für Özil nach etwa einer halben Stunde die linke Offensivseite, als Kramer vom Platz ging. Mit seiner Hereinnahme kam Schwung, er hatte früh einige gute Chancen – und auch eine besonders gute zu Beginn der Verlängerung. Von der ersten Minute an ein Gewinn fürs Offensivspiel. Er gab die WM-entscheidende Flanke zu Götzes Tor.

19 - Mario Götze: Kam spät für den ausgepumpten Klose, um mit seiner Quirligkeit und Unberechenbarkeit dem müder werdenden Gegner weh zu tun. Brachte sich oft vom rechten Flügel aus ins Spiel – bei seinem Weltklasse-Tor mit perfekter Ballannahme und kunstvollem Schuss kam er allerdings über links.

17 -  Per Mertesacker Ersetzte kurz vor Schluss Özil, um Zeit herauszuschlagen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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